Werbekodex der Weinwirtschaft

Weinwerbeseminar am 16.10.2019 im Hilton Mainz

Werbung als Teil von Wine in Moderation
Im ersten Teil gab Frau Dr. Claudia Stein-Hammer einen Einblick in die politischen Rahmenbedingungen. Hauptaugenmerk wurde auf die eigentliche Ausgangslage geworfen: Wie kommt es zu den vermehrten Werbeeinschränkungen?

Dr. Claudia Stein-Hammer, DWA

Die über Jahre hinweg steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund von Rauschtrinken in Kliniken landeten, ist der Grund für strenger werdende Werberegeln in der Alkoholwirtschaft. Eine Differenzierung zwischen den sich unterscheidenden Alkoholika gibt es nicht. So wird dem Wein, trotz seiner auch positiven gesundheitlichen Merkmale (bei moderatem Konsum!) keine besondere Bedeutung beigemessen.

Länder wie Frankreich oder auch Litauen machen vor, wie eingeschränkte Weinwerbung auszusehen hat. In Frankreich dürfen nach Erlass des Loi Evin bereits seit den 90er Jahren keine Menschen und Emotionen in Verbindung mit dem Produkt Wein abgebildet werden. Konsumszenen wie die Abbildung von sich zuprostenden Freunden sind in unserem Nachbarland undenkbar. In Litauen hingegen gilt ein totales Werbeverbot für alkoholische Getränke. In Deutschland setzt man auf einen Mix aus gesetzlichen und selbstverpflichtenden Regeln.

So darf (sich) Weinwerbung nicht…

  • an Kinder & Jugendliche richten.
  • durch die Art der Darstellung besonders ansprechend auf Kinder & Jugendliche wirken.
  • Kinder & Jugendliche beim Alkoholgenuss darstellen.

  • als Trikotwerbung bei Kinder- & Jugendmannschaften genutzt werden.
  • Personen zeigen, die noch keine jungen Erwachsenen sind (auch optisch).
  • Aussagen treffen, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen. 
  • nährwert- & gesundheitsbezogene Angaben für Getränke > 1,2 % vol. betreffen. 

Jedoch darf in der allgemeinen Kommunikation und in redaktionellen Beiträgen über verantwortungsbewussten Konsum, gesundheitliche Risiken und Vorteile sachlich informiert werden. Hier setzt die Initiative Wine in Moderation an. Ihr Ziel ist es strikteren Werbeauflagen entgegenzuwirken. Dazu sensibilisiert sie Konsumenten als auch Produzenten für einen moderaten Weingenuss. Mehr zum Thema finden Sie hier.

Katja Heintschel von Heinegg, Deutscher Werbebeirat

Deutscher Werberat
Frau Heintschel von Heinegg stellte den seit 1972 bestehenden Deutschen Werberat vor. Er setzt sich aus insgesamt 43 ZAW-Organisationen zusammen, die aus allen relevanten Wirtschaftszweigen kommen. Eine Jury bestehend aus 15 Experten dient mit dem Werberat als Mittler zwischen werbenden und umworbenen Unternehmen.

Frau Heintschel von Heinegg zeigte anhand einzelner praktischer Beispiele  auf, wie und wie schnell Werbung in eine Grauzone und später sogar in die untersagte Zone rutschen kann. So ist äußerste Vorsicht bei

  •       verrückten, außergewöhnlichen Dingen, Trendsportarten,

  •       Sujets/Slogans aus den Bereichen Lifestyle, Party, Freundschaft,

  •      dem Alter der gezeigten Personen,

  •      dem Einsatz von Testimonials,

  •      Gewinnspielen, die an Verkaufsmengen gekoppelt sind und 

  •      sexistischer Werbung

geboten.

Die Referentin verdeutlichte, dass die Selbstverantwortung der Werbebranche ein zentrales Argument gegen weitere Werbeverbote ist. Anhand von Beispielen zu „missbräuchlichem Konsum, Leistungsfähigkeit oder sozialen und sexuellem Erfolg“ erläuterte sie die „Verhaltensregeln / Werbekodex“, zu dem sich die gesamte Alkoholwirtschaft verpflichtet habe. Jede Branche ist angehalten, diese innerhalb ihres Wirtschaftszweiges publik zu machen und auch umzusetzen.

Darüber hinaus erläuterte sie, wie z.B. auf den Websites der Firmen Verantwortung gezeigt werden kann. So könne das Alter der Werbezielgruppe, wenn technisch möglich, durch plattformspezifische Altersschranken eingeschränkt werden. Als Alternative bietet sich ein Altershinweis an, sofern sich der Inhalt an Personen richtet, für die der Kauf und Konsum von Alkohol gesetzlich erlaubt ist. Ein weiteres Beispiel der Selbstregulierung bietet die Einbindung einer Netiquette des Unternehmens.

Frau Heintschel von Heinegg, Frau Dr. Stein-Hammer

Praxis am Nachmittag
Der Nachmittag wurde interaktiver. Mithilfe von Stimmkarten durften die Seminarteilnehmer abstimmen, ob die Ihnen vorgestellten Werbeanzeigen realisierbar wären oder beanstandet werden würden. Somit diente der Nachmittag dazu, das erlernte Wissen des Vormittags auch praktisch umzusetzen.

Seminar verpasst?
Sollten Sie das spannende Seminar verpasst haben, so finden Sie hier einen Leitfaden, welcher Ihnen wichtige Fallbeispiele und Erklärungen zur kommerziellen Kommunikation von alkoholhaltigen Getränken liefert.

Verwandte Themen

Weinwerbung

Weiterlesen

Werbung für Wein und Sekt - Was geht und was nicht?

Weiterlesen