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Video-Interview mit Prof. Kristian Rett

In diesem Jahr werden wir Ihnen nach und nach den Wissenschaftlichen Beirat der DWA vorstellen. Dazu haben wir kleine Interviews im Videoformat gedreht. Als Erstes stellt sich der Vorsitzende des Beirats - Prof. Dr. Kristian Rett - vor.

Jeder Krise ihre Chance
Nach noch nicht mal vier Wochen der deutschlandweiten Kontaktbeschränkungen wusste ein großes Nachrichten-Magazin, dass „Deutschland im Corona-Rausch“ war. Und auch der Bundestag hatte die Frage des bedenklich erhöhten Alkoholkonsums auf seiner Agenda. Was war der Grund? Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) berichtete ziemlich schnell von einem stark steigenden Absatz und auch die Online-Weinshops verzeichneten ab März einen wahren Wein-Boom. Horten die Verbraucher den Wein wie Klopapier? Oder stimmen die Befürchtungen, die Menschen würden ihre Ängste und den Verlust sozialer Kontakte im Alkohol ertränken?

Eine Polarisierung hat stattgefunden
Wir haben uns umgehört bei den Marktforschern aus Geisenheim: Wein ist ein "Gewinner" der Pandemie; es wird zweifellos mehr gekauft. Aber der Weinkonsum habe sich ins Haus verlagert, da es keine andere Möglichkeit gab, ihn im Restaurant oder an Veranstaltungen zu trinken. Der Hauskonsum von Wein habe vor Corona bei ca. 50% gelegen, die andere Hälfte ist außer Haus konsumiert worden. Theoretisch hätte man also in Deutschland während des Lockdowns zu Hause doppelt so viel Wein trinken müssen, um das durchschnittliche Konsumlevel der letzten Jahre zu erreichen. Allerdings fand eine Polarisierung statt. Umfragen in mehreren Ländern zeigen, dass diejenigen, die nur zu bestimmten Anlässen Wein trinken, im Lockdown weniger konsumiert haben. Gleichzeitig haben weinaffine Verbraucher ihre Trinkhäufigkeit gesteigert. Für diese Steigerung gab es mehrere Gründe. Zum einen hatten Weinfreunde plötzlich mehr Zeit, sich ihrem Hobby zu widmen, an den Onlineverkostungen vieler Winzer teilzunehmen, zu Hause zu kochen und zu essen und dazu öfter Wein zu genießen. Besorgniserregend? Eher nein. Neben diesem Ausleben des Weininteresses haben allerdings die Befragungen übereinstimmend im ersten Lockdown auch eine Steigerung des angstinduzierten Weinkonsums gemessen. Wein wurde demnach auch getrunken, um von Problemen abzulenken oder besser einzuschlafen – oder einfach nur aus Langeweile. Besorgniserregend? In der Tat. Doch Gott sei Dank war dies nur vorübergehend. Denn die neusten Umfragen zeigen wieder einen deutlichen Rückgang der sorgenvollen Konsummotive bei gleichzeitigem signifikanten Anstieg der hedonistisch geprägten Gründe, wie Wein „gemeinsam mit Freunden“ zu trinken, „Genuss und Geschmack“, „passt zum Essen“ und „zum Entspannen“. So soll es sein. Und ich bin zuversichtlich, dass dies auch nach einer Normalisierung der Lage im Jahr 2021 so bleibt.

Was sich aber dauerhaft ändern könnte, wäre die Präferenz deutscher Weine, was sicher auch mit dem angepassten Reiseverhalten zu tun hat. Wer hätte gedacht, dass man sich an der Nord- und Ostsee, im Alpenvorland, in den Weinanbaugebieten ebenso toll erholen kann wie auf Mallorca oder Ibiza? Der sonst in der Ferienzeit am Mittelmeer getrunkene Wein wurde dieses Jahr in Deutschland gekauft - sowohl im Urlaub an der Mosel als auch von Kellereien im LEH oder über Online-Weinproben von Weingütern. Zugegebenermaßen deckte man sich nicht nur mit heimischen Gewächsen ein, aber mehr als sonst. Wenn dies so bliebe, könnte sich die Exportschwäche der deutschen Weinproduzenten nicht nur in der Pandemie zu einer Stärke wandeln. Jede Krise birgt auch eine Chance.

 

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Aktivitäten Wissenschaftlicher Beirat

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