Trinkmuster und Typ-2-Diabetesrisiko

Geht ein moderater Konsum alkoholischer Getränke mit geringeren Risiken für Typ-2-Diabetes einher? Eine Frage von gesundheitspolitischer Relevanz, denn Diabetes ist weit verbreitet.

Rund 8 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an einem Typ-2-Diabetes. Nicht selten wird diese Krankheit unterschätzt, denn unbehandelt (oder schlecht eingestellt) schreitet sie voran und stellt eine große Gefahr für Herz, Hirn, Nieren und Augen dar. Schon deswegen ist es wichtig zu wissen, wie sich auch ein moderater Konsum alkoholischer Getränke auf das Diabetesrisiko auswirkt.

Große Studien geben Aufschluss
Da die Datenlage nicht einheitlich ist und da es weder genug Daten von Frauen und zu den Trinkmustern der Menschen gibt, fasste ein Forscherteam nun drei US-amerikanische prospektive Beobachtungsstudien zusammen und unterzog deren Angaben zum Trinkverhalten und zu neu aufgetretenen Diabetesfällen verschiedenen statistischen Analysen. Dabei wurden erstmals nicht nur die Trinkmengen berücksichtigt, sondern auch die Häufigkeit des Konsums als einem wichtigen Kriterium für verschiedene Trinkmuster. 

Die Daten stammten aus den beiden großen US-Krankenschwesternstudien NHS (Nurses Health Study) und NHS II (Nurses Health Study II) mit zusammen gut 330.000 Frauen sowie aus der Health Professionals Follow-up Studie (HPFS) mit gut 50.000 Männern aus Gesundheitsberufen. Die Beobachtungszeiten erstreckten sich über 24 bis 33 Jahre, wobei die Trinkmengen und teilweise auch die Trinkhäufigkeit mehrfach erfragt wurden. Nach dem Ausschluss von ehemaligen Konsumenten und unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Alter, Rauchen, Essverhalten, körperlicher Aktivität und sozioökonomischem Status konnte das Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, in Bezug auf Trinkfrequenz und Trinkmenge näher untersucht werden. 

Trinkfrequenz wichtiger als die Menge
Wurde nur auf die Trinkmengen geschaut, so korrelierten diese im Vergleich zu Abstinenz und im Vergleich zu sehr geringem Konsum (< 5 g Alkohol/Tag) in allen drei Kohorten mit verringerten Diabetesrisiken. Dazu muss jedoch angemerkt werden, dass nur sehr wenige Probanden (< 10 %) und noch weniger Probandinnen (< 1 %) angegeben hatten, mehr als 45 g Alkohol täglich zu konsumieren. Außerdem wiesen die moderaten Konsumenten (bis max. 30 g Alkohol/Tag) einen insgesamt gesünderen Lebensstil auf. 

 Besonders eindrucksvoll fielen die Daten bezüglich der Trinkhäufigkeit aus: Während die Frauen ihr Diabetesrisiko schon ab 1 bis 2 „Trinktagen“ pro Woche senken konnten, geschah dies bei den Männern erst ab 3 bis 4 „Trinktagen“ wöchentlich. Wer an 5 bis 6 Tagen pro Woche ein alkoholisches Getränk zu sich nahm, hatte gegenüber jenen, die dies nur an 1 bis 2 Tagen taten, ein um 24 (Männer) bis 27 (Frauen) % verringertes Diabetesrisiko. Jeder zusätzliche „Trinktag“ ging mit einem um 6 bis 7 % verringerten Risiko einher. 

Besser regelmäßig moderat als unregelmäßig zu viel, aber keine generelle Trinkempfehlung 

Diese Zusammenhänge zeigten sich unabhängig von der Trinkmenge (im Rahmen moderaten Konsums bis ca. 30 g Alkohol/Tag). Das heißt, dass der Haupteinflussfaktor auf das Diabetesrisiko der regelmäßige Genuss ist. 

Selbstverständlich wiesen auch die Autoren dieser Studie auf die unstrittigen Risiken durch den Konsum großer Mengen alkoholischer Getränke hin. Zudem betonen sie, dass nicht empfohlen werden kann, zum Schutz vor Diabetes mit dem Konsum zu beginnen, vor allem jungen Menschen nicht. Dies vorausgeschickt lautet das Fazit ihrer Analysen, dass ein leichter bis moderater Konsum alkoholischer Getränke, vor allem, wenn er regelmäßig erfolgt, mit einem signifikant verringerten Diabetesrisiko einhergeht. Es seien jedoch weitere Studien in anderen Ethnien, Berufs- und Altersgruppen nötig, bevor die Ergebnisse verallgemeinert werden könnten.

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Quelle: Li, X et al.: Alcohol Intake, Drinking Pattern, and Risk of Type 2 Diabetes in Three Prospective Cohorts of U.S. Women and Men. Diabetes Care 2025;48:1189-1197 
 

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