Langzeit-Trinkmuster: Einfluss auf Herzerkrankungen und Sterblichkeit

Die Frage nach den gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums alkoholischer Getränke ist nach wie vor aktuell, denn es gibt noch eine Menge Detailfragen, die zu klären sind.

Beispielweise ist wenig darüber bekannt, wie sich Trinkmuster über die Jahre verändern und wie sich dies etwa auf die Herz- und Gefäßgesundheit und auf die Sterblichkeit insgesamt auswirkt. Genau dieser Frage widmete sich ein US-amerikanisches Forscherteam. Man nutzte dazu die Daten einer der berühmtesten Kohortenstudien, der Framingham-Studie: sie läuft seit 1948 in Framingham im US-Bundesstaat Massachusetts. Die Teilnehmenden wurden etwa alle vier Jahre untersucht und zu ihren Lebensgewohnheiten befragt, wozu auch die Trinkgewohnheiten gehörten.

Zwei Generationen, zwei Studienphasen
Genauer gesagt wurden zwei Kohorten untersucht: 2.790 Personen aus der ursprünglichen Framingham-Kohorte ab der 12. Untersuchung im Studienverlauf (ab 1971) sowie 3780 Personen aus der Framingham-Offspring-Kohorte, die den „Nachwuchs“ untersucht. Deren Daten wurden ab der zweiten Untersuchung im Studienverlauf herangezogen (ab 1979). Die Probanden der zweiten Kohorte waren rund 20 Jahre jünger, lebten signifikant gesünder und wuchsen in mehr Wohlstand bzw. mit mehr Bildung auf. In beiden Generationen war die Geschlechterverteilung mit 59,7 Prozent bzw. 52,1 Prozent Frauen ausgewogen. Dies ermöglichte eine getrennte Analyse von Männern und Frauen.

Die erste, über 15 Jahre laufende Phase der Studie diente dazu, die Trinkgewohnheiten regelmäßig zu erheben und Veränderungen im Lauf der Zeit zu beschreiben. Die zweite Studienphase lief 10 Jahre. In dieser Zeit wurden Daten zum Auftreten von und zur Sterblichkeit durch Herzinfarkte und andere Herz- und Gefäßerkrankungen sowie zur Gesamtsterblichkeit gesammelt.

Vier Trinkmusterverläufe
Es konnten in beiden Kohorten und bei beiden Geschlechtern vier langfristige Trinkmusterverläufe identifiziert werden: 

  1. Moderat-sinkend: zu Beginn lag der Konsum alkoholischer Getränke bei maximal 14 g/Tag bei Frauen und i maximal 28 g/Tag bei Männern, was als moderat eingestuft ist. Im Lauf der Zeit sanken die Konsummengen.
  2. Auf- und absteigend: Der Konsum stieg in den ersten Jahren an, dann sank er wieder, bei den Männern auf höherem Niveau als bei den Frauen.
  3. Gering bis abstinent: Die Frauen in dieser Gruppe konsumierten praktisch keine alkoholischen Getränke, bei den Männern sank der niedrige Konsum (< 14 g/Tag) im Lauf der Zeit weiter ab.
  4. Hoch-sinkend: Frauen konsumierten im Schnitt jedoch immer oberhalb 14 g/Tag, Männern hingegen zwischen 45 und 60 g/Tag.

Moderat-sinkender Konsum mit geringsten Risiken
Als man die langfristigen Trinkgewohnheiten in Beziehung zum Sterberisiko und zum Risiko für Herz- und Gefäßereignisse setzte, ergab sich nach der Berücksichtigung diverser Einflussfaktoren folgendes Bild: Verglichen mit Frauen aus der Gruppe 1 (moderat-sinkend) wiesen alle anderen ein signifikant um 24 bis 28 Prozent erhöhtes Sterberisiko auf. Bei den Männern sah es ähnlich aus: Verglichen mit jenen aus Gruppe 1 wiesen jene aus den Gruppen 2 und 4 ein signifikant um 17 und 27 Prozent erhöhtes Sterberisiko auf. Lediglich zur Gruppe 3 fand sich kein signifikanter Unterschied.

Beim Risiko für Herz- und Gefäßereignisse zeigte sich bei den Frauen erneut ein konsistentes Bild: Verglichen mit Frauen aus der Gruppe 1 wiesen alle anderen signifikant um 58 bis 61 Prozent erhöhte Risiken auf. Bei den Männern schnitten dagegen nur Probanden der Gruppe 3 mit einem um 60 Prozent erhöhtem Risiko signifikant schlechter ab als Probanden aus Gruppe 1.

Zurückhaltende Interpretation
Wie alle Beobachtungsstudien, hat auch diese ihre Begrenzungen, was die Interpretation der Daten angeht. Die StudienautorInnen betonen selbst, dass sie nicht beweisen können, dass ein moderater Konsum die Ursache für geringere Krankheits- und Sterberisiken ist. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass ein langfristiger leichter bis moderater Konsum mit geringeren Risiken einhergeht.

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Quelle: Leng, Y et al.: Sex-Specific Fifteen-Year Alcohol Consumption Trajectories and Their Association with Cardiovascular Events and Mortality: The Framingham Heart Study. Nutrients 2026;18:849, doi: 10.3390/nu18050849


 

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Neues aus der Wissenschaft Herz-Kreislauf-Erkrankungen