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Kolumne Nachgeforscht Juni 2021

Riesling gegen Corona? Oder gar Impfwein gegen das SARS-CoV2? So etwas greifen Medien immer gerne auf, wenn es auch noch so weit hergeholt scheint. Ist die Weinwelt jetzt völlig übergeschnappt oder ist da was dran?

 

Corona und Wein - Evidenz ungenügend
Vor einem Jahr schrieb ich, dass Wein gegen Viren theoretisch möglich sei, da Ethanol und Polyphenole gegen bestimmte Erreger wirken. Aber eben nur theoretisch.

Nun, ein Jahr später ist die Datenlage ergiebiger, aber nicht aussagekräftiger. Vermindertes oder erhöhtes Risiko durch Weinkonsum? Daher haben wir den Münchner Professor gebeten, die bislang verfügbare wissenschaftliche Evidenz dazu darzulegen. Nicht mehr und nicht weniger.

Verschiedene Evidenzstufen
Es gibt In-vitro-Studien, in denen Weininhaltsstoffe dem Virus den Garaus machen. Beispielsweise hemmen die Phenole Flavan-3-ol und Proanthocyanidine aus Trauben und Wein zwei Schlüsselenzyme im SARS-CoV2, sodass dieses sich nicht weiter vermehren kann. Hört sich gut an, aber eine Extrapolation vom Reagenzglas auf den Menschen? Geht nicht.

Die nächste Evidenzstufe, Tierstudien. Hier zeigt sich, dass Weinphenole ein wichtiges Enzym in Influenza-Viren blockieren können. Auch gibt es Erkenntnisse, wonach sie die Vermehrung anderer Coronaviren, wie das MERS- CoV unterbinden können, indem der Aufbau des genetischen Virenmaterials gestört wird. Daraus aber abzuleiten, dass sie auch den Menschen vor dem aktuellen Corona-Virus schützen? Geht nicht.

Einfluss auf das Immunsystem
Allerdings kann der Konsum alkoholischer Getränke sowohl die angeborene als auch die erworbene Immunfunktion beeinflussen. Aber hierbei muss - auch biologisch - ganz klar zwischen moderatem und übermäßigem Konsum unterschieden werden, da die Wirkung auf das Immunsystem je nach Dosis gegensätzlich ist. So ist ein chronisches Zuviel mit einem erhöhten Risiko für Infekte verbunden. Grund ist eine Schwächung des erworbenen Immunsystems, da ein hoher Alkoholkonsum die Anzahl und die Funktionalität von T- und B-Zellen beeinträchtigt, wichtige Lymphozyten in der Immunantwort. Bei moderatem Konsum ist das Gegenteil der Fall. Hier funktioniert das Immunsystem sogar besser, weil die Phagozytose (Viren werden „aufgefressen“) erhöht und die Bildung entzündungsfördernder Zytokine reduziert ist.

Möglicherweise kann aber der Schlüssel zum Verständnis in der Darmflora liegen. Auch hier ist die Frage der Dosis unerlässlich. Da Weinphenole - in Kombination mit einer mediterranen Ernährung - die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora günstig beeinflussen, können sie auch für eine Unterstützung des Immunsystems verantwortlich sein. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass ein hoher Alkoholkonsum die Durchlässigkeit der Darmwand steigert. In der Folge kommt es zum Übertritt von Darmbakterien in die Blutbahn, was das Immunsystem erheblich stören kann.

Evidenz nicht ausreichend
Alles in allem, so der Professor, gebe es derzeit keine Evidenz dafür, dass die antiviralen Mechanismen der Weinphenole auch im menschlichen Organismus gegen das aktuelle Coronavirus wirksam sind. Ebenso lässt sich kein präventiver Effekt gegen das SARS-CoV2 auch nicht durch moderaten Weinkonsum nachweisen. Ernüchternd. Mehr gibt die Wissenschaft nicht her - aber auch nicht weniger.

 

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Kolumne Nachgeforscht Corona

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