Gesellschafts-
politische ASPEKTE

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Bundesregierung & BMG

Sechster Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung – Lebenslagen in Deutschland

(Stand Ende Mai 2021)
Die Bundesregierung hat Mitte Mai ihren „Sechsten Armuts- und Reichtumsbericht – Lebenslagen in Deutschland“ vorgelegt (Drucksache 19/29815). Grundsätzlich trägt die Armuts- und Reichtumsberichterstattung aktuelle Erkenntnisse zusammen, die für die Gestaltung von sozial ausgewogener, die allgemeine Wohlfahrt fördernder Politik erforderlich sind. Dazu gehören die Analyse der Stabilität oder Unsicherheit materiellen Wohlstands und die Identifikation verletzlicher Bevölkerungsgruppen. Wichtig für die Widerstandsfähigkeit gegen krisenhafte Ereignisse ist zudem die in diesem Bericht betrachtete individuelle Teilhabe in Lebenslagen wie Erwerbsleben, Bildung, Gesundheit, Wohnen sowie die soziale und auch politische Teilhabe. In diesem Jahr wurde der Bericht von Covid überschattet. Im Folgenden werden die Passagen des rund 550 Seiten starken Berichtes herausgegriffen, in denen Alkoholkonsum eine Rolle spielt.

Der Bericht beleuchtet unter anderem die Situation der Wohnungslosen. Covid war für Wohnungslose ein besonders großes Problem und stellt generell fest: „Darüber hinaus werden Wohnungslose häufiger Opfer von Gewalttaten und es gibt Anzeichen dafür, dass sie sehr viel häufiger unter seelischen Erkrankungen und Alkoholabhängigkeit leiden.“ Der Bericht beschäftigt sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeitslosigkeit: „Anhaltende Arbeitslosigkeit ist ein erheblicher Risikofaktor für die Gesundheit. […]Ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht auf Tabakprodukte sowie auf schädlichen Alkoholkonsum trägt nachweislich zur Gesunderhaltung bei.“ (Anm.: Es ist erfreulich, dass die Bundesregierung hier klar den schädlichen Alkoholkonsum anspricht. Es werden ein genereller Verzicht auf Tabakprodukte und ein Verzicht auf schädlichen Alkoholkonsum gefordert. Diese Differenzierung ist richtig und wichtig.)

Der Bericht betrachtet dann genauer die Lebensstile nach Alters- und Einkommens- bzw. Statusgruppen. Betreffend Alkoholkonsum stellt er fest: „Beim Alkoholkonsum stellen sich die Unterschiede zwischen den Statusgruppen anders als beim Rauchen dar. Der Alkoholkonsum bei den 11- bis 17-Jährigen unterscheidet sich in den sozialen Gruppen nur geringfügig. Insgesamt und im Hinblick auf riskante Verhaltensweisen wie Rauschtrinken ist er in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Bei Erwachsenen ist Alkoholkonsum eher bei den höheren Statusgruppen anzutreffen. Von einem riskanten Alkoholkonsum ist bei 15 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen mit niedriger Bildung auszugehen, jedoch bei 18 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen mit hoher Bildung. Die Werte für die mittlere Bildungsgruppe liegen zwischen denen der niedrigen und der hohen Bildungsgruppe.“

 

In dem Bericht sind interessante Forschungsarbeiten aufgeführt:

Gesundheitsförderung und Prävention in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

(Stand Mitte März 2021)
Die Bundesregierung hat am 11. März den Deutschen Bundestag über die Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie unterrichtet (Drucksache 19/27530). In dem Bericht wird betont, dass Nachhaltigkeit auf die Erreichung von Generationengerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt, Lebensqualität und Wahrnehmung internationaler Verantwortung zielt. In diesem Sinne seien wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und soziale Verantwortung so zusammenzuführen, dass Entwicklungen dauerhaft tragfähig sind.

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie wurde 2002 erstmals formuliert, 2016 neu aufgelegt und mit dem jetzigen Papier weiterentwickelt. Sie beschreibt einen längerfristigen Prozess der Politikentwicklung und bietet hierfür Orientierung.

Die Bundeskanzlerin betont im Vorwort: „Um die Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der Agenda 2030 zu erreichen, müssen wir den Weg einer wirklich anspruchsvollen Transformation gehen, der wichtige Bereiche wie Energie, Kreislaufwirtschaft, Wohnen, Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft umfasst.“

Im Kapitel Gesundheitsförderung und Prävention werden auch die alkoholischen Getränke angesprochen: „Dank der vielen Fortschritte in Medizin und Gesellschaft leben die Menschen in Deutschland im Durchschnitt länger als früher. Gesundheitsförderung und Prävention sind wichtige Bausteine, um ein aktives gesundes Leben zu führen und chronische Krankheiten zu vermeiden. Dazu gehört die Aufklärung beispielsweise zu übertragbaren Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis und anderen sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten sowie über eine gesundheitsförderliche Ernährung, über Bewegung sowie über die Risiken des Tabak-, Alkohol- und Drogenmissbrauchs als wichtiges Element der Gesundheitsvorsorge.“

Aus Sicht der Deutschen Weinakademie ist es sicherlich nicht sachgerecht, Tabak, Alkohol und Drogen in einer Wort-und Sachverbindung zu verknüpfen oder gar die gleichen Instrumente der Missbrauchsbekämpfung in Erwägung zu ziehen. Für den Konsum alkoholischer Getränke ist vor dem Hintergrund der aktuellen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages zur Präventionsstrategie gegen die Gefahren des Alkohols (siehe unter Deutscher Bundestag) aber wichtig, dass nur die Risiken des Missbrauchs und nicht der Konsum per se angesprochen wird.

Bundesregierung legt Neunten Familienbericht vor und spricht darin Alkoholprobleme an

(Stand Anfang März 2021)
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hatte am 11. Juli 2018 eine interdisziplinär zusammengesetzte Sachverständigenkommission aus sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufen und mit der Erstellung des Neunten Familienberichts bis Mitte 2020 beauftragt. Darin sollen die Grundlagen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Familienpolitik überprüft und justiert werden. Ziel ist eine zeitgemäße Familienorientierung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, die Familien in Deutschland den sozialen Aufstieg erleichtert, chancenhemmende Abhängigkeiten mindert und die Familie als integrierende Kraft der sozialen Mitte unserer Gesellschaft stärkt. Am 4. März 2021 legte sie den neunten Bericht Eltern sein in Deutschland – Ansprüche, Anforderungen und Angebote bei wachsender Vielfalt vor (Drucksache 19/27200).

Der Bericht beleuchtet auch die Situation in den Familien, bei denen Eltern eine wie immer auch geartete Beeinträchtigung haben. In diesem Zusammenhang werden auch die Folgen von Alkoholproblemen der Eltern angesprochen. Dort heißt es: „Im Kontext seelischer Erkrankung sowie Suchterkrankung ist das Fürsorgeverhalten der Eltern im Vergleich zu gesunden Eltern häufiger eingeschränkt, wobei vor allem das Risiko für volatiles, also unkalkulierbares Verhalten oder Vernachlässigung erhöht ist. Obwohl diese Eltern sehr liebevoll sein können, fällt es ihnen häufiger schwer, die Kinder angemessen im Blick zu behalten und zu versorgen. Insbesondere im Kontext einer Alkoholabhängigkeit ist das Risiko von häuslicher Gewalt gegenüber dem Partner bzw. der Partnerin und/oder den Kindern erhöht. Nimmt man den Bereich der Suchterkrankungen in den Blick, wie er sich an diagnostischen Kriterien pathologischen Substanzmissbrauchs festmachen lässt, so lebten neuen Schätzungen zufolge im Jahr 2018 in Deutschland etwa 5 bis 8 % der minderjährigen Kinder in Deutschland mit einem Erwachsenen im Haushalt zusammen, der/die von Alkoholmissbrauch betroffen war. Substanzabhängigkeiten insgesamt einschließlich Alkohol-, Tabak- oder Drogenabhängigkeit eines Erwachsenen im Haushalt betrafen 7 bis 11 % der Kinder und Jugendlichen (ebd.). Bei weniger strikten Kriterien fallen die Zahlen sogar deutlich höher aus. Alkohol- oder Drogenprobleme der Eltern belasten nicht nur das Wohlergehen der Kinder, sondern auch deren Schulleistungen. Bei einer Alkoholabhängigkeit der Eltern, insbesondere, wenn beide Eltern oder die Mutter betroffen sind, ist auch seitens der Kinder das Risiko für Problemverhalten erhöht.“

Die Deutsche Weinakademie veröffentlicht bewusst diesen Auszug aus dem Familienbericht der Bundesregierung, um das Problembewusstsein in der Branche und bei den Verbrauchern zu erhöhen und um erneut auf die Notwendigkeit von Informations- und Präventionsmaßnahmen hinzuweisen.

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