Kolumne Nachgeforscht

Helau und Alaaf ohne Riesling?

Kennen Sie das vierte der elf Gebote des närrischen Grundgesetzes? Jeder Narr und jede Närrin sollen ihre Fröhlichkeit nicht im Alkohol, sondern im gemeinsamen Erleben finden. Gelobt sei jeder Narr, der auch im nüchternen Zustand närrisch ist. – Prost! Das Prost am Ende zeigt, dass es nicht ganz ernst gemeint ist, wenn angenommen wird, an Fassenacht, Karneval, Fasching gehe es in den Hochburgen von Gott Jokus auch ohne Alkoholisches. In Köln ist es bevorzugt Kölsch, in Düsseldorf Alt und in Mainz Riesling. Meist auch mehr als das moderate Quantum von ein zwei Gläsern. Beschränkt sich das Übermoderate auf Rosenmontag, kann man sicher ein Auge zudrücken. Sowohl biologisch als auch gesellschaftspolitisch. Hier rächt sich die Leber der über das Jahr moderaten Genießer auch bei einmaligem Aussetzer nicht, wie verschiedene Studien zeigen. Das ohnehin gutmütige Organ lässt in Anbetracht dessen, was es so alles bewältigen muss, einzelne Trinkgelage weniger ins Gewicht fallen, als es politisch und gesellschaftlich entschuldbar wäre. Aber es hat etwas Beruhigendes, dass Karnevalsjecken nicht automatisch früher ins Grab gehen, wenn sie ihrer Leidenschaft auch mal in der Kombination mit zu viel Riesling frönen. Sollten Spaß, Genuss und Freude im Vordergrund stehen und ab Aschermittwoch wieder auf den moderaten Modus geschaltet werden, wird uns auch die Leber mit einem blauen Auge davonkommen lassen.

Man kann natürlich auch durch angepasstes Trinkverhalten die Wirkung der reinen Dosis etwas abmildern. Der maximale Promillewert hängt nämlich nicht wie angenommen nur von den Gläsern Wein, Bier oder Schnaps ab, d.h. von einer bestimmten Grammzahl Alkohol. Das liegt daran, dass die Leber schon mit dem ersten Molekül Ethanol ihre Arbeit beginnt und stündlich etwa acht Gramm davon abbaut. Das heißt, wer es schafft, nur acht Gramm in einer Stunde – weniger als 100 ml eines mittelgrädigen Weines – zu trinken, wird eine kaum messbare Blutalkoholkonzentration erzeugen. Auch wenn man folgende einfache Regeln beachtet, werden Sie sich an Aschermittwoch noch gut an die neue Faschingsbekanntschaft erinnern: Essen Sie was zum Wein, wechseln Sie mit Wasser ab und singen Sie ordentlich bei den Faschingsliedern mit; wer singt, kann nichts trinken. Damit halten Sie Ihren Promillespiegel in Schach. Gefährlich wird das Ganze nämlich, wenn der Blutalkoholwert in den Bereich um 0,8 Promille steigt. Ab diesem Wert wird die Alkoholdehydrogenase, das hauptalkoholabbauende Enzym, von einem gefährlichen Notstromaggregat unterstützt. Dieses als MEOS bekannte Enzymsystem oxidiert ebenfalls das Ethanol, ist statt der 0,1 mit 0,3 Promille pro Stunde sogar deutlich effektiver, generiert dabei aber viele freie Radikale. Diesen werden letztendlich die Schäden an Körperzellen und alkoholbezogenen Krankheiten zugeschrieben; sie sind leider auch mit dem phenolreichsten Wein nicht abzufangen.

Einmal ist keinmal soll natürlich kein Freibrief sein, dieses mehr als moderate Trinkverhalten an jedem Wochenende durchzuziehen, aber einmal im Jahr wird sich dies kaum auf die Gesundheit auswirken. Gott Jokus singt mit uns ein Halleluja, wie es in einem Meenzer Fassenachtslied heißt, und erteilt in diesen Tagen auch unserer Leber Dispens. In diesem Sinne: Helau und Alaaf.

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