Dass ein mediterraner Lebensstil gesundheitlich vorteilhaft ist, konnte schon in vielen Studien gezeigt werden. Doch wie sieht es mit dem emotionalen Befinden und mit der Lebenszufriedenheit aus?
Mediterraner Lebensstil, Wein, Emotionen und Wohlbefinden
Dieser Frage ging jetzt ein spanisches Forscherteam nach. Während frühere Studien meist nur allgemeine psychosoziale Parameter erhoben hatten, befragte man in der aktuellen Querschnitt-Studie gut 2.700 Festlandspanier, die in größeren Städten leben, nach einer Vielzahl einzelner Emotionen und Befindlichkeiten und setzte dies in Bezug zum Einhalten mediterraner Ess- und Trinkmuster (Adhärenz).
Psychosoziale Variablen und Lebensstil
Anhand anonymer digitaler Fragebögen machten die Probanden Angaben zu Emotionen wie Ärger, Freude, Traurigkeit und Überraschung. Im Bereich Lebensstil und Wohlbefinden wurde zur mediterranen Ernährung und dem wöchentlichen Konsum von Wein und Bier befragt sowie zu Bereichen wie Arbeit, Einkommen, Sozialleben, Gesundheit, Freizeit, Zeitverwendung und allgemeine Lebenszufriedenheit.
Anhand einer Punkteskala wurde dann das Einhalten der mediterranen Ernährung (Adhärenz) in niedrig, mittel und hoch eingestuft und mit den psychosozialen Antworten in Beziehung gesetzt. Es zeigte sich, dass bei mittlerer bis hoher Adhärenz (im Vergleich zur niedrigen) häufiger Freude und Überraschung empfunden wird. Umgekehrt geben Probanden mit mittlerer bzw. hoher Mediterran-Adhärenz seltener an, sich zu ärgern, zu ekeln, traurig oder ängstlich zu sein. Sie verbrachten mehr Stunden beim Sport und mit der Zubereitung von Mahlzeiten, zeigten eine höhere Lebenszufriedenheit und mehr „Happiness“.
Weinkonsum: gesünderer Lebensstil, mehr „Happiness“
Daraus kann geschlossen werden, dass ein besseres Einhalten mediterraner Ess- und Trinkmuster mit günstigeren emotionalen Profilen und mit mehr Wohlbefinden eingeht. Die Forscher schauten auch nach Unterschieden zwischen Wein- und Biertrinkern. Während beide Gruppen öfter soziale Treffen, soziale Zufriedenheit und „Happiness“ angaben, zeigten die Weintrinker einen gesünderen Lebensstil: Sie gaben zum Beispiel an, mehr Gemüse und Fisch zu essen und mehr Sport zu treiben. Zudem empfanden sie seltener Ängstlichkeit und Ärger.
Die Autoren halten es für möglich, dass die mediterrane Ernährung inklusive des moderaten Weingenusses via der Darm-Hirn-Achse auch zum psychosozialen Wohlbefinden beiträgt. Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren aus Fisch und Meeresfrüchten sowie Polyphenole aus Gemüse, Früchten, Olivenöl, Nüssen und Wein kommen als Mediatoren dafür infrage.
Vorsichtige Interpretation wichtig!
Querschnitt-Studien wie diese liefern Momentaufnahmen, zeigen also den Istzustand auf. Sie erlauben keine Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung oder auf Veränderungen im Lauf der Zeit. Darauf weisen auch die Autoren dieser Arbeit hin und raten, ihre Ergebnisse nicht falsch zu interpretieren: Ja, wer sich mediterraner ernährte, zeigte ein günstigeres emotionales Profil und ein größeres subjektives Wohlbefinden. Auch hatten Weintrinker teilweise günstigere Emotionen als Biertrinker, einen insgesamt gesünderen Lebensstil und mehr „Happiness“. Ob der Wein dies jedoch „macht“, ob es also ursächliche Zusammenhänge gibt, müssen weitere Studien zeigen. Bis dahin sollten Empfehlungen an die Öffentlichkeit einen insgesamt gesunden mediterranen Lebensstil betonen.
Quelle: Bühler, KM et al.: Adherence to the mediterranean diet, emotional well-being and lifestyle patterns in Spain: A cross-sectional study. Preventive Medicine Reports 2026;61:103374










