WINE in
MODERATION

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Kolumne Nachgeforscht September 2020

Wein ist Kult! Oder nicht? Die Forderungen der WHO nach einem Werbeverbot werden lauter.

In strahlendem Sonnenschein sitzen wir - Blick auf die Schloss Vollradser Wasserburg - bei einem Interview mit dem Verlag des Buches Wein ist Kult!. Es geht um die Erhaltung des Kulturwerts von Wein. Wo könnte man sich dazu besser treffen als in einem der ältesten Riesling-Weingüter Deutschlands und darüber hinaus einem der vielen wunderbaren Beispiele für Rheingauer Weinkultur? Die Verlagsmitarbeiter sind auch ganz aus dem Häuschen und schwelgen mit uns in unserer „Weinblase“. Wenn das keine Werbung für das Kulturgut Wein ist?

Die aktuelle gesellschaftliche Situation
Ich werde gefragt, warum die DWA gerade JETZT dieses Buch herausgibt. Ohne Wasser in den kredenzten Vollradser Sommerwein zu kippen, versuche ich Verständnis für die gesellschaftspolitische Situation zu schaffen und erzähle von einem Seminar der WHO mit über einhundert Teilnehmern aus aller Welt, auf dem es um Werbung für alkoholische Getränke ging. Nicht um Wein - der ist den Damen und Herren der WHO (zumindest offiziell) ohnehin fremd. Deren Devise: Alkohol ist Alkohol, ist neurotoxisch, macht süchtig, und am besten trinke man keinen Tropfen davon. Von gesundheitlich positiven Wirkungen eines mäßigen Konsums ist nicht die Rede. Ich führe aus, wie wir sprachlos die besonders eifrigen Ausführungen der Repräsentantin Litauens verfolgten. Seit 2018 gelte in ihrem Land ja bereits ein absolutes Werbeverbot - dem ersten in der EU – und man animiere die anderen 26 Staaten, diesem Beispiel zu folgen. Man wolle keine Werbung für Suchtmittel, man wolle eine alkoholfreie Gesellschaft. Alkoholfrei bedeutet auch weinfrei. Von 141 Abgeordneten des litauischen Parlaments stimmten 101 für das Werbeverbot - ein Indiz für den breiten gesellschaftlichen Rückhalt. Man müsse wissen, dass Litauen das trinkfreudigste Land der Erde ist, einer von elf Männern sei süchtig und ein Alkoholwerbeverbot sei eine der effektivsten Maßnahmen dagegen. Obwohl lange nicht bewiesen ist, dass ein Werbeverbot den missbräuchlichen Konsum reduziert, die Litauerin beharrt darauf: Es wirke. Basta. Untermauert wurde dies auch mit einer von Litauen geleiteten Studie (mit Lettland, Estland, Canada), die der Wirkung derartiger politischer Restriktionen auf das Verbraucherverhalten und auf Mortalität, Morbidität, Unfälle, Gewaltverbrechen…. nachgeht. Man hat zwar gerade erst begonnen und das Werbeverbot besteht erst seit zwei Jahren, aber das Ergebnis steht schon fest.

Nun gibt es in der EU mehr Länder ohne Weinkultur als solche mit. Obwohl Deutschland sich zu den Letzteren zählen darf, findet man auch hierzulande immer weniger Wissenschaftler und Politiker, die sich zu einem maßvollen kultivierten Konsum bekennen. Auch die, die die gesundheitlichen Effekten kennen und verstehen, sind zurückhaltend. Wegen der Angst vor Missverständnis, Fehlinterpretation, Lobbynähe…

Wir haben es in der Hand
Kurz: Die Luft wird dünner. Um sie nicht im Vakuum enden zu lassen, haben wir dieses Buch initiiert. Wissenschaft, Wine in Moderation, Kultur, Gesellschaftspolitik sind untrennbar miteinander verwoben. Deutschland hat zum Glück eine große und beeindruckende Weinkultur. Und (ebenfalls zum Glück) noch eine politische Landschaft, die den Wert derer zu schätzen weiß. Nicht umsonst läuft derzeit ein Antrag auf Wein als immaterielles Kulturgut - unterstützt von der RLP-Landesregierung. Wachsam sein, ist das Gebot der Stunde. Wir haben es (mit) in der Hand. So dürfen wir nicht über Weinfeste hinweggucken, die zu Gelagen werden und nicht mit sexistischen oder Missbrauch verharmlosenden Motiven werben. Es gibt die Regeln des Deutschen Werberats, die im Gegensatz zu anderen Ländern noch Werbefreiheiten lassen. Wir müssen sie allerdings beachten und auch damit Wine in Moderation leben. Daran wird man uns messen. Denn nur moderat, mit Maß und Stil, bleibt Wein ein Kulturgut, das es zu verteidigen gilt.

Der charmante Hausherr und Wine in Moderation-Botschafter schenkt nochmal ein. Ein Sommerwein, der seinesgleichen sucht.

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Kolumne Nachgeforscht Weinwerbung

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