Wissenschaftlicher Überblick

Gehirnfunktion / Demenz

Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis, das Denkvermögen, später auch die Sprache und die ganze Persönlichkeit verloren gehen.

Die Demenz ist weltweit auf dem Vormarsch, sie ist jedoch kein unausweichliches Schicksal. Immer mehr Studien zeigen, dass Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Nichtrauchen, soziale Kontakte und eine mediterrane Ernährung dazu beitragen können, das Demenzrisiko zu verringern. Alkohol steht zwar immer im Verdacht, die Gehirnzellen dauerhaft zu schädigen und so möglicherweise das Risiko für diese Krankheiten zu erhöhen. In einigen Studien erweist sich jedoch ein leichter bis mäßiger Konsum alkoholischer Getränke als sinnvoll. 1 So kann er sogar die geistige Leistungsfähigkeit bei Jung und Alt erhöhen. 2

Eine aktuelle Analyse eines kanadisch-deutsch-französischen Forscherteams zeigt, dass ein leichter bis moderater Konsum mit einem verminderten Risiko für eine demenzielle Erkrankung und einem erniedrigten Sterberisiko aufgrund einer Demenz einhergeht. Auch das Nachlassen kognitiver Fähigkeiten ist weniger ausgeprägt. Wichtig scheint dabei die kognitive Gesundheit zu Studienbeginn zu sein. Das ist das Ergebnis einer weiteren, amerikanischen Interventionsstudie: Probanden, die bereits unter kognitiven Einschränkungen litten, profitierten nicht von (moderatem) Alkoholkonsum, während die eingangs Gesunden ein signifikant vermindertes Demenzrisiko aufwiesen. In einer chinesischen Meta-Analyse schnitt darüber hinaus beim Vergleich verschiedener alkoholischer Getränke ausschließlich der Weingenuss vorteilhaft ab, mit einem um rund 40% signifikant verringerten relativen Risiko gegenüber Abstinenz bzw. dem Verzehr anderer Getränke. 1

Eine Studie an Mäusen liefert eine mögliche Erklärung für das verminderte Demenzrisiko bei maßvollem Konsum alkoholischer Getränke. Die Gabe von geringen Ethanolmengen bei diesen Tieren regte das glymphatische System an, das mithilfe spezieller Flüssigkeitsbewegungen „Abfallprodukte“ über die Lymphgefäße des Körpers entsorgt und zur Leber bringt. Die Ethanolgaben förderten also die Entgiftung des Gehirns. Es wird daher angenommen, dass ein gut funktionierendes glymphatisches System auch vor Alzheimer und anderen Demenzen schützt.1

Eine britische Studie scheint obige Beobachtungen in Frage zu stellen. Danach sollen auch moderate Mengen alkoholischer Getränke mit Beeinträchtigungen der Hirnfunktionen und von Hirnstrukturen verbunden sein. Wegen der kleinen Kontrollgruppe, wenig aussagekräftiger Methodik und fehlender wichtiger Daten zum Trinkmuster der Probanden erlaubt diese Studie nach Expertenkreisen allerdings keine Aussagen darüber, wie sich ein moderater Weingenuss auf die Hirngesundheit auswirkt. 2

Alzheimer-Demenz

Die bekannteste und häufigste demenzielle Erkrankung ist die Alzheimer-Demenz, deren Ursachen noch weitgehend unbekannt sind. Erkrankungen, die mit einer schlechteren Durchblutung des Gehirns einhergehen, begünstigen unter anderem ihre Entwicklung. Eines der markantesten Merkmale für Alzheimer-Demenz ist die Bildung und Ansammlung von sogenannten amyloiden Plaques im Gehirn. Hierbei handelt es sich um schädliche Eiweiß-Ablagerungen (Beta-Amyloid).

In Tierversuchen konnten die Weinphenole (u.a. Resveratrol) die Bildung der für Alzheimer typischen Plaques verhindern. Daraus erschließt sich der mögliche Wirkmechanismus, den die Forschung allerdings noch beim Menschen nachweisen muss. Diskutiert wird in dem Zusammenhang auch die verbesserte Gefäßfunktion und durchblutungsfördernde Funktion des Alkohols.

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