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Führt Corona zu einem höheren Weinkonsum?

Antworten gibt uns Prof. Dr. Gergely Szolnoki, Institut für Wein- und Getränkewirtschaft, Schwerpunkt Marktforschung, der Hochschule Geisenheim University.

Als wäre die Corona-Pandemie nicht schlimm genug. Seit Monaten werden Horrorszenarien entworfen, die Menschen würden ihre Ängste und den Verlust sozialer Kontakte mit Alkohol ertränken. Am 22. März traten in Deutschland Kontaktbeschränkungen in Kraft. Bereits am 17. April wusste der SPIEGEL, dass „Deutschland im Corona-Rausch“ ist: „Wird mehr Alkohol getrunken in Corona-Zeiten? Ja, legen neue Zahlen der GfK-Konsumforscher nahe, die der SPIEGEL auswerten konnte. Sie zeigen: Schon in den Wochen vor Beginn der tatsächlichen Ausgangsbeschränkungen in den Bundesländern Mitte März, deckten sich die Deutschen vor allem mit Wein und Schnapsvorräten ein. Wir haben die Chance genutzt, uns bei Prof. Dr. Gergely Szolnoki, Institut für Wein- und Getränkewirtschaft, Schwerpunkt  Marktforschung, der Hochschule Geisenheim University schlau zu machen.

DWA: Decken sich die Aussagen und Schlagzeilen, die bereits im April in den Medien verbreitet wurden, mit Ihren Erkenntnissen?

Szolnoki:  Am Anfang des sogenannten Lockdown war es nicht klar, wie der Konsum alkoholischer Getränke sich weiter entwickelt. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) berichtete ziemlich schnell von einer erhöhten Nachfrage nach Wein und auch die Online-Weinshops verzeichneten ab März einen stark steigenden Absatz. Nach unseren Erkenntnissen kann jedoch nicht bestätigt werden, dass während der Krise durchschnittlich mehr Alkohol konsumiert wurde. Der Hauskonsum hat sich erhöht, da es keine andere Möglichkeit gab, im Restaurant, an Veranstaltungen oder beim Besuch von Freunden und Bekannten Alkohol zu trinken. Allerdings erwarten wir nicht, dass der Alkoholkonsum den Durchschnitt der letzten Jahre übertrifft.

DWASie haben selbst Befragungen bei Konsumenten in Deutschland im 2. Quartal 2020 durchgeführt. Wie kann man die Ergebnisse zusammenfassen?

Szolnoki:  Eine deutschlandweite repräsentative Befragung am Anfang April zeigte bereits in der ersten Phase der Corona-Krise einen deutlichen Anstieg des Weinverkaufs im Bereich LEH und Onlineweinhandel. Aufgrund der strikten Beschränkungen verschob sich in der Zeit von Mitte März bis Ende Mai der Anteil des Weinkonsums signifikant – Konsum zu Hause war mehr oder weniger der einzige Ort, wo man Wein – und generell alkoholische Getränke – konsumieren konnte. Um die Zahlen richtig einzuordnen, muss man berücksichtigen, dass der Hauskonsum von Wein vor Corona bei ca. 50% lag. Dies bedeutet, dass die Hälfte der getrunkenen Weine mengenmäßig außer Haus konsumiert worden ist. Theoretisch hätten also die Weintrinker in Deutschland während des sogenannten Lockdown zu Hause doppelt so viel Wein trinken müssen, um das durchschnittliche Konsumlevel vom letzten Jahr zu erreichen. Das ist aber sehr unrealistisch. Dementsprechend können wir postulieren, dass der Anteil des Hauskonsums teilweise ja, aber der Gesamtkonsum nicht gestiegen ist. Allerdings müssen wir die Ergebnisse der laufenden Studien noch abwarten.

DWA: Decken sich diese Ergebnisse auf der Konsumentenseite mit Ihren Erhebungen auf der Absatzseite bei den Unternehmen der Weinwirtschaft? Gibt es Gewinner und Verlierer?

Szolnoki: Definitiv. Weingüter, die längerfristig auf Gastronomie gesetzt haben, erlebten im Frühling einen sehr starken Einbruch des Absatzes. Im Gegensatz dazu profitierten viele Betriebe, die bereits vor der Krise Listungen im LEH hatten. Auch Weingüter, die über eine gepflegte Datenbank von Kunden verfügten sowie die Kapazität und Motivation hatten, Online-Weinverkostungen durchzuführen oder einfach direkten Kontakt mit den Kunden aufzunehmen, konnten viel Wein absetzen. Wenn man sich die Preise der in der Krise vermarkteten Weine anschaut, wird allerdings deutlich, dass während der Zeit der Ausgangsbeschränkung eher Weine der unteren bzw. mittleren Preissegmente gekauft wurden.

DWA:  Interessanterweise gab es sehr früh einen Medienhype betreffend der Entwicklung des Alkoholkonsums in der Coronazeit. Auch im Bundestag gab es im Mai/Juni besorgte Fragen wegen steigendem Alkoholkonsum infolge Corona. Nun sind in der Zwischenzeit einige Monate ins Land gegangen. In der Presse gab es Ende August/Anfang September nochmals ein Aufflammen der Thematik. Gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wie sich die Absatzsituation der Weinbaubetriebe und der Konsum der Verbraucher nach Juni bis heute entwickelt haben?

Szolnoki:  Hierzu stehen noch keine Studienergebnisse zur Verfügung. Es sieht so aus, dass sich die Gastronomie langsam erholt und die Situation im LEH und der Online-Weinshops sich normalisiert. Allerdings ist die HoReCa-Branche, aufgrund der Auflagen, der niedrigen Anzahl von Veranstaltungen und der wieder steigenden Fallzahlen, noch längst nicht auf einem zufriedenstellenden Level. Der Weg dahin wird weder kurz noch einfach sein.

DWA:  Wenn wir die Entwicklung der Pandemie betrachten, dann stehen wir in Deutschland im Vergleich zu den übrigen Staaten sehr gut dar. Gibt es eigentlich auch in anderen Staaten eine Diskussion über erhöhten Alkoholkonsum in Folge der Corona-Pandemie? Sind Ihnen Marktuntersuchungen bekannt?

Szolnoki: Negative und übertriebene Schlagzeilen sowie Diskussionen über erhöhten Alkoholkonsum während der Corona-Krise gab und gibt es überall. Forschungsergebnisse aus anderen europäischen Ländern, sowie aus der Neuen Welt zeigen, dass ein deutlich erhöhter Alkoholkonsum während der Einschränkungen nirgendwo nachzuweisen ist. Ähnlich wie in Deutschland ging es in den anderen Ländern auch eher darum, dass Konsumenten den plötzlich ausgefallenen Außer-Haus-Konsum mit etwas mehr Konsum in den eigenen vier Wänden kompensiert haben.

DWA:  Wir danken für die aktuellen Einschätzungen und sind gespannt, auf die Auswertung der Studien, die derzeit noch laufen.

Erstellt am
Corona

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