Adenauer, Konrad

* 5. Januar 1876 in Köln; † 19. April 1967 in Rhöndorf

Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Bereits von 1917 bis 1933  war er Oberbürgermeister von Köln und von 1921 bis 1933 Präsident des preußischen Staatsrats. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er seiner Ämter enthoben und war zeitweise inhaftiert.

Er prägte als Bundeskanzler aufgrund seiner politischen Überzeugungen mit seinen Grundsatzentscheidungen die wirtschafts-, innen- und außenpolitischen Entwicklungen der Bundesrepublik Deutschland weit über seine Amtszeit hinaus.

Was spricht dafür, ihn zu den Pionieren der deutschen Weinkultur zu zählen?
Wir wissen, dass Konrad Adenauer ein Weinkenner und Weinliebhaber war. Sein beträchtlicher privater Weinkeller war auch in den schlechten Zeiten der Weimarer Republik gut bestückt mit Spitzenweinen aus den besten Lagen von renommierten Weingütern, vor allem der Mosel und auch des Rheingaus. Seine privaten Weinbestellungen wickelte er über einige bekannte Weinhändler und Weinkommissionäre ab.

Bereits als Oberbürgermeister von Köln legte er Wert darauf, dass es bei offiziellen Anlässen beste deutsche Weine zu trinken gab. Die deutschen Spitzenweine als Instrument seiner Politik und Diplomatie einzusetzen, entwickelte er bis zur Perfektion als Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik.

Der Weindiplomat
Adenauer führte geradezu eine Weindiplomatie. Er verfügte über die Fähigkeit, bei einem Glas Wein Vertrauen aufzubauen. So auch bei der berühmten Moskau-Reise im September 1955, bei der die Delegation u.a. eine ganze Reihe von Flaschen Berncasteler Doctor Spätlese sowie 1951er Jahrgangssekt MM Hohe Domkirche vom Trierer Bischöflichen Priesterseminar im Gepäck hatte, für diverse Essen, aber auch als Gastgeschenke. Die Reise ging als außen- und innenpolitischer Erfolg in die Geschichtsbücher ein, vor allem wegen der Freilassung der Kriegsgefangenen. Reif für die Annalen ist auch der „Erfolg“ der konsequenten Vorbereitung der deutschen Delegation, die vor den Gesprächen reichlich Olivenöl schluckte, um ihre Trinkfestigkeit für die Begegnungen mit der russischen Delegation zu stärken.

Qualitätspolitik
Adenauer trank selbst am liebsten Trockenbeerenauslesen und davon profitierten auch seine Staatsgäste – zum Leidwesen des Bundesrechnungshofs und der Budgetverantwortlichen im Bundeskanzleramt. Das Protokoll hatte für die Staatsessen stets zwei Weißweine, Rhein und Mosel, sowie einen französischen Rotwein vorzusehen. Es sei dahingestellt, ob für Adenauer der französische Rotwein Ausdruck der deutsch-französischen Versöhnung oder Reaktion auf die noch nicht befriedigende Qualität der damaligen deutschen Rotweine war.

Konrad Adenauer war von seiner gesamten Einstellung ein Genießer, der Wein eher in kleinen Mengen, die aber von bester Qualität, konsumierte, es sei denn, dass aus politischer Räson in Ausnahmefällen die Regeln geändert werden mussten (siehe Moskau 1955).

Konrad Adenauers wusste nicht nur, das diplomatische Potential der deutschen Spitzenweine erfolgreich zu nutzen. Laut Walter Henkels, dem vielleicht besten Adenauerkenner unter den Bonner Journalisten der damaligen Zeit, konnte er auch das gesamte Wirkungsspektrum seiner Lieblingsweine, so bei einer Moselreise mit dem italienischen Staatspräsidenten Alcide de Gaspery 1952  in Beilstein, launig darstellen:

 

Ein Möselchen regt den Appetit an, ein Möselchen beschwingt  das Lebensgefühl, ein Möselchen regt die Gedankentätigkeit an, ein Möselchen erzeugt dem Körper Wohlbehagen, ein Möselchen fördert den Stoffwechsel. Und wenn kürzlich ein Arzt zu einem Patienten, der ein Moselweintrinker war, gesagt haben soll, er möge auf die Werte der Leber und der Niere Obacht  geben, dann könne er nur sagen, er solle sich das Alter seines Bundeskanzlers ansehen, und es gäbe mehr alte Moselwinzer als alte Ärzte.“

 

Und da Adenauer sicher um weitere Wirkungen wusste, aber mit allen Wassern gewaschen war, wandte er sich an den gastgebenden Winzer Toni Bauer, der zugleich Bürgermeister von Beilstein war, mit der Frage: „Haben wir was vergessen?“ Dieser antwortete offenbar schlagfertig: „Jawohl, Herr Bundeskanzler! Sie haben vergessen, dass man von unserem Wein ganz schön beschwipst werden kann.“

Unsere Vorbilder der deutschen Weinkultur sollten die Vorzüge des moderaten Weinkonsums leben und zum Ausdruck bringen, ohne zu verschweigen, dass es auch Risiken gibt.

 

„Qui bebe bibit bene dormit. Qui bene dormit non peccat Qui non peccat venit in coelum. Ergo – qui bene bibit veni in coelum.“
„Wer gut trinkt, schläft gut. Wer gut schläft, sündigt nicht. Wer nicht sündigt, kommt in den Himmel. Also – wer gut trinkt, kommt in den Himmel!“

(Konrad Adenauer)

Wer mehr über Konrad Adenauer und seine Weindiplomatie und seine Lieblingsweine wissen will, empfehlen wir folgende Literatur:

Quellen
  • Bergmann, Knut: „Mit Wein Staat machen“, Insel Verlag (2018)
     
  • Henkels, Walter: „Adenauers gesammelte Bosheiten“, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach (1985)
     
  • Poppinga, Anneliese: „Meine Erinnerungen an Konrad Adenauer“, Stuttgart (1970)
     
  • Sieh-Burens, Katarina:  „Korkenzieher im Gepäck“, Rhein-Mosel-Verlag, Zell (2017)

 

 zu Baedeker, Karl

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