kolumne nachgeforscht

Mediterrane Ernährung - nicht nur für Diabetiker gut

Vegan, vegetarisch, laktose- und glutenfrei. Die eine richtige Ernährung für alle gibt es nicht, nicht für Kinder, nicht für Alte und auch nicht für Diabetiker.

Die Diagnose Diabetes hat hierzulande routinemäßig meist eine ganze Armada Medikamente zur Folge - Blutzuckersenker gepaart mit Pillen gegen das gesteigerte Risiko für Herz-und Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck und und und… Diese Standardbehandlung ist allerdings nicht mehr zeitgemäß; es braucht patientenzugeschnittene Therapie- und auch Ernährungsformen.

Was die Ernährung anbelangt, zeigt sich immer mehr, dass mit der richtigen Kost Prädiabetes und Diabetes heilbar oder zumindest beherrschbar sind. Dies unterstreicht eine neue Studie, die im Ergebnis mehreren Ernährungsformen günstige Wirkungen auf Diabetes und auf die damit assoziierten Folgeerkrankungen auswies. Das kann eine drastische kohlenhydratreduzierte LowCarb-Diät, aber auch eine weniger drastische, wie die mediterrane Ernährung sein. Auch vegetarische Kostformen schnitten gut ab, fettarme Muster dagegen nicht. Allerdings ging das mediterrane Essmuster als einzige der acht untersuchten Ernährungsformen nicht nur mit reduzierten Risikofaktoren, sondern auch mit verminderten Erkrankungsrate des Herz- und Gefäßsystems einher. Da die Mittelmeer-Kost einen moderaten Weinkonsum einschließt, fiel auch dieser Aspekt nicht unter den Tisch.

Die Studie führte letztendlich zu einem Konsensuspapier der US-amerikanischen Diabetesgesellschaft. Hinsichtlich alkoholischer Getränke äußerten sie sich -für gegenüber Alkohol restriktiv eingestellte Amerikaner- äußerst ungewöhnlich. Kein Alkoholverbot, sondern der Hinweis, dass Diabetiker und Prädiabetiker, die alkoholische Getränke konsumieren, dies moderat tun sollten. Als moderater Konsum gelte bis zu einem Drink (entsprechend 15 g Alkohol oder 150 ml Wein) täglich für weibliche und bis zu zwei Drinks für männliche Diabetiker. Und weiter… Ein moderater Konsum könne sich günstig auf Diabetes sowie auf das Herz- und Gefäßsystem auswirken. Dennoch müssten Diabetiker über die Auswirkungen des Alkoholkonsums aufgeklärt und geschult werden, insbesondere, wenn sie Insulin oder die Insulinausschüttung beeinflussende Medikamente nehmen.

Dieser Konsens basiert auf der Erkenntnis, dass ein moderater Weinkonsum, insbesondere zu einer Mahlzeit, so wie es im Rahmen der mediterranen Ernährung üblich ist, die Zuckerkontrolle von Diabetikern entgegen aller Vorurteile nicht beeinträchtigt. Erst bei mehr als zwei bzw. drei Drinks täglich sei dies der Fall. Dann erst müsse man bei der Insulingabe vorsichtig sein. Alkohol war lange gefürchtet als unkontrollierbarer Blutzuckersenker, was die Gefahr einer Unterzuckerung (die ebenso unerwünscht wie eine Überzuckerung ist) birgt. Dies liegt daran, dass der Alkohol die Produktion des Zuckers in der Leber sowie dessen Abgabe ins Blut hemmt.

Weiterhin betonten die Autoren des Konsensusberichtes, dass sowohl Abstinente als auch Konsumenten großer Alkoholmengen von vornherein eine erhöhte Erkrankungsrate hätten als moderate, vor allem Weingenießer. Der größte Benefit mit einer Risikominderung um 20 Prozent zeigte sich bei täglichen 0,2 bis 0,3 l Wein. Man weiß mittlerweile, dass dies an der Verhinderung der so genannten Insulinresistenz liegt. Dieses Abstumpfen der Zellen gegenüber Insulin ist oft der unbemerkte Start in ein Diabetikerleben und ist dem Missverhältnis von Bewegung, Übergewicht und ständig verfügbaren Snacks oder gezuckerten Getränken geschuldet.

Mediterrane Kost: Schmeckt gut, ist gesund, ist Genuss – ob Diabetiker oder nicht. Und man muss dazu nicht am Mittelmeer leben. Mit regionaler Küche und deutschem Wein geht es auch.

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