Kolumne
NACHGEFORSCHT

Wissenschaftlicher Überblick

Januar 2017

Don´t Drink and Drive - Alternativlos - Ein Artikel zum Thema verantwortungsbewusster Genuss.

Waren Sie auch auf der Intervitis? Viele tolle Eindrücke, aber die Sonderschau mit Drohnen hatte es den Besuchern am meisten angetan. Die zukunftsträchtigen Himmelshilfen für den Steillagenweinbau schwirrten durch die Messehalle, sodass sich mancher gefragt hat, ob das Glas Wein bereits zu viel war.

Und damit sind wir - etwas holprig, aber immerhin - bei der Blut-Alkohol-Konzentration (BAK), die man sich am DWA-Stand messen lassen konnte. Entgegen ersten Befürchtungen, ob so etwas auf eine Technikmesse passt, wollten viele nach dem Gläschen hier, dem anderen dort, mal sehen, ob sich der Riesling in ihrer Blutbahn wiederfindet.

Auch ich hab gepustet. Nach einem eiligen Frühstück und einem verpassten Mittagessen traf ich den einen oder anderen Bekannten und ließ mich zu einem oder zwei Gläsern hinreißen. Messergebnis: 0,4 Promille. Ups. Ähnliche Aha-Erlebnisse hatte auch eine heterogene Gruppe aus Jungen, Älteren, Frauen, Männer, Dicken und Dünnen, die gemeinsam über die Messe zogen, ein paar Gläser tranken und eine Palette von 0,3 bis weit über 1 Promille zeigten. So wiesen diejenigen mit mehr Körperfülle nach gleichem Weinkonsum erwartungsgemäß niedrigere BAK-Werte auf; bei 20 cm in der Größe und 20 kg im Gewicht machte das immerhin 25% aus. Bei den Damen der Gruppe mit durchweg leichteren und kürzeren Körpermaßen und mit bekannter mangelnder weiblicher Alkoholabbaufähigkeit lag sie dagegen bei nahezu 60% über denen der Herren. Wenn man sich die Zahlen vor Augen führt – männliche 0,4 Promille werden zu 0,64 Promille bei den Damen.

Mit diesen Promillewerten kam unser Gespräch unmittelbar auf „Alkohol im Straßenverkehr“. Obwohl in Deutschland die 0,5-Promillegrenze gilt, wissen nicht alle, dass man bereits bei 0,3 Promille wegen Trunkenheitsfahrt strafrechtlich belangt werden kann, wenn die Fahrweise Auffälligkeiten zeigt. Mit dieser Grauzone, die auch den individuellen Fahrkünsten Rechnung trägt, besteht de facto eine 0,3-Promillegrenze.  

Das Risiko für alkoholbeteiligte Verkehrsunfälle bei Werten unterhalb 0,3 Promille geht gegen Null. Dies entzieht der immer mal wieder medienwirksamen Forderung nach der Nullpromille für alle Autofahrer - nicht nur für Fahranfänger – jegliche Grundlage. Hinzu kommt die generell veränderte Wahrnehmung der Autofahrer. Wie es selbstverständlich wurde, sich beim Autofahren anzugurten, gilt für die meisten auch der Alkoholverzicht am Steuer.  

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die Alkoholfahrt nach einem feucht-fröhlichen Abend als Kavaliersdelikt mit gesetzlichem Rückenwind. Denn erst 1973 wurde die 1,3-Promillegrenze auf 0,8, dann 2001 auf 0,5 gesenkt. Aber dabei sollten wir es auch belassen. Die Autofahrer von heute sind sensibilisiert und informiert und verursachen so wenige Unfälle wie nie zuvor. Dies ist sicher auch der vielen Aufklärungskampagnen wie DON‘T DRINK AND DRIVE geschuldet, in der sich die Bier- Wein-, Sekt- und Spirituosenbranchen seit Jahren gemeinsam engagieren. „Wer fährt, bleibt nüchtern“, gilt zunehmend als alternativlos – bei Jung und Alt.

Dies beherzigten auch unsere Intervitisbesucher, deren Promillespiegel über Null lag. Ausnahmslos waren sie Beifahrer, mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs oder mit einem Bus angereist. Denjenigen, die gleichzeitig drei oder vier Drohnen schwirren sahen, bliebe zu wünschen, dass sie in den richtigen Bus gestiegen sind.

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