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Interview mit Andreas O. Weber

Interview mit Prof. Dr. Andreas O. Weber, Präsident der Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V.
Im September 2021 war Prof. Dr. Andreas Otto Weber zum neuen Präsidenten der Gesellschaft für Geschichte des Weines gewählt worden. Weber lehrt als apl. Prof.an der Universität Erlangen-Nürnberg Bayerische und Fränkische Landesgeschichte sowie mittelalterliche und neuere Geschichte und ist Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München. Vor wenigen Tagen fand seine erste Tagung der Gesellschaft in Retz/Niederösterreich statt, die nicht nur von ihm geleitet, sondern auch von ihm inhaltlich und organisatorisch vorbereitet worden war. Schließlich war es „sein Thema“, die Weingeschichte in Niederösterreich und in den östlichen Weinbaugebieten.
Das folgende Interview wurde von Rudolf Nickenig für die DWA geführt. 

DWA: Herr Weber, viele Menschen werden bei Erlangen, aber auch (unzutreffender Weise) bei München eher an Bier als an Wein denken. Wie sind Sie zum Wein und insbesondere zur Weingeschichte gekommen?


Weber: Ich wurde 1965 in München geboren. In einer Stadt, die zwar biergeprägt ist, aber auch die wichtigste deutsche Weingroßstadt ist. Ich bin in einer Familie groß geworden, die stets Wert darauf legte, einen gepflegten Weinkeller zu haben. In München studierte ich Geschichte und Geographie an der LMU und TU München. Schon in meiner Magisterarbeit beschäftigte ich mit einem altbayerischen Winzerdorf im Mittelalter und promovierte danach über den Weinbau der alt- bayerischen Klöster im Mittelalter in Altbayern, dem österreichischen Donauraum und Südtirol.
 

DWA: Wie ging es für Sie dann beruflich weiter?


Weber: Zunächst wurde ich wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kommission für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und wissenschaftlicher Assistent und Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo ich mich habilitierte und als außerplanmäßiger Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte, Mittelalterliche und Neuere Geschichte lehre.
Seit 2013 bin ich Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, München, einer Kultureinrichtung des Freistaats Bayern.
 

DWA: Den Wein haben Sie bei Ihrer Tätigkeit mit Blick nach Osten aber nicht aus den Augen verloren. Über welche weinkulturellen Themen haben Sie bereits publiziert?

Weber: Zur Weinbaugeschichte Mitteleuropas habe ich zahlreiche Beiträge veröffentlicht, u.a. die „Geschichte des fränkischen Weinbaus. Von den Anfängen bis 1800“. Um drei weitere Beispiele zu nennen: Über „die Rolle der bayerischen Klöster und Bistümer im Mittelalter“ habe ich in dem hervorragenden Kompendium „Wein in Österreich“ 2019 einen Beitrag geschrieben. In der Schriftenreihe der Gesellschaft für Geschichte des Weines erschien im gleichen Jahr meine Arbeit „Die Anfänge der fränkischen Weinkultur – von der Karolingerzeit bis zur Jahrtausendwende“. Und noch 2022 wird meine Publikation „Die Weinversorgung des Augustinerchorherrenstiftes Beuerberg im Mittelalter“ veröffentlicht.
 

DWA: Was hat Sie gereizt, das Amt des Präsidenten der Gesellschaft für Geschichte des Weines zu übernehmen?


Weber: Meine Achtung vor der erfolgreichen Tradition der Gesellschaft und die Möglichkeit, mit einem engagierten Team neue Ideen und Konzepte zu verwirklichen, um junge und ältere Weinfreunde mit Interesse an Weinkultur und Weingeschichte anzusprechen. Mein Amt als Präsident möchte ich als Teamleiter verstehen. Mein Ziel ist es dabei, den interdisziplinären Wissensschatz, der bei unseren Mitgliedern vorhanden ist, zu erschließen und für die Weingeschichte nutzbar zu machen. Weingeschichte ist interessant und vielfältig und immer von vielen Faktoren beeinflusst. Dies zeigte sich auch bei unserer Jahrestagung in Retz im österreichischen Weinviertel. In den hochrangigen Vorträgen von Wissenschaftlern aus Österreich, Tschechien und Deutschland wurden mehrere mitteleuropäische Weinbaugebiete mit einander vergleichen, neue Forschungsprojekte und Publikationen vorgestellt. Es würde zu weit führen, hier näher darauf einzugehen. Ich verweise daher auf die Webseite unserer Gesellschaft.
 

DWA: Die DWA kümmert sich mit wissenschaftlichen Methoden um die Trinkkultur, um die Fragen eines moderaten Weinkonsums und um die Gefahren, die bei übermäßigem Konsum alkoholischer Getränke entstehen. Wie ordnen Sie diese Thematik ein?


Weber: Die Frage der Trinkkultur, sowohl des mäßigen als auch den unmäßigen Konsums, beschäftigt die Weinhistoriker natürlich auch. Und ich darf Ihnen verraten, dass wir dies auch bei unserer Tagung in Retz täglich mit Weinproben vollzogen haben. Wir haben wunderbare Weine aus Niederösterreich und Mähren kennen und schätzen gelernt! Natürlich haben wir die Weine moderat genossen! Die Bewertung des Trinkverhaltens ist, wie bei anderen gesellschaftlichen Fragen auch, abhängig vom Zeitgeist, geprägt über viele Jahrhunderte von metaphysischen und religiösen Vorstellungen und erst in jüngster Zeit orientiert an natur- und kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch die Bewertung früherer Vorstellungen ändert sich aufgrund neuer Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft: so ist das heute noch oft zu lesende Klischee vom Mittelalter als „Saufzeitalter“ heute geschichtswissenschaftlich nicht mehr vertretbar.
 

DWA: Es gibt offensichtliche eine bemerkenswerte Schnittmenge der Forschungen und übrigen Arbeitsfelder der Gesellschaft für Geschichte des Weines und des Wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Weinakademie. DWA und GGW sollten im Gespräch bleiben. Für heute sagen wir herzlichen Dank für Ihre Antworten auf unsere Fragen.

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Kulturthemen

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