Wenn es um das Thema alkoholische Getränke und Krebs geht, stehen schnell pauschale Urteile und Abstinenzgebote im Raum. Eine neue Studie mahnt jedoch zur Differenzierung.
Alkoholische Getränke und Krebssterblichkeit: eine Neubewertung
Die REGARDS-Studie ist eine große, prospektive Beobachtungsstudie in den USA, die sich eigentlich mit den geografischen und ethnischen Unterschieden bei Schlaganfällen beschäftigt. Sie rekrutierte zwischen 2003 und 2007 ca. 30.000 Erwachsene und läuft bis heute. Da die meisten Probanden auch Angaben zu ihrem Konsum alkoholischer Getränke machten und in der Kohorte unter anderem auch die Krebssterblichkeit erfasst wurde, konnte anhand der Daten von knapp 27.000 Erwachsenen (44 % männlich, 42 % bezeichneten sich als nicht-hispanische Schwarze) auch dieser Zusammenhang untersucht werden. Dafür sprach auch, dass die Beobachtungszeit mit durchschnittlich etwas mehr als 13 Jahren lange genug war.
Differenzierung wichtig!
Die meisten StudienteilnehmerInnen gaben zu Studienbeginn an, keine alkoholischen Getränke zu konsumieren (63 Prozent). Einen leichten Konsum gaben 22 Prozent an, das hieß, bis zu drei Drinks pro Woche. Ein Drink entsprach in dieser Studie rund 150 ml Wein oder 355 ml Bier. Elf Prozent der Frauen und Männer gaben einen moderaten Konsum an, was bei den Frauen vier bis sieben Drinks pro Woche bedeutete, bei den Männern bis 14 Drinks. Wer mehr konsumierte, wurde als starker Konsument eingestuft; Dies betraf vier Prozent der Befragten.
Nachdem verschiedene Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Gesundheitsstatus, körperliche Aktivität und soziökonomische Kennzahlen berücksichtig worden waren (Adjustierung) zeigte sich beim Vergleich zur Abstinenz je nach Konsumkategorie ein differenziertes Bild:
- Geringstes Risiko bei leichtem Genuss
Bei einem Konsum bis zu drei Gläsern pro Woche fiel das Risiko, während der Beobachtungsdauer einem Krebsleiden zu erliegen, am geringsten aus. Es lag um 13 Prozent niedriger als bei Personen, die angegeben hatten, keine alkoholischen Getränke zu konsumieren. - Kein erhöhtes Risiko bei moderatem Genuss
Auch in dieser Kategorie gab es gute Nachrichten: Bis zu sieben Drinks pro Woche für Frauen und bis zu 14 Drinks für Männer gingen nicht mit erhöhten Risiken einher. Es fand sich insgesamt kein statistischer Zusammenhang zur Krebssterblichkeit. - Geringeres Risiko bei leichtem bis moderatem Genuss
Wurden Personen mit leichtem und moderatem Konsum in einer Gruppe zusammengefasst, zeigte sich im Vergleich zu den Nichttrinkern ein um signifikante elf Prozent verringertes Risiko, an Krebs zu sterben. - Erhöhtes Risiko bei starkem Konsum
Eine um 21 Prozent signifikant erhöhte Sterblichkeit an Krebserkrankungen zeigte sich lediglich bei Personen mit einem starken Konsum (ab acht Drinks pro Woche bei den Frauen und ab 15 Drinks bei den Männern).
Störfaktor Rauchen
Um herauszufinden, ob das Rauchen den Zusammenhang zwischen alkoholischen Getränken und der Krebssterblichkeit beeinflusst, wurden die Daten einmal mit und einmal ohne Berücksichtigung des Rauchverhaltens analysiert. Dabei zeigte sich erneut, dass Rauchen einen Einfluss auf die Risikobewertung hat.
Natürlich darf aus einer solchen Beobachtungsstudie nicht abgeleitet werden, dass moderater Alkoholkonsum vor Krebs schützt. Zudem heben die AutorInnen hervor, dass es wenig sinnvoll ist, zur Prävention nur einzelne Risikofaktoren anzugehen. Vielmehr sollten auch die Botschaften zum Konsum alkoholischer Getränke in gesundes Lebensstil-Konzept eingebunden sein, das neben dem Verzicht auf das Rauchen eine gesunde Ernährung und körperliche Aktivität umfasst und zu dem dann auch ein leichter bis moderater Genuss alkoholischer Getränke gehören darf.
Quelle: Pinheiro, LC et al.: Reevaluating the Alcohol-Cancer Link: Long-Term Cancer Mortality Outcomes in the REGARDS Study. Journal of General Internal Medicine 2026, doi: 10.1007/s11606-026-10479-3





