Witte, Hedwig

* 1906 in Eltville; † 1991 Kiedrich

Ihre Vorfahren waren Erbbeständer (Pächter) der Klostermühle am Stadtrand von Eltville, die seit 1218 zum Kloster Eberbach gehörte. Nach der Säkularisation (1803) wurde das Anwesen von ihrer Familie käuflich erworben und mit der Zeit in ein Weingut mit Weinkellerei und Kommissionsgeschäft umgewandelt. Hedwig, geborene Schmidt, wuchs also in einem Weinambiente auf.

1933 heiratete sie Rudolf Witte. Sie hatten zwei Kinder.

 

„Wer lang trinkt, wird alt!“

Was spricht dafür, sie zu den Pionierinnen der deutschen Weinkultur zu zählen?
Seit Ende der 50er Jahre veröffentlichte Hedwig Witte wöchentlich in der Zeitung Wiesbadener Kurier unter dem Titel "Was gebb eich for mei dumm Gebabbel" in Rheingauer Dialekt ihre Betrachtungen als "Euer Lisbethche". Hier ging es recht oft um den Wein: „Gert´ mein Wingert“, „E Feuerspritz voll Wein“, „De Jahrunnertwein“, „En Gang dorch die Wingert“ und viele andere „Weck- un Wein-Stickelcher“. Brauchtum und Sprache der Rheingauer Winzer*innen zu erhalten und weiterzugeben, Tradition im Wortsinn, sah sie als ihre Lebensaufgabe. 1959 gehörte sie zu den ersten fünfzehn Mitgliedern der gerade gegründeten Gesellschaft für Geschichte des Weines.

Der 1982 veröffentlichte Band „E fein Wein´che“ ist eine unterhaltsame Lektüre für Winzer*innen und Weinfreund*innen. Ein Buch voll von „anno sellichmol“, „Wie´s früher bei de Alte gehalle worn is“, von Winzer-Regeln, Weingedichten und anderen kurzweiligen Geschichten.

1983 war sie Mitbegründerin des Rheingauer Mundartvereins und leitete ihn 3 Jahre als 1. Vorsitzende (1986-2019 war Ulrike Neradt erste Vorsitzende). Ihre in den letzten zwei Jahrzehnten erschienenen Bücher sind eine Fundgrube für den Volkskundler und Sprachforscher, nicht zuletzt auch für die Weinbauterminologie.

Die Liturgie des Rheingauer Erntedankfestes ist in Text und Gestalt ihr Werk. 1953 wurde ihr Singspiel "Die Hallgartener Jungfer" als bestes Hessisches Volksstück ausgezeichnet. Ihr mehrfach aufgelegtes Buch „Wo´s Sträußchen hängt, wird ausgeschenkt“ ist ein Wegweiser für Schnutendunker*innen und Weinfreund*innen. Es ist eine Liebeserklärung an den Rheingau, an seine Bewohner*innen und vor allem an seine Weine.

Ein Beispiel für ihre Mundartkunst, passend zur Thematik der Deutschen Weinakademie, muss sein:

 

Kaan Troppe

De Doktor seet zu´s Müllersch Walter:

„Die Lewwer basst mer garnit, Alter!

Von jetzt ab kimmt – verstehste mich? –

Kaan Troppe mehr uff Dein Disch!“
 

„Her Doktor, ei was denkter nor!

So ebbes kimmt bei mir nit vor!

Ich nemme mich", hot er gesacht,

„Beim Einschenke jo so in acht,

daß von dem Wein aach ganz bestimmt

kaan Troppe uff de Disch mer kimmt!“

Wer mehr über Hedwig Witte, ihre Mundartkunst, erfahren will, dem empfehlen wir:

Quellen
  • Kurzbiographie von Hedwig Witte in „Persönlichkeiten der Weinkultur“ der Gesellschaft für Geschichte des Weins (Internetseite)
  • Witte, Hedwig: „Was gebb eich for mei dumm Gebabbel“, Frankfurt (1981)
  • Witte, Hedwig: „E fein Wein´che“, Frankfurt (1982)
  • Witte, Hedwig: „Rheingauer Spätles“, Frankfurt (1985)
  • Witte, Hedwig: „Rheingauer Auslese", (1991)
  • Witte, Hedwig: „Wie uns de Schnawwel steht", Wiesbaden (1967)
  • Witte, Hedwig: „Hessisch, wie es nicht im Wörterbuch steht", Frankfurt (1971)
  • Witte, Hedwig: „Die Traubeles“, Frankfurt (1980)
  • Witte, Hedwig: „Wenns im Rheingau Weihnacht wird“, Herausgeber Rheingauer Mundartverein, Kiedrich (2012)
  • Witte, Hedwig: „Wo's Sträuß'che hängt, werd ausgeschenkt“ (mit H. Ambrosi), 5. Aufl., Wiesbaden (1989)

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