Neues aus der Wissenschaft

Senkt ein moderater Konsum alhoholischer Getränke in der zweiten Lebenshälfte die Sterblichkeit?

Bei Menschen mittleren und höheren Alters wird ein moderater Konsum alkoholischer Getränke mit einer besseren Herz- und Gefäßgesundheit assoziiert sowie mit besseren Chancen, länger zu leben. Das haben unter anderem Beobachtungsstudien gezeigt. Diese Studien sind allerdings mit einigen methodischen Problemen behaftet, die ihre Aussagekraft beeinträchtigen können. Im Zusammenhang mit der Erforschung des Konsums alkoholischer Getränke steht hier insbesondere in der Kritik, 

  • dass die Konsummengen auf Angaben der Teilnehmer beruhen
  • dass diese nur zu einem einzigen Zeitpunkt befragt werden
  • dass wichtige Einflussfaktoren wie zum Beispiel chronische Krankheiten oft unberücksichtigt bleiben
  • dass die Beobachtungszeiten zu kurz oder die untersuchten Personengruppen zu klein oder nicht repräsentativ sind.

Eine aktuelle Auswertung von Studiendaten älterer Menschen aus den USA hat viele dieser Kritikpunkte berücksichtigt und darf daher als besonders aussagekräftig angesehen werden.

„Harter“ Endpunkt Sterblichkeit: Langzeitstudie mit Mehrfachbefragung

Zwar beruht diese Auswertung ebenfalls auf eigenen Angaben der Teilnehmer, doch wurden diese über 16 Jahre hinweg beobachtet und alle zwei Jahre erneut befragt, um langfristige Auswirkungen und Änderungen im Konsumverhalten in die Analysen einbeziehen zu können. Zudem stammten die Daten aus einer knapp 8.000 Personen starken repräsentativen Bevölkerungsgruppe in den USA, die im Rahmen der Health and Retirement Study (Gesundheits- und Ruhestand-Studie) erhoben wurden. Es handelt sich dabei um die größte Langzeitbeobachtungsstudie zum Thema alkoholische Getränke und Sterblichkeit der USA.  

Die Teilnehmer waren gut zur Hälfte Frauen. Die Studie umfasste Weiße, Hispanics und Afroamerikaner, die zu Studienbeginn mindestens 56 Jahre alt sein mussten. Außer dem Alter, dem BMI und dem Bildungsstand wurde unter anderem nach dem Rauchverhalten, nach Schwierigkeiten, seinen Alltag zu bewältigen und nach dem Vorhandensein chronischer Erkrankungen gefragt. Dies alles kann sich sowohl auf das Konsumverhalten als auch auf die Lebensdauer auswirken. Dass hier nicht Risikofaktoren wie etwa Blutdruck, sondern der „harten“ Endpunkt Mortalität untersucht wurde, ist eine weitere Stärke dieser Arbeit. Schließlich lassen Einflüsse auf diverse Risikofaktoren lassen keine hundertprozentige Aussage über das Auftreten einer Krankheit oder über das Sterberisiko zu. 

Höchste Lebenserwartung:  Moderater Konsum, kombiniert mit Nichtrauchen

Es zeigte sich, dass Personen, die aktuell keine alkoholischen Getränke konsumierten, das höchste Sterberisiko hatten. Dies erklärt sich wohl über den Sick-Quitter Effekt, wonach aktuelle Abstinenzler häufig aufgrund einer Erkrankung den Konsum eingestellt haben. Am günstigsten schnitten Männer und Frauen ab, die alkoholische Getränke in moderater Menge konsumierten. Dies hieß für Männer bis zu 3 und für Frauen bis zu 2 Drinks pro Woche. Im Vergleich zu gelegentlichen Konsumenten (seltener als einmal wöchentlich) lag das Sterberisiko bei den Männern mit moderatem Konsum um 26 Prozent niedriger, bei den Frauen um 18 Prozent. 

Eine weitere Stärke dieser Studie ist, dass der Einfluss von gesundheitlich relevanten Verhaltensweisen wie dem Rauchen besondere Beachtung fand. Die hierzu durchgeführten Berechnungen ergaben, dass das Rauchen, auch wenn es inzwischen aufgegeben worden war, die positiven Effekte des moderaten Konsums alkoholischer Getränke aufhebt. 

Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig ein insgesamt gesunder Lebensstil ist. Und so verwundert es nicht, dass das geringste Sterberisiko in dieser Studie bei Nichtrauchern mit moderatem Konsum zu finden war.

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