Pioniere/innen
A - Z

Hauptmann, Gerhart

* 15.11.1862; † 6.6.1942

Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 im schlesischen Szczawno-Zdrój (Ober- Salzbrunn) geboren. Er zählt zu den großen deutschen Literaten. Über Jahrzehnte kam kein Gymnasialschüler im Deutschunterricht an seinen Werken vorbei, wie z. B. an Bahnwärter Thiel, Die Weber, Der Biberpelz oder Die Ratten. Noch heute gilt Hauptmann als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker aus der Stilrichtung des Naturalismus.

Nicht nur seine Werke als Roman-Schriftsteller, sondern auch seine Theaterstücke wie Vor Sonnenaufgang erregten große Aufmerksamkeit, wenngleich sie nicht immer unumstritten waren. Mit dem Theaterstück Die Weber (1892) hatte er den Zorn Kaiser Wilhelms II. auf sich gezogen, was aber seine Bekanntheit steigerte. Den Zenit erreichte Hauptmann im Jahr 1912, als ihm der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde. Seine Rolle im Dritten Reich ist ambivalent. Zwar waren etliche seiner Werke alles andere als auf Linie, einige seiner Theaterstücke wurden auf den Bühnen verboten, Verfilmungen wurden zensiert. Insgesamt mied er aber eine inhaltliche öffentliche Auseinandersetzung mit dem Regime. Im Gegenteil ließ er sich vom Pomp und Werben der Nazis umgarnen und auch widerspruchslos auszeichnen.

Am 6. Juni 1946 starb Gerhart Hauptmann im heutigen Jagniątków (Agnetendorf) in Schlesien. Seine letzte Ruhe fand er allerdings in Hiddensee, wo er eine Sommerresidenz Haus Seedorn besaß – mit einem bemerkenswert großen Weinkeller, der heute noch besichtigt werden kann. Hauptmann selbst hatte die Gestaltung des Weinkellers übernommen, in dem wohl hunderte von Weinflaschen in Tonröhren gelagert werden konnten. Offenbar hatte Hauptmann einen großen Bedarf, da er in der Sommerzeit nahezu täglich Gäste am Abend bewirtete.

Was veranlasst die DWA, ihn zu den Pionieren der Weinkultur zu zählen?

Zu seinen Lebzeiten gab es auf Hiddensee ein Sprichwort:

"Der Sommer fängt an, wenn die Weinlieferung von Hauptmann kommt, und er ist zu Ende, wenn der Weinkeller leer ist."

Wer an diesen teils bacchantischen Symposien teilnahm, musste über eine ordentliche Trinkfestigkeit verfügen. Zu einer Verstimmung kam es zwischen Gerhart Hauptmann und Thomas Mann, als letzterer im Roman Zauberberg eine sauflustige, über die Stränge schlagende Romanfigur Mynheer Peeperkorn schuf, die ein leicht erkennbares Abbild von Gerhart Hauptmann war. Dieser legte jedoch großen Wert darauf, dass die Weinabende nicht seinen gewohnten Tagesablauf und insbesondere sein allmorgendliches (7 Uhr!) Bad in der Ostsee in Frage stellten.

Das Verhältnis des Literaturnobelpreisträgers zum Alkoholkonsum war vielschichtig und durchlief seine Wandlungen: Der Sohn eines Gastwirts wurde zum Mitbegründer der deutschen Fuselpoesie in einem sozialkritischen Sinne. Er war vorübergehend Alkoholgegner und propagierte selbst Abstinenz, hatte aber auch Phasen eines übermäßigen Alkoholkonsums und war dann Gegner der Alkoholgegner. Die Bedeutung des Alkohols im Schaffen Hauptmanns war Gegenstand von vielen Veröffentlichungen und Vorträgen. Die Grenzen der Trinkfestigkeit und die Gefahren des Alkoholmissbrauchs thematisierte er unter anderem in einem längeren Gespräch in seinem Werk Vor Sonnenaufgang (1899). Hier ein Auszug:

 

 

Zweifelsohne war Hauptmann ein großer Weinliebhaber und Weinkenner. Zu Recht hat unter anderem Hans-Jörg Koch in seinem Werk Die Muse Wein – zwischen Rausch und Kreativität (Mainz 2001) darauf hingewiesen. Zu seinen Lieblingsweinen zählten der Assmannshäuser Spätburgunder, Riesling aus dem Rüdesheimer Schlossberg und Ihringer Winklerberg. Seine Kenntnisse vom Wein hat sich an vielen Stellen seines Schaffens niedergeschlagen. Weinliebhaber können also in seinen Werken auch auf eine vinophile Entdeckungsreise gehen. Auch Karl-Diether Gussek hat Hauptmann in sein Buch Berühmte europäische Weintrinker (Jena-Plauen-Quedlinburg 2011) aufgenommen, aber durchaus auch die zu kritisierenden Seiten seines Lebens und seiner Trinkgewohnheiten dargestellt. So differenziert betrachtet auch die DWA den berühmten deutschen Literaten. 

Diese Webseite verwendet Cookies.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren. Diese Cookies helfen uns dabei, Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten und unsere Webseite ständig zu verbessern. Mit dem Klick auf den Button “Akzeptieren” erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Für weitere Informationen über die Nutzung von Cookies oder für die Änderung Ihrer Einstellungen klicken Sie bitte auf “Details”.

Außerdem geben wir mit Ihrer Zustimmung Informationen an unsere Partner für Soziale Netzwerke, externe Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben.

Sie geben Ihre Einwilligung, wenn Sie unsere Webseite weiterhin nutzen.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Datenschutz.

Impressum