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Konsensusreport schließt moderaten Weingenuss in die Ernährungstherapie von Diabetikern ein

Die medizinische Ernährungstherapie ist ein anerkannter, effektiver und bedeutender Teil der Diabetesbehandlung. Daher ist sie auch fester Bestandteil der medizinischen Leitlinien in vielen Ländern. Seit Erscheinen der letzten US-amerikanischen Leitlinie im Jahr 2014 kamen neue Erkenntnisse dazu, die künftig Beachtung finden sollten, sowohl zur Diabetesprophylaxe bei Risikopatienten (Prädiabetikern) als auch was die Auswahl der geeigneten Ernährungsformen angeht.

Eine Literaturauswertung unter Einschluss der neueren Studienergebnisse durch ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern und einem Patientenvertreter ergab, dass mehrere Ernährungsformen günstige Auswirkungen auf den Erkrankungsverlauf und auf die mit Diabetes assoziierten Risikofaktoren für Folgeerkrankungen haben. Neben vegetarischen Kostformen schnitten kohlenhydratreduzierte Diäten und mediterrane Ernährungsmuster besonders gut ab. Mediterrane Essmuster gingen als einzige der acht untersuchten Ernährungsformen nicht nur mit reduzierten Risikofaktoren, sondern auch mit einem verminderten Risiko für Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems einher. Da die mediterrane Kost zudem als einzige auch einen moderaten Konsum alkoholischer Getränke, insbesondere von Wein einschließt, wurde dieser Aspekt ebenfalls gewürdigt.

Konsens mit der Fachgesellschaft
Die Autoren des Berichtes diskutierten ihre Ergebnisse auch mit Vertretern der US-amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA), die die zugrunde liegende Literaturrecherche finanziert hatte. Der erzielte Konsens hinsichtlich alkoholischer Getränke lautet wie folgt:

  • Erwachsene Diabetiker und Prädiabetiker, die alkoholische Getränke konsumieren, sollten dies mit Augenmaß tun.
  • Als moderater Konsum gilt bis zu ein Drink (entsprechend 15 g Alkohol oder 150 ml Wein) täglich für Frauen und bis zu zwei Drinks für Männer mit Diabetes oder mit einer Diabetesvorstufe.
  • Ein moderater Konsum kann sich zwar günstig auf die Glukosekontrolle und auf das Herz- und Gefäßsystem auswirken. Dennoch müssen Diabetiker besonders über die Auswirkungen des Konsums alkoholischer Getränke aufgeklärt und geschult werden, insbesondere, wenn sie Insulin oder die Insulinausschüttung beeinflussende Medikamente nehmen.

Dieser Konsens basiert auf der Erkenntnis, dass ein moderater Konsum, insbesondere zu einer Mahlzeit, so wie es im Rahmen der mediterranen Ernährung üblich ist, die Zuckerkontrolle von Diabetikern nicht beeinträchtigt. Auch wird dadurch das Risiko einer verzögerten Unterzuckerung minimiert, sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes. Erst bei hohem Konsum von mehr als 2 Drinks täglich bei Diabetikerinnen und mehr als 3 Drinks pro Tag bei Diabetikern könne die Glukosekontrolle beeinträchtigt werden. Zudem bestehe bei hohem Konsum die Gefahr, dass der Lebensstil und die Eigenfürsorge insgesamt ungesünder werden könnten.

Verringertes Diabetesrisiko vor allem bei Weintrinkern
Als weiteren Vorteil des moderaten Konsums hoben die Autoren des Berichtes das verringerte Risiko, überhaupt erst an Typ-2-Diabetes zu erkranken hervor. Dagegen hätten sowohl Abstinente als auch Konsumenten großer Mengen von vornherein ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Eine zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien (Meta-Analyse) hatte ergeben, dass hier vor allem Weintrinker profitieren. Nur bei ihnen war das Diabetesrisiko signifikant verringert. Der größte Benefit zeigte sich bei Mengen, die 20 bis 30 g Alkohol entsprechen, also bei 0,2 bis 0,3 l Wein pro Tag. Dies war mit einem um 20 % verminderten relativen Diabetesrisiko verbunden.

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