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DWA: Wie wirkten sich die Lockerungen im Sommer auf Absatzdaten und Konsummuster aus? Wirken sich die unterschiedlichen COVID-Regelungen in Deutschland und den Nachbarländern auf den Weineinkauf und –konsum aus?

Loose: Wir haben über den Sommer beobachtet, dass viele Deutsche Urlaub zu Hause und im Inland verbracht haben. Es kam in einigen Regionen, wie an der Mosel, zu einer deutlichen Belebung des Weintourismus. Winzer von der Mosel berichteten von einer nie dagewesenen Nachfrage und einer veränderten Struktur der Besucher, wodurch auch neue Kunden gewonnen werden konnten. Nach einem verhaltenen und vorsichtigen Beginn, kam es über den Sommer auch zu einer Belebung der Gastronomie, wobei vor allem Anbieter mit Außenanlagen stark frequentiert wurden. Im gleichen Maße, wie die Deutschen wieder Wein beim Winzer und in der Gastronomie genießen konnten, gingen die Umsatzsteigerungen im Lebensmitteleinzelhandel laut Nielsen Daten des DWI wieder etwas zurück. Trotzdem haben die in der Heimat gebliebenen Deutschen dazu beigetragen, dass der Weinkonsum laut der Weinmarktbilanz für 2019/20 in Deutschland insgesamt etwas gestiegen ist. Der sonst im Urlaub in Italien, Frankreich oder Spanien getrunkene Weine wurde dieses Jahr in Deutschland gekauft.

Auch bei den Motiven für den Weinkonsum konnten wir in unserer im Oktober durchgeführten Befragung feststellen, dass die sozialen Anlässe wieder stark angestiegen sind. Wein gemeinsam mit Freunden zu trinken ist im Vergleich zum ersten lockdown über den Sommer signifikant angestiegen. „Um mit Freunden“ zusammen zu kommen wurde damit das am fünft wichtigste Konsummotiv für Wein nach „Genuss des Geschmacks“, „passt zum Essen“, „um mich selbst zu verwöhnen“ und „zum Entspannen“. Im Vergleich zum lockdown im Frühling konnten wir über den Sommer auch erfreulicherweise einen Rückgang der sorgenvollen Konsummotive, wie „um mich von Problemen abzulenken“, „weil ich mich langweile“ und „um mir beim Einschlafen zu helfen“, auf deutlich unter 10% beobachten. Diese deuten auf eine Normalisierung des Konsumverhaltens durch die Lockerungen hin. Es bleibt hier zu hoffen, dass dies auch nach einer Normalisierung der Lage im Jahr 2021 wieder genauso eintritt.

DWA: Unser Gespräch findet kurz vor Weihnachten statt. Welche Auswirkungen sind durch die neuen Lockdown-Beschlüsse auf das Weihnachts- und Silvestergeschäft zu erwarten?

Loose: Bereits in unserer Geisenheimer Konjunkturbefragung deutscher Weinproduzenten im Oktober waren verhaltene Aussichten für den Winter zu beobachten. Die Weinproduzenten befürchteten schon zu Beginn des Herbstes erneute Beschränkungen, die nun auch eingetreten sind. Am stärksten davon sind die Veranstalter und Zulieferer von Weihnachtsmärkten und die Gastronomie betroffen, da alle weihnachtlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten abgesagt werden mussten. Auch hier wird es wie im Frühjahr im Großen und Ganzen eine Verlagerung des Konsums nach Hause geben.

Der Einkauf von Wein hat sich im zweiten lockdown wieder auf den Lebensmitteleinzelhandel und das Onlinegeschäft verlagert. Betreiber von Onlineshops berichteten sofort im November mit einem starken Anziehen der Verkäufer über die Onlinekanäle der Winzer.

Manche Getränke werden jedoch insgesamt negativ betroffen sein. Wie die Sektnachfrage durch fehlende Anlässe gesunken ist, so wird auch die Glühweinnachfrage in Gemeinschaft im Freien nicht zu Hause alleine nachgeholt werden. Wenn Weihnachten und Silvester nur in ganz kleinem Kreis ohne die Großfamilie und Freunde gefeiert werden, dann wird auch hier der soziale Anlass der gemeinsam zelebrierten Festlichkeit für den Weinkonsum wegfallen. Wie schon im Frühling werden sich aber viele Weinliebhaber auch im zweiten lockdown zu Hause die besondere Freude eines besonderen Weins gönnen, um sich damit zu verwöhnen, wenn viele andere geliebten Betätigungen wegfallen müssen.

Vielen Dank für das Interview Frau Prof. Dr. Loose!

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