Pioniere/innen
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Frank, Johann Peter

* 1745 Rodalben; † 1821 Wien

Johann Peter Frank war das elfte von vierzehn Kindern eines Gemischtwarenhändlers in Rodalben, Markgrafschaft Baden. Zur Schule ging er in Eußerthal, in Rastatt bei Baden-Baden und im lothringischen Bockenheim, wo er eine Jesuitenschule besuchte. Er studierte 1761 Philosophie an der Universität Metz, wurde 1762 an der Universität Pont-à-Mousson zum Doktor der Philosophie promoviert. Dann entschied er sich aber, ab 1763 Medizin in Heidelberg und Straßburg zu studieren und wurde 1766 in Heidelberg zum Doktor der Medizin promoviert. Nach seinem Examen wurde er zunächst Landarzt in Lothringen. Es schlossen sich Stellen als Leibarzt vor allem bei hochrangigen Persönlichkeiten, sogar beim Kaiser in Wien und beim Zaren in St. Petersburg, an.

Medizinische Polizei
Aber seine Interessen gingen darüber hinaus: Mitte des 18. Jahrhunderts häuften sich die Äußerungen von Staatswissenschaftlern und Ärzten zur Politiae medicae, aus denen dann 1771 der Jenaer Professor Christian Rickmann als erster die Notwendigkeit ableitete, dass ein Arzt eine vollständige medicinische Policey vorlegen solle. Diese neue Disziplin sollte sich mit allem befassen, was die öffentliche Gesundheit beeinflussen konnte und wirksame Konzepte entwickeln, wie sie verbessert werden könnte. Entsprechende Vorhaben wurden auch als medizinische Topographien bezeichnet (siehe z.B. Dr. Andreas Anton Velten). Von dieser Idee war Johann Peter Frank begeistert und begann, den Begriff der medizinischen Polizei mit Inhalt zu füllen.

Sein sechsbändiges System einer vollständigen medicinischen Polizey war der bis dahin umfassendste Versuch, das gesamte öffentliche und auch private Leben unter gesundheitlichen Gesichtspunkten regeln zu wollen. Sein Eintreten für eine bessere Ausbildung von Ärzten, Schwestern und Hebammen, eine bessere Finanzierung des Gesundheitswesens sowie für ein verpflichtendes Medizinstudium der Wiener Chirurgen machten aus Frank einen als unbequem geltenden Zeitgenossen. Er trat für eine grundlegende Verbesserung der Hygiene in öffentlichen Gebäuden, mehr Licht in Krankensälen, Grünanlagen in Städten, Sport und Gymnastik in Schulen und Pausen in den Arbeitszeiten ein. Er scheute sich auch nicht, dies den Herrschern, für die er tätig war, deutlich zu machen.

Ein Pionier im Auftrag der Gesundheit
Durch die Arbeiten von Frank zur medicinischen Polizey wurde die Entwicklung eingeleitet, in der sich die Medizin die Deutungshoheit über nahezu alle gesellschaftlichen Fragen von Gesundheit und Krankheit erarbeitete. Er gilt unbestritten als Pionier auf dem Gebiet der Sozialmedizin sowie des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und als einer der Begründer der Hygiene als universitäres Fach.

Frank stand Christoph W. Hufeland nahe, wurde von Alexander von Humboldt sehr geschätzt und diente Honoré de Balzac als Inspiration für den Roman Der Landarzt. Die Johann-Peter-Frank-Medaille ist die höchste Auszeichnung des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) für besondere Verdienste um das öffentliche Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland. Sie wird seit 1972 beim jährlichen Bundeskongress des Verbandes verliehen.

Warum führen wir ihn, den Pionier der Sozialmedizin, auch als Pionier der Weinkultur auf?

In seinem Hauptwerk, dem System einer vollständigen medizinischen Polizey, finden sich detaillierte Ausführungen zum Konsum von Getränken, unter anderem Trinkwasser, Bier, Wein, Branntwein und Mischgetränken. Er stand dem Weinkonsum durchaus kritisch gegenüber:

„Die Frage, ob das Weintrinken gesund ist, wird ein Arzt nur alsdenn mit ja beantworten, wenn der Wein als Arzney gebraucht wird.“

Er wies auf die Herz- und Nervenanregenden Wirkungen des Weins hin. Bei allzu regelmäßigem Gebrauch sah er die Gefahr der Abhängigkeit. Insbesondere warnte er vor dem Übermaß: „[..] so wenig kann das übermäßige Weintrinken aus dem Grunde entschuldiget werden, weil dieser und jener Söffer sich bis ins graue Alter wohl befindet.“ Nach seiner Auffassung sollten die Frauen sich beim Weinkonsum zurückhalten: „Besonders aber ist der allzufreye Genuss des Weins dem schönen Geschlechte äußerst nachteilig.“  

Frank sprach aber auch die positiven Aspekte des Weins an: „Jedoch ist er auch oft die beste heilsamste Arzeney, die Ärzte geben ihn als das natürlichste und vortreflichste stärkende Mittel, als die unschädliche Labung bey Mangel an Lebenskraft [..]“ .

Ganz im Sinne seines Hauptwerkes forderte er eine polizeiliche Kontrolle, um Weinfälschungen zu verhindern, die gesundheitsschädlich sein könnten. Frank geht sogar weiter als die heutigen Anpflanzregelungen der EU: Er forderte eine Anbaubeschränkung  auf Sorten, die in den angebauten Lagen eine hinlängliche Reife erreichten, ein Verbot des gemischten Rebsatzes, eine obligatorische selektive Lese nach Reifegrad, eine offizielle Ernteregelung, eine obligatorische Verarbeitung unreifer Trauben zu Essig.

Frank machte Ausführungen zur Schwefelung der Weine. Er warnte vor dem Genuss junger und roher Weine und forderte eine Mindestreifezeit von einem Jahr, bevor sie verkauft werden dürften. Den Kräuterweinen im Handel stand er kritisch gegenüber, da sie nach seiner Beobachtung oft aus schlechten Grundweinen hergestellt würden. Ausführlich setzte er sich mit Weinverfälschungen und Zusätzen auseinander, die die Weine schmackhafter machen sollten. Er forderte eine strengere polizeiliche Weinkontrolle und härtere Strafen. Keine Weineinfuhr ohne Aufsicht durch die Weinkontrolle, war eine weitere Forderung. Bei Verkäufen von fremden Weinen in Weinschenken sollten versiegelte Konterflaschen bei der Polizei hinterlegt werden. Ob diese Forderungen in der damaligen Zeit überzogen waren oder ob es berechtigten Anlass dafür gab, ist aus heutiger Sicht schwierig zu beantworten. Er selbst gab eine einleuchtende Begründung: „Gesetzt, daß durch dergleichen Vorkehrung der Preiß der Weine auch erhöhet würde, so ist es doch besser, daß diejenigen, die Weine trinken und bezahlen können und wollen, gesunden und theuren als schlechten und wohlfeilen Wein bekommen.“ 

 

Wer sich intensiver mit Johann Peter Frank beschäftigen möchte, dem empfehlen wir folgende Quellen:

  • Wikipedia: Johann Peter Frank, (Aufruf Juni 2021)
     
  • Deutsches Ärzteblatt, Pieber Anke: Vom Arzt zum Gesundheitspolitiker (2003)
     
  • Fahner, Joh. Christian: Johann Peter Francks System einer vollständigen medizinischen Polizey, Berlin (1792)

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