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DWA: Welche Auswirkungen hatte COVID bei Einkauf und Konsum (Menge, Qualitäten, Preis) während der ersten Welle in Deutschland im Vergleich zu Nachbarstaaten?

Loose: Es gibt jetzt aus mehreren Quellen und Studien Informationen vor zu den Veränderungen des Kauf- und Konsumverhaltens der Deutschen durch COVID. Zum Beginn der Pandemie im März war im Lebensmitteleinzelhandel eine starke Bevorratung der Konsumenten zu beobachten, so dass die pro Haushalt gekaufte Weinmenge um 10% anstieg (siehe Tabelle 1). Ab dem April kam es dann zu einer Verlagerung des außer-Haus Konsums aus der Gastronomie und Hotellerie, dem Weintourismus und von Festlichkeiten in den Heimkonsum. Die Käuferreichweite des LEH und der Umsatz mit Wein stieg ab April deutlich an und erreichten im Mai ihren Höhepunkt, bevor sich im Juni die Lockerungen weitflächig durchgesetzt haben.

Der LEH-Umsatz mit Wein insgesamt ist laut den Nielsendaten in 2020 etwas stärker gestiegen als die LEH-Absatzmenge, was für höhere Ausgaben für den Heimkonsum als in den Vorjahren spricht. Anekdotische Berichte sagen, dass sich die Konsumenten etwas Besonderes gönnten und sich während der Schließung der Gastronomie höherwertige Weine für zu Hause leisteten. Dies wird auch von der Mehrheit der Experten im ProWein Business Report bestätigt.

Beim genaueren Hinsehen legen die Nielsendaten jedoch nahe, dass dieses Trading-up vor allem für importierte Weine zutraf und bei einheimischen Weinen etwas weniger stark vorkam. Hier gab es jedoch starke regionale Unterschiede. Während in den Weinbauregionen eher mehr für Wein ausgegeben wurde, profitierten im Norden außerhalb der Weinregionen eher die preiswerten Weine. Jeder vierte Weinvermarkter stimmte im ProWein Business Report zu, dass lokale und einheimische Weine von den Konsumenten bevorzugt wurden. Ausgeglichen ist der Anteil der Experten, die risikoaverses Einkaufsverhalten der Konsumenten mit höherer Treue zu bekannten Weinmarken beobachtete und der Anteil der Experten, die innovatives und abwechslungsreiches Kaufverhalten ihrer Kunden erlebten. Hier gab es also eine große Bandbreite an Verbraucherreaktionen.

Deutschland weicht in zwei wesentlichen Punkten von den europäischen Nachbarn ab. Zum einen konnten die deutschen Weinproduzenten recht einfach ihre einheimischen Weinkonsumenten direkt vor der Haustür erreichen und waren deutlich weniger von Exporten in andere Länder abhängig als z.B. Spanien oder Frankreich. Die Exportschwäche der deutschen Weinproduzenten wandelte sich in der Pandemie zu einer Stärke und zu einem Vorteil. Zum anderen ist der deutsche Weinkonsum weniger stark von der Gastronomie und dem Tourismus abhängig, als in den mediterranen Ländern. Die Deutschen trinken den größeren Teil ihres Weins zu Hause und nicht außer Haus. Die Schließungen der Gastronomie hatten deshalb nicht ähnlich katastrophale Auswirkungen auf die Weinnachfrage wie im Süden von Europa. Da die Weingastronomie in Deutschland aber stark von importierte Weinen geprägt ist, haben ausländische Weine im Weinwirtschaftsjahr 2019/20 durch die Schließungen laut der Weinmarktbilanz in Deutschland etwas an Absatz verloren.


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