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Weißwein-Phenole: entzündungshemmend und gefäßschützend

In zahlreichen epidemiologischen Studien ging der Genuss von weißem und rotem Wein mit einem Schutz vor Herz- und Gefäßerkrankungen einher. Da Nierenkranke vermehrt an Herz- und Gefäßerkrankungen leiden und die Effekte von Weißwein weniger bekannt sind als jene von Rotwein, widmete sich ein Team toskanischer Nierenspezialisten den Effekten verschiedener Inhaltsstoffe von Weißwein auf die Innenauskleidung (Endothelien) der Blutgefäße. Diese nehmen durch chronische Entzündungen, oxidativen Stress und Bluthochdruck leicht Schaden, was arteriosklerotischen Veränderungen Vorschub leistet, die schließlich zu einem lebensgefährlichen Gefäßverschluss führen können.

Die italienischen Nierenärzte untersuchten zunächst in Zellkulturen, wie sich Kaffeesäure auf die Zellen menschlicher Gefäßinnenwände auswirkt. Kaffeesäure ist eines jener Phenole, die typisch für Weißweine sind. Denn während in Rotwein mehr Polyphenole – das sind Verbindungen mehrerer Phenole – vorkommen, ist Weißwein reich an einfachen Phenolen wie Kaffeesäure, Tyrosol und Hydroxytyrosol. Die beiden letztgenannten kommen auch in nativem Olivenöl vor und werden für dessen gesundheitlich positiven Wirkungen mit verantwortlich gemacht, da sie antioxidativ und anti-entzündlich wirken. Der Laborversuch mit Kaffeesäure ergab, dass sie bereits in niedriger Dosierung die Bildung von gefäßerweiterndem und damit gefäßschützendem Stickoxid (NO) steigerte. Die an den Gefäßzellen getesteten Phenolmengen waren so gewählt, dass sie einem moderaten Weißweinkonsum entsprachen. 

Aus ihren Vorstudien im Labor schlossen die Forscher, dass Weißweinphenole das Voranschreiten von Nieren- und damit auch Herz-Gefäßleiden bremsen könnten. Als nächstes unternahmen sie einen Versuch mit zehn an einem chronischen Nierenleiden im Endstadium erkrankten Patienten. Als Kontrollgruppe dienten zehn gesunde Freiwillige. Die Probanden sollten zunächst für zwei Wochen auf alkoholische Getränke verzichten. Danach erhielten sie nach dem Zufallsprinzip für jeweils weitere zwei Wochen entweder soviel natives Olivenöl, wie sie üblicherweise auch verbrauchten, oder das Öl plus etwa zwei bis drei Gläser eines italienischen Weißweines mit 12 Vol.-% (entsprechend 4 ml Wein pro kg Körpergewicht). Zwei Wochen nach dem Ende der ersten Studienphase wurde getauscht, sodass jeder einmal für zwei Wochen nur Öl oder Öl plus Weißwein bekam.

Anhand der gestiegenen Ausscheidung der Phenole Tyrosol und Hydroxytyrosol im Urin während der Öl- plus Weißwein-Phase konnte gezeigt werden, dass der Wein auch konsumiert wurde. Während der Weißweinphase sanken zwei wichtige Entzündungsmarker, CRP (C-reaktives Protein) und IL-6 (Interleukin 6), im Blut der Nierenpatienten signifikant ab. Auch bei den gesunden Probanden sanken die Werte, jedoch weniger ausgeprägt, was nicht verwundert, da sie zu Studienbeginn keine erhöhten Werte aufwiesen. Die Autoren schließen daraus, dass ein moderater Konsum von Weißwein entzündungshemmend wirkt. Im Kontext einer mediterranen Ernährung mit nativem Olivenöl könne er daher dazu beitragen, chronischen Entzündungen und Herzgefäßleiden vorzubeugen und das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen zu verlangsamen.

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