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Konsum alkoholischer Getränke, Trinkmuster und Demenzrisiko

Wie wirkt sich ein maßvoller Konsum alkoholischer Getränke bei älteren Menschen auf den Erhalt ihrer kognitiven Fähigkeiten aus? Spielen dabei das Geschlecht, Bildung, soziale Kontakte oder bestimmte Risikogene eine Rolle? Macht es einen Unterschied, ob die Senioren sich einer normalen geistigen Gesundheit erfreuen oder ob sie bereits kognitive Einschränkungen beklagen? Gibt es überhaupt belastbare Daten zu diesen Themen? Das fragte sich auch ein Team von amerikanischen Ärzten und Wissenschaftlern – und wurde fündig. 

Ginkgo-Studie liefert umfangreiche Testergebnisse

Zwischen 2000 und 2008 wurde in den USA eine Interventionsstudie mit Ginkgo biloba zum Erhalt kognitiver Fähigkeiten bei über 70-Jährigen durchgeführt. Dafür wurden bei mehr als 3.000 Teilnehmern verschiedene kognitive Tests durchgeführt, und zwar nicht nur einmal, sondern zunächst alle sechs Monate und dann jährlich. Auf diese Weise kam eine umfangreiche Datensammlung zusammen: 

  • mit Probanden, die zu Studienbeginn über normale kognitive Fähigkeiten verfügten
  • mit Probanden, die bereits leichte kognitive Beschwerden hatten (MCI = Mild  Cognitive Impairment)
  • über die Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten beider Gruppen im Studienverlauf
  • zum Risiko beider Gruppen, an einer Demenz zu erkranken 

Auch die Konsumgewohnheiten für alkoholische Getränke wurden im Rahmen der Ginkgo-Studie abgefragt. Die Probanden gaben an, wie oft sie in der Woche ein alkoholisches Getränk konsumierten, welche Getränke sie bevorzugten und ob sie einen Drink oder mehr pro Gelegenheit zu sich nahmen.

Amerikanische Gesundheitsbehörden empfehlen über 65-Jährigen maximal ein alkoholisches Getränk pro Tag. Empfehlungen für Menschen mit MCI existieren nicht. 

Wichtig: Die kognitive Gesundheit zu Studienbeginn

Im Lauf von durchschnittlich sechs Jahren kam es zu insgesamt 512 neuen Demenzerkrankungen. Teilnehmer, die bereits kognitive Einschränkungen aufwiesen, profitierten nicht, auch nicht von moderaten Konsummengen (hier: zwischen sieben und 14 Standarddrinks pro Woche). Bei größeren Verzehrmengen zeigte sich sogar ein (nicht signifikanter) Trend zum höheren Demenzrisiko, weshalb die Autoren diesen Personenkreis zu besonderer Vorsicht mahnen. 

Anders das Bild bei den eingangs gesunden Probanden: Deren Demenzrisiko war bei einem moderaten Konsum von etwa sechs bis zwölf Drinks pro Woche signifikant vermindert. Auch fanden sich bei den Gesunden, die Abstinenz angegeben hatten, im Vergleich zu Konsumenten alkoholischer Getränke zunehmend schlechtere Ergebnisse bei den kognitiven Tests. Alle vorgefundenen statistischen Zusammenhänge unterschieden sich weder nach Geschlecht oder Alter noch nach dem Vorhandensein eines genetischen Risikofaktors für die Alzheimer Demenz (ApoE4). 

Besser: Regelmäßig und wenig

Auch Trinkmuster waren Gegenstand dieser Auswertung. So zeigte sich bei den eingangs gesunden Teilnehmern, die täglich ein Glas ihres bevorzugten Getränkes zu sich nahmen, eine mehr als halbierte Risikorate für demenzielle Erkrankungen (HR 0,45, signifikant). Als Vergleichsgruppe dienten jene, die unregelmäßig tranken und dann mehr als ein Getränk. 

Die Wissenschaftler hatten die eingangs gesunden Probanden auch nach der Art der präferierten Getränke gefragt, jedoch kaum Zusammenhänge gefunden. Lediglich der Verzicht auf Wein ging mit einem signifikant erhöhten Risiko für eine Demenzerkrankung einher. Bei aller Vorsicht, die die Interpretation solcher Beobachtungsstudien erfordert: Für Gesunde scheint es in Sachen Kognition im Alter sinnvoll, eher sehr maßvoll, regelmäßig Wein zu trinken.

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