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Juli 2020

Neutrale Studien - Gibt es die? Ein Artikel über den Einfluss der Wirtschaft auf Studien.

Wissenschaftler haben es schwer. Das zeigen nicht nur die zunehmend skeptischen Ansichten gegenüber dem RKI, Prof. Drosten und Corona. Man muss einfach ein Basisverständnis für Wissenschaft haben, um die Evidenz zu erfassen.

Dies kommt mir in den Sinn, als es auf der wissenschaftlichen Expertensitzung der OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) um die Frage des richtigen Informationsmodus‘ zu gesundheitlicher Einschätzung von Wein geht.


OIV als zwischenstaatliche wissenschaftliche Einrichtung
Bei der OIV sind 47 einzelne Staaten Mitglied. Da die Historien und politischen Rahmenbedingungen - gerade zu Alkohol - in jedem Land anders sind, liegen die Differenzen auf der Hand. Die skandinavischen Konsumenten-Länder tun sich besonders schwer, Alkohol von Wein zu unterscheiden. Deren politische Marschrichtung ist klar: Alkohol ist Ethanol; Ethanol ist neurotoxisch und macht abhängig. Ergo: Jeder Tropfen schadet und somit ein klares Nein zu alkoholischen Getränken, auch zu Wein. Basta. Dass dies die südeuropäischen Erzeuger-Länder anders sehen, liegt auf der Hand. Es darf aber in dieser wissenschaftlichen OIV-Gruppe keine Rolle spielen, woher der Experte kommt.

Es geht hier nicht um Alkohol, es geht um (das alkoholische Getränk) Wein, wie schon der Name der Organisation zeigt. Dass Alkohol der limitierende Faktor bei Gesundheitsfragen ist, ist selbstverständlich. Jeder ernst zu nehmende Wissenschaftler weiß, dass ein Zuviel schadet – in jeglicher Hinsicht. Aber dass das Glas Wein zum Essen nicht nur nicht schadet, sondern in vielen Bereichen nützlich ist, muss man sich ebenso trauen zu sagen. Auch wenn es politisch unkorrekt sein mag, dies steht wissenschaftlich auf einer guten Basis.


Die Frage nach neutralen Studien
Dazu passt eine neue Studie, die sich mit dem Wirtschaftseeinfluss auf die Ergebnisse beschäftigt. 386 Beobachtungsstudien wurden darauf hin analysiert - und zwar neben dem Resultat -, ob sie von der Alkoholwirtschaft in irgendeiner Weise unterstützt wurden.

Sie hatten alle nach einem Zusammenhang zwischen einem moderaten Konsum alkoholischer Getränke und 14 gesundheitsrelevanten Parametern geforscht: von der Gesamtsterblichkeit über das Auftreten von Herz- und Gefäßerkrankungen, bis hin zum Risiko für Typ-2-Diabetes, Demenz und sechs verschiedenen Krebserkrankungen. Die überwiegende Mehrzahl der Studien zum moderaten Konsum alkoholischer Getränke fand klare Benefits; Ausnahmen: Darm- und Brustkrebs.

Von den 386 Studien wurden 21 (5,4 %) von der Alkoholindustrie finanziert. Bei 56 (14,5 %) Studien war das Sponsoring nicht nachvollziehbar. 309 Studien (80,1 %), also der weitaus überwiegende Teil, hatten keine finanzielle Unterstützung von Industriebereichen erhalten. Noch interessanter ist vermutlich das Ergebnis: Es ließ sich kein Einfluss der Wirtschaft auf die Studienergebnisse finden. Im Gegenteil: Im Trend erbrachten die nicht gesponserten Forschungen eindeutig positivere gesundheitliche Effekte bei moderatem Konsum als die von der Industrie unterstützen. Dazu kommt die äußerst ausführliche Publikation der Daten – zusammen mit dem Anhang umfasst die Studie über 100 Seiten. Sie zeigt eine offene Kommunikation und gibt anderen Forscherteams die Möglichkeit, sie leicht zu überprüfen und nachzuvollziehen. So funktioniert Wissenschaft.

Dass in diesem Punkt die OIV als zwischenstaatliche Organisation einen schweren Stand hat, ist kein Geheimnis. Und da alles nach dem Konsensusprinzip entschieden wird, ist klar, warum Resolutionen mit Gesundheitsbezug oft Jahre brauchen, bis sie verabschiedet werden. Aber wir werden die Hoffnung nicht aufgeben.

Ohne den Lockdown hätten wir so viele Coronatote wie Italien oder Spanien. Setzen wir auch hier - trotz Ignoranten - weiterhin auf die Wissenschaft!

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Allgemeine Gesundheitsaspekte

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