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GESELLSCHAFT

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Rückblick - Der Wein und die Königin

Dr. Nickenig: Zunächst möchte ich Ihnen im Namen der Deutschen Weinakademie (DWA) danken, dass Sie für dieses Gespräch zur Verfügung stehen. Einleitend sollte ich darauf hinweisen, dass wir uns in der DWA nicht nur mit den medizinischen und ernährungsphysiologischen, sondern auch mit den gesellschaftspolitischen und kulturellen Aspekten des Weinkonsums beschäftigen. Da ich im Wissenschaftlichen Beirat der DWA die Aufgabe habe, mich um die beiden letzten Aspekte zu kümmern, habe ich die Freude, mit Ihnen heute das Gespräch führen zu dürfen.

Unter der Überschrift „Kultur & Gesellschaft“ befassen wir uns mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen, die von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) entworfen werden, mit dem europäischen und nationalen Regelwerk. Da die Weinbranche sich zwischen Tradition und Zukunft bewegt, blicken wir auf die historischen Pioniere der Weinkultur, arbeiten aber auch mit Unterstützung der WiM-Botschafter*innen an den aktuellen und zukünftigen Fragen der Weinkultur. Aus unserer Sicht haben auch die Deutschen Weinköniginnen eine wichtige Aufgabe, um die Erfolgsgeschichte der deutschen Weinkultur fortzuschreiben.

Deshalb freue ich mich sehr, dass ich mit Ihnen über diesen Themenkreis, über Ihre eigenen Erfahrungen als Deutsche Weinkönigin 1972/73 und über Ihr Leben danach sprechen kann. Wir wollen in diesem Gespräch insbesondere die Rolle der Weinkönigin für die deutsche Weinkultur beleuchten. Es liegt nahe, auch über den Wandel des Amtes und der Weinkultur zu sprechen. Da macht es sich gut, dass Sie sich entschlossen haben, ein Buch über Ihre Regentschaft zu schreiben, das überschrieben ist mit „Rückblick - Der Wein und die Königin“.

Bevor ich in den Verdacht komme, dass ich nicht Rudolf Nickenig, sondern Markus Lanz heiße, möchte ich nun doch endlich auf die Zielgerade zur ersten Frage kommen: Als Sie dieses Buch geschrieben haben, haben Sie vermutlich rückblickend das Amt der Deutschen Weinkönigin eingeordnet. War das Amt der Deutschen Weinkönigin so etwas wie ein Fitnessprogramm für das weitere Leben?

Neradt: Ihre Frage kann ich mit einem klaren „Ja“ beantworten! Allerdings habe ich die Vorzüge des Amtsjahres erst viele Jahre später wirklich erkannt. Nach dem Königinnenjahr stand mein Beruf zunächst im Mittelpunkt. Erst als ich 1985 anfing, als Künstlerin auf der Bühne zu stehen, spürte ich, was ich von diesem Jahr mitgenommen habe. Und das war für meinen späteren Beruf essentiell!

Dr. Nickenig: Es ist sicherlich begrüßenswert, wenn die Weinbranche junge Repräsentantinnen fit fürs Leben macht. Kritiker fragen: Was bringt es der Branche, den Beitragszahlern? Ist das Amt der DWK als Marketinginstrument zu betrachten? Oder ist es mehr – ein Stück Weinkultur?

Neradt: Meines Erachtens ist es sowohl als auch. Sehen Sie, zu meiner Zeit hatte ich weniger das Gefühl, als Marketinginstrument unterwegs gewesen zu sein. Das sehen die Mädels heute anders und werden dementsprechend auch vorbereitet. Die Kandidatinnen, jedenfalls die ich kennenlernen durfte, haben fast alle in irgendeiner Form Weinbau oder Weinwirtschaft studiert oder sind noch dabei. Ich war damals zwar Winzertochter, aber von Beruf medizinisch-technische Assistentin!

Wäre es damals schon üblich gewesen, dass Mädchen das Weingut der Eltern übernehmen, hätte sicherlich auch für mich die Situation anders ausgesehen. So aber stand für mich die Weinkultur schon eher im Mittelpunkt. Schließlich hatte ich auch durch den Rheingauer Weinkonvent schon einiges mitbekommen. Dort bin ich seit 1973 Ehrenmitglied. Es gab ja auch von 1954-2002 den Weinkulturpreis, der an Schauspieler, Autoren, Sänger und auch Institutionen vergeben wurde, die sich alle mit der Weinkultur auseinandergesetzt haben. Nebenbei: Ich bin seit 2000 „Weinsenatorin“ der Stadt Bingen und seit 2005 „Weinpilgerin“ von Bechtheim. In solchen und vielen anderen Städten wird Weinkultur heute noch aktiv in verschiedenen Veranstaltungen gepflegt und das wird auch hoffentlich so bleiben. Wein ist und bleibt schließlich ein Kulturgut.

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