Die Mittelmeerküche gilt unumstritten als eine der gesündesten Kostformen. Diskussionen gibt es ab und zu noch bei der Frage, wie wichtig das Glas Wein zur mediterranen Mahlzeit ist. Langzeitbeobachtungen an zwei spanischen Kohorten untersuchten jetzt genau das.
Weingenuss, mediterrane Ernährung, Herz, Gefäße und Sterblichkeit
PREDIMED und SUN
Spanische Forscher haben Daten aus der PREDIMED-Studie und dem SUN-Projekt der Universität von Navarra ausgewertet, sowohl einzeln als auch zusammengefasst (gepoolt). In der von 2003 bis 2010 laufenden PREDIMED Interventionsstudie wurden 7.447 ältere Spanier und Spanierinnen (55 bis 80 Jahre) mit einem hohen kardiovaskulären Risiko per Zufallsprinzip (randomisiert) in drei Gruppen eingeteilt: Ein Drittel sollte sich fettarm ernähren, die anderen zwei Drittel mediterran, mit einer Zulage an Olivenöl oder Nüssen. Dem folgte eine Nachbeobachtungsphase ohne aktive Intervention bis 2020, sodass Daten über maximal 17 Jahre zur Verfügung standen. Das SUN-Projekt ist eine fortlaufende Beobachtungsstudie, die spanische Universitätsabsolventen erfasst. Für die aktuelle Auswertung wurden die Daten von 10.554 Personen über 40 Jahre herangezogen.
In beiden Studien wurden unter anderem die Ernährungs- und Trinkgewohnheiten ermittelt: In der PREDIMED-Studie durch geschulte Interviewer, jährlich, bis zu siebenmal. Das SUN-Projekt, aus dem Daten über 22 Jahre zur Verfügung standen, nutzte selbst ausgefüllte Fragebögen, die zu Studienbeginn und alle zwei Jahre ausgefüllt wurden. Die erhobenen Werte wurden kumuliert und gemittelt.
MEDAS-Skala mit und ohne Wein
Die Ernährungsangaben wurden mit vordefinierten Punkten versehen und in die sogenannte MEDAS-Skala (Mediterranean Diet Adherence Screener) umgerechnet, die anzeigt, wie sehr die Vorgaben der mediterranen Kost eingehalten wurden. Ein MEDAS unter 9 gilt als schlechtes Einhalten (geringe Adhärenz), ab 9 Punkten ist die Diät-Adhärenz hoch. Insgesamt können 14 Punkte erreicht werden, wobei ein Punkt auf den moderaten Weinkonsum entfällt: Er wird vergeben, wenn mindestens 7 Gläser Wein pro Woche genossen werden.
Die Frage, die die Wissenschaftler anhand ihrer Analysen beantworten wollten, lautet: Ist ein moderater Weinkonsum als Teil einer mediterranen Ernährung mit verringerten Risiken für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall) und mit geringeren Sterberisiken assoziiert?
Moderater Weingenuss: Pluspunkt der mediterranen Ernährung
Während der aktiven Intervention hatten PREDIMED-Teilnehmer, die einen MEDAS-Wert von 9 oder höher erreichten und den sogenannten „Weinpunkt“ erhielten (also regelmäßig moderat Wein tranken), nur etwa halb so viele kardiovaskuläre Ereignisse wie Vergleichspersonen (Hazard Ratio = 0,55). Diese Vergleichsgruppe bestand aus Teilnehmenden, die sich weniger strikt an die mediterrane Ernährung hielten und keinen regelmäßigen Weinkonsum angaben. Die Gesamtsterblichkeit war bei einem MEDAS ab 9 schon um ein gutes Drittel niedriger (HR 0,67). Gehörte dazu auch ein „Weinpunkt“, war die Sterblichkeit sogar um mehr als die Hälfte reduziert (HR 0,48).
Die Langzeitdaten der PREDIMED, aus insgesamt 17 Jahren, gehen in die gleiche Richtung: 23 % weniger Gesamtsterblichkeit (HR 0,77) bei hohem MEDAS ohne Wein, 33 % weniger Sterblichkeit, wenn wenigstens 7 Gläser Wein pro Woche getrunken wurden (HR 0,67). Dann war auch die Krebssterblichkeit deutlich um 35 % gemindert (HR 0,65). Das SUN-Projekt erzielte hier keine signifikanten Ergebnisse, jedoch einen Trend zur verringerten Sterblichkeit bei hohem MEADS inklusive Wein. Wurde alle Daten gepoolt, fanden sich signifikant verringerte Sterberisiken nur bei hoher Adhärenz zur mediterranen Kost – und genau in diesem Kontext erwies sich der moderate Weinkonsum als Pluspunkt.
Quelle: Martínez-González, MA et al.: Wine consumption, Mediterranean diet, and cardiovascular risk in two Spanish cohorts. European Heart Journal 2026, doi: 10.1093/eurheartj/ehaf1081











