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Allgemeine Gesundheitsaspekte

Wissenschaftlicher Überblick - Wissenschaftliche Datenlage zum Einfluss von Alkohol auf die Gesundheit.

Über Jahrzehnte zeigt die wissenschaftliche Datenlage sehr konsistent und biologisch plausibel, dass ein moderater Genuss mit verminderten Risiken für verschiedene Erkrankungen einhergeht. Dennoch fehlen langfristig angelegte Interventionsstudien, um letzte Zweifel auszuräumen. Als Goldstandard gelten hier randomisiert-kontrollierte Studien.

 

Sterblichkeitsrisiko

Der moderate Konsum alkoholischer Getränke kann im Rahmen eines gesunden Lebensstils das Sterblichkeitsrisiko senken. Wer maßvoll trinkt, hat ein geringeres Risiko als jemand der abstinent ist oder sehr viel trinkt. Das hängt in erster Linie mit den günstigen Wirkungen des Alkohols auf die kardiovaskuläre Gesundheit zusammen. Das gilt für beide Geschlechter. Eine aktuelle Langzeitbeobachtungsstudie aus dem Jahr 2019, bei der es sich um die größte in den USA zum Thema alkoholische Getränke und Sterblichkeit handelt, ergab, dass das Sterberisiko bei Männern mit moderatem Konsum im Vergleich zu gelegentlichen Konsumenten um 26 Prozent niedriger war und bei den Frauen um 18 Prozent.

Das Risiko steigt jedoch dramatisch mit jedem Getränk, das über einen maßvollen Genuss hinausgeht. Während also ein oder zwei Gläser als „gut für die Gesundheit“ betrachtet werden können, bringen Trinkmengen, die über den empfohlenen Richtwerten liegen, keinen weiteren Nutzen, sondern mehr Schaden. Studien belegen, dass das Konsumieren von großen Alkoholmengen in kurzer Zeit (binge drinking) schädlich für die Herzgesundheit ist und die Sterblichkeit erhöht. Exzessiver Konsum alkoholischer Getränke wird mit einer Reihe von langfristigen chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht. Neben kardiovaskulären Problemen und Bluthochdruck zählen dazu Leberzirrhose, Alkoholabhängigkeit, verschiedene Krebsformen und alkoholbedingte Hirnschädigungen.

Es kommt jedoch nicht nur auf die Trinkmenge an, sondern vor allem auch auf das Trinkmuster und die Art des konsumierten Getränks. Bei einem Vergleich verschiedener alkoholischer Getränke ging in einer aktuellen Beobachtungsstudie ausschließlich der Konsum von Wein und Sekt mit verringerten Risiken im Hinblick auf die Gesamtsterblichkeit und Herzgefäßleiden einher. Der moderate Konsum von Wein und dessen Genuss zum Essen sind Teil des so genannten mediterranen Trinkmusters, das insbesondere mit diesen positiven Effekten in Verbindung gebracht wird. Den Autoren einer kroatischen Studie zufolge spricht alles dafür, dass der Wein seine gefäßschützenden Effekte vor allem in den Stunden nach dem Essen entfaltet.

Die Relevanz des Trinkmusters wird besonders deutlich in Studien, die Länder mit unterschiedlichen Lebensstandards einschließen. Exemplarisch dafür steht die PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiological Study)! Sie zeigt, dass in armen Ländern keine gesundheitlichen Vorteile durch den moderaten Genuss alkoholischer Getränke zu beobachten sind. Dies scheint in erster Linie den kulturellen Gegebenheiten sowie den unterschiedlichen Lebenssituationen und Konsummustern geschuldet zu sein. So finden sich in ärmeren Ländern fast ausschließlich männliche Konsumenten mit niedrigerem Bildungsniveau, die episodisch viel Spirituosen, aber kaum Wein trinken und zudem deutlich mehr rauchen.

Dass sich jedoch ein gesunder Lebensstil günstig auf die Lebenserwartung auswirkt, ist naheliegend. Wie stark dieser Einfluss ist und welche Faktoren dazu gehören, zeigten Daten zweier großer Beobachtungsstudien. Daraus ließ sich ableiten, dass neben (möglichst lebenslangem) Nicht-Rauchen, einem normalen Körpergewicht, regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung ein maßvoller Weingenuss einen von fünf gesunden Lebensgewohnheiten darstellt. Bei einer Kombination aller fünf Lebensstilfaktoren ergaben sich für 50-jährige Frauen 14 zusätzliche und für 50-jährige Männer 12 weitere Lebensjahre.2

Darüber hinaus zeigte sich, dass ein gesunder Lebensstil, der den moderaten Konsum alkoholischer Getränke einschließt, nicht nur die Lebenserwartung erhöht, sondern auch zu zusätzlichen Lebensjahren ohne Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz- oder Gefäßerkrankungen führt. Die Frauen konnten sich über 10,7 zusätzliche gesunde Jahre erfreuen, die Männer über 7,6.

Für Verunsicherung hat allerdings eine aktuelle große Studie gesorgt, die weltweit über Fach- und Publikumsmedien mit Überschriften wie „Verkürzt schon ein Glas Wein das Leben?“ oder „Forderung nach niedrigeren Richtwerten für Alkohol“ kommuniziert wurde. Der wissenschaftliche Beirat der DWA kritisiert jedoch nach genauer Analyse der Studie in seiner Stellungnahme insbesondere die nicht plausible Wahl der Referenzgruppen für die verschiedenen Auswertungen. Zudem handele es sich um eine gepoolte Auswertung reiner Beobachtungsstudien (Kohortenstudien), die grundsätzlich keine Kausalität, sondern nur Assoziationen aufzeigen können, aus denen sich keine klar definierten Empfehlungen ableiten lassen. Auch bleibe die J-förmige Risikokurve bei kritischer und genauer Betrachtung der Originaldaten der Studie bestehen, womit die gesundheitlichen Benefits bei wenig bis moderatem Konsum bestätigt sind.

 

Risikofaktor Übergewicht

Übergewicht gilt als ein bedeutender gesundheitlicher Risikofaktor. Es geht mit einer erhöhten Rate für arteriosklerotische Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Gicht einher. Auch Gallenstein- und Venenleiden, Herzinsuffizienz, degenerative Gelenkerkrankungen und bestimmte Krebsformen wie Darm- und Brustkrebs werden mit Übergewicht in Verbindung gebracht. 

Als Ursache wird neben anderen Lebensstilfaktoren auch auf den „zu hohen Alkoholkonsum“ verwiesen. Da Alkohol mit 7 kcal/g eine höhere Energiedichte besitzt als Eiweiß und Kohlenhydrate mit jeweils 4 kcal/g, gilt der Genuss alkoholischer Getränke als ein Risikofaktor für Übergewicht.

Obwohl seit Jahren der Konsum alkoholischer Getränke in unseren Landen rückläufig ist, wird er immer wieder für die Zunahme von Übergewicht in unserer Gesellschaft mitverantwortlich gemacht. Umgekehrt wird zur Prävention und Therapie empfohlen, den Genuss solcher Getränke einzuschränken. Das steht jedoch konträr zu den Ergebnissen der epidemiologischen Forschung: Tatsächlich findet sich in den vorliegenden Studien mehrheitlich kein einheitlicher Zusammenhang zwischen der Höhe des Konsums alkoholischer Getränke und dem Ausmaß von Übergewicht. Das bestätigt eine aktuelle amerikanische Studie, bei der eine Untergruppe von knapp 15.000 Männern aus der großen Health Professionals Follow-up Studie (HPFS) untersucht wurde. Durch den Mehrkonsum eines Glases Wein in einem Zeitraum von vier Jahren kam es in keiner Gewichtsklasse und auch in keiner Altersgruppe zu einer signifikanten Gewichtszunahme.3

 

Risikofaktor Nierenerkrankungen

Nierenerkrankungen haben eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit koronaren Herzkrankheiten. Menschen, die moderate Mengen alkoholischer Getränke konsumieren, weisen seltener Herzerkrankungen auf als Abstinente und Vieltrinker. Ob ein moderater Genuss möglicherweise auch vor Nierenleiden schützt, überprüften amerikanische Forscher anhand von Daten aus der ARIC-Studie, einer großen Beobachtungsstudie mit über 12.000 Männern und Frauen. Es zeigte sich, dass die Konsumenten alkoholischer Getränke im Vergleich zu lebenslang Abstinenten ein um 12 bis 29% verringertes Risiko für chronische Nierenleiden aufwiesen. Am geringsten fiel das Risiko bei einem Konsum von 8 bis 14 Drinks pro Woche aus, was einem moderaten Konsum entspricht (als Standarddrink galt z. B. ein Glas Wein mit etwa 120 ml).   

Wurden die Teilnehmer mit dem geringsten Konsum (bis zu einem Drink pro Woche) als Vergleichsgruppe gewählt, schnitt wiederum die Gruppe mit einem durchschnittlichen Konsum von 8 bis 14 Drinks pro Woche am besten ab. Das Risiko unter Abstinenten und früheren Konsumenten war dagegen um rund 14% erhöht. Damit kann ein „Sick Quitter Effekt“ ausgeschlossen werden. Diesen führen Kritiker häufig an und behaupten, moderate Konsumenten schnitten nur deshalb gut ab, weil unter den Abstinenten viele seien, die aufgrund einer Krankheit keine alkoholischen Getränke mehr zu sich nehmen.

Die Berechnungen unter allen Konsumenten alkoholischer Getränke bestätigten zudem einmal mehr die aus anderen Zusammenhängen bekannte J-förmige Beziehung, die bei leichtem bis moderatem Genuss Vorteile findet, aber weder bei Abstinenz noch bei hohem Konsum.4

(1) Quellen: Wissenschaftliche Datenlage

Mukamal KJ et al.
Alcohol Clin Exp Res 2016

(2) Quellen: Sterblichkeitsrisiko

Schutte R et al.
Clin Nutr 2020

Li Y et al.
BMJ 2020

Keyes KM et al.
Alcohol Clin Exp Res 2019

Bonaccio M et al.
Br J Nutr 2018

Li Y et al.
Circulation 2018 

Colpani V et al. 
Eur J Epidemiol 2018

Bell S et al.
BMJ 2017

Boban M et al.
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Knott CS et al.
BMJ 2015

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Journal of Nutrition 2015

Behrens G et al. 
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J Epidemiol Community Health 2010

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Klatsky AL et al. 
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Di Castelnuovo A et al. 
Arch Intern Med. 2006

Mukamal KJ et al. 
Arch Intern Med 2006

(3) Quellen: Übergewicht

Downer MK et al.
Obesity 2017

Sayon-Orea C et al. 
Nutr Rev 2011

Wang L et al. 
Arch Intern Med 2010

Sieri S et al. 
Europ J Clin Nutr 2009

Beulens JWJ et al. 
Eur J Clin Nutr 2008

Tolstrup JS et al. 
Am J Clin Nutr 2008

Tolstrup JS et al. 
Int J Obes Relat Metab Disord 2005

Flechtner-Mors M et al. 
Int J Obes 2004

Wannamethee SG et al. 
 Obes Res 2004

Vadstrup ES et al. 
Int J Obes Relat Metab Disord 2003

Cordain L et al.
J Am Coll Nutr 1997

(4) Quellen: Nierenerkrankungen

Wang J et al.
Eur J Gastroenterol Hepatol 2017

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