Fitz, Johannes

* 1796 Dürkheim; † 1868 Pfeffingen

Johannes Fitz ("der rote Fitz") war ein Pfälzer Kaufmann und Weingutsbesitzer mit politischen Ambitionen. Als Mitglied des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins setzte er sich für den Erhalt der Presse- und Meinungsfreiheit in der Pfalz unter der bayerischen Herrschaft ein und war einer der Mitorganisatoren des Hambacher Festes von 1832.

Der soziale Vordenker
Bei seiner Kandidatur zum Stadtrat 1829 erhielt Fitz die meisten Stimmen und wurde zum Adjunkten und Polizeikommissär ernannt. Fitz engagierte sich in seinem Amt für soziale Reformen im Armenwesen. Er wollte die Armenfürsorge von Spenden unabhängig machen. Zukünftig sollte dafür eine an der Grundsteuer orientierte Abgabe erhoben werden. Gleichzeitig sollte eine zentrale Armenunterstützungsanstalt für effizientere und bedarfsgerechte Verteilung der Mittel sorgen.

Der liberale Vorkämpfer
Unter der Leitung von Johannes Fitz beteiligten sich die Dürkheimer am Hambacher Fest am 27.-28. Mai 1832. Etwa 500 Bürger, darunter viele Winzer, nahmen am Festzug teil. Er trug die Fahne mit der Aufschrift Die Weinbauren müssen Trauren, die sich heute im Stadtmuseum Bad Dürkheim befindet.

Durch die Absetzung des Dürkheimer Bürgermeisters Friedrich Jakob Koch wurden Anfang Juni 1832 vorgezogene Neuwahlen zum Stadtrat notwendig. Erneut erhielt Johannes Fitz die meisten Stimmen. Aufgrund seiner politischen Gesinnung verhinderten die bayerischen Behörden aber seine Ernennung zum Bürgermeister.

Aufgrund seiner maßgeblichen Mitwirkung am Hambacher Fest sowie an den Protestnoten gegen die danach erlassenen Strafmaßnahmen des Deutschen Bundes und der bayerischen Behörden wurden gegen Fitz ab 1832 mehrere Prozesse angestrengt. Etliche Reisen nach Frankreich, vor allem nach Straßburg und Paris, dienten dazu, sich einer drohenden Verhaftung zu entziehen. 1834 wurde er in letzter Instanz in München zu 9 Monaten Haft verurteilt, die er aufgrund eines Gnadengesuches nur zum Teil verbüßen musste.

Was spricht dafür, ihn zu den Pionieren der deutschen Weinkultur zu zählen?
Ab 1832 unterhielt Fitz im Pfeffingen ein Weingut. Zusammen mit seinem Cousin Georg Peter Fitz, der selbst ein Weingut betrieb, beschäftigte er sich mit der Sektproduktion, angeregt durch seine Aufenthalte in Frankreich. 1840 kam der erste moussierende Haardt-Gebirgswein auf den Markt. 1842 erhielten Georg Peter Fitz und seine Kompagnons für ihre Produktion einen Verdienstorden des bayerischen Königs. Johannes Fitz blieb dies aufgrund seiner politischen Gesinnung verwehrt. Trotzdem war er wirtschaftlich erfolgreich und gehörte zu den ersten bedeutsamen Exporteuren von Sekt und Wein in die USA.

Fitz gehörte auch zu den Vordenkern in der deutschen Weinbranche, die sich ab 1839 regelmäßig zusammenfanden, um einen wissenschaftlich fundierten Erfahrungsaustausch zu organisieren und damit fortschrittliches Denken und Handeln in der Branche anzustoßen. 1844 spielte er bei der Versammlung der Wein- und Obstproduzenten in Dürkheim als Redner (betriebswirtschaftlicher Vergleich Weinbau in der Ebene und auf Bergterrassen) und Gastgeber (Haardtberg-Champagner) eine beachtete Rolle.

Ein weinkulturelles Vorbild
Gerade weil wir an dieser Stelle auf die Verbindung von Gesellschaft und Kultur hinweisen, hat es Johannes Fitz verdient, mit seinen vielfältigen Aktivitäten in der Wein- und Sektherstellung, mit seinem sozialen, gesellschaftlichen und mutigen politischen Engagement einschließlich seiner Unterstützung berufsständischer Fortschrittsideen zu den Pionieren der Weinkultur gezählt zu werden.

Beim Hambacher Fest, das immerhin als eine Geburtsstunde der deutschen Demokratie beschrieben wird, sangen sie sein Winzerlied:

(Erste Strophe)

„Die Winzer ziehen mit schwarzer Trauerfahne
Zum deutschen Feste heut. -
Zu reißen die Regierung aus dem Wahne,
Wir seien reiche Leut!“

 

(Letzte Strophe)

„Sind einig wir, dann wird dies Gut errungen,
Eh noch ein Jahr vorbei!
Dann wird ein Lied aus voller Brust gesungen
Gott lob! Nun sind wir frei!“

 

Der musisch begabte Fitz hat in weiteren Liedern auf Missstände in der bayerischen Pfalz und auf die Not der Winzer hingewiesen. So 1825 in der Michaelshymne:

„Trinket, Freunde, guten Muthes,
was ihr trinkt ist frey von Zoll,
alles Böses hat sein Gutes,
bleiben doch die Keller voll.
Drum ist in unsrer Noth,
nur wer trinkt ein Patriot!“ 

 

Das war kein Aufruf zum Besäufnis, sondern ein Notruf der Winzer, die kein Geld hatten, um sich Brot zu kaufen. Der „rote Fitz“ (Spitzname wegen seiner roten Haare) hatte den Mut, trotz Repression die Nöte der armen Bevölkerung direkt oder in Liedtexten anzusprechen.

 

 

Wer sich intensiver mit Johannes Fitz beschäftigen will, dem empfehlen wir als weiterführende Literatur:

Quellen
  • von Bassermann-Jordan, Friedrich: „Geschichte des Weinbaues“, S. 177 ff., Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt (1923)

  • Hallmann-Preuß, Britta; Rings, Karl Georg; Schumann, Fritz: „Johannes Fitz – genannt der Rote – Aus dem Leben eines freiheitsliebenden Deutschen“, Bad Dürkheim (2009)

  • Schumann, Fritz: „Der pfälzische Weinbau auf dem Weg zum Hambacher Fest“ in Variatio Delectat II, Schrift Nr. 67 der Gesellschaft für Geschichte des Weines, Wiesbaden (1983)

  • Schumann, Fritz: „150. Todestag Johann Fitz“ in der Rheinpfalz vom 16. Mai 2018

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