Weltkongress Rebe und Wein

OIV-Weltkongress – Die Weinwelt zu Gast in Mainz

v.l. José Ramon Fernandez, Dr. Rudolf Nickenig, Christoph Mack, George Sandeman, Dr. Claudia Stein-Hammer, Arnaud Terrisson, Prof. Dr. Klaus Grunert

Die OIV ist eine zwischenstaatliche Organisation aus mittlerweile 46 Mitgliedsstaaten mit anerkannter technischer und wissenschaftlicher Zuständigkeit in den Bereichen Rebe, Wein und anderen Reberzeugnissen. Neben Erarbeitung von Empfehlungen hinsichtlich Bedingungen weinbaulicher Erzeugung, önologischer Verfahren und Analysemethoden ist eine der Hauptaufgaben die Förderung von wissenschaftlicher und technischer aber auch ernährungs- und gesundheitsbezogener Forschung und deren Kommunikation. Die Erkenntnisse werden auf dem jährlichen Weltkongresses – ausgetragen in wechselnden Mitgliedsstaaten der OIV - vorgestellt und diskutiert.

OIV-Kongress I: Auftakt mit Wine in Moderation

Die Landeshauptstadt geriet Anfang Juli auch zur Hauptstadt der internationalen Weinwelt: Über 500 Teilnehmer aus 46 Ländern fanden vom 5. bis 10.7. 2015 den Weg nach Mainz zum 38. OIV-Weltkongress Rebe und Wein. Die Regierungsvertreter, Wissenschaftler und Weinfachleute aus aller Welt erwartete ein fachlich anspruchsvolles Programm rund um den Wein. Zudem widmete sich der Kongress erstmals einen ganzen Tag lang dem Thema verantwortungsvoller Weinkonsum und der europäischen Wine in Moderation (WiM) Initiative.

Parlamentarischer Staatssekretär Peter Bleser, MdB, eröffnete den Kongress auch mit der Bedeutung des Weines als Kulturgut. Gerade deshalb sei es wichtig, den moderaten und verantwortungsvollen Konsum zu propagieren und in die Welt zu tragen.

Als eine Erfolgsstory beschrieb  WiM-Präsident George Sandeman, eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeit, nicht nur in Portugal, wie aus der ursprünglich europäischen WiM-Initiative längst eine internationale Bewegung entstanden ist.

Das breite Spektrum der Aktivitäten von Bildungs- und Informationsveranstaltungen über Selbstbeschränkungsmaßnahmen bis hin zur angemessenen und verantwortungsvollen Kommunikation und Werbung bestimmte die Veranstaltung.

So stellte Arnaud Terrisson (Vin et Société) anschaulich die paradoxe Situation im Weinland Frankreich dar. Aufgrund der gesetzlichen werblichen Einschränkungen durch das Loi Evin können sogar Informationen über verantwortungsvollem Weinkonsum nur sehr restriktiv verbreitet werden.  

Die Situation der Alkohol/Weinwerbung erläutert die Juristin Julia Busse (Deutscher Werberat) anhand der europaweit unterschiedlichen gesetzlichen und selbstdisziplinären Regeln.

Welche Wirkung Aufklärungslogos auf Etiketten und Warnhinweise auf den Verbraucher haben, legte Prof. Klaus Grunert (Universität Aarhus, Dänemark) dar. Er resümierte, dass deren alleinige/direkte Wirkung auf das Verbraucherverhalten kaum zu erfassen ist und derartige Warnhinweise nur in Kombination mit anderen Kommunikationsmaßnahmen/-strategien effektiv sein können.

Dr. Claudia Stein-Hammer (DWA) beschrieb die nationale Umsetzung des internationalen WiM Programms, wobei der Fokus in Deutschland auf der Schulung der Weinbranche liegt. Die Evaluation der seit 2008 bestehenden WiM-Seminare zeigen einen eindeutigen Wissensanstieg und Festigung der Kenntnisse über die gesundheitlichen Aspekte und Risiken zum Konsum alkoholischer Getränke/Wein.

Aus der Unternehmerperspektive erörterte Christoph Mack sehr eindrucksvoll die Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und/oder Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Er betonte, dass nicht Verbote, sondern Bildung und Erziehung der Schlüssel zu selbstverantwortlichen Verbrauchern sind. Er erachtet WiM als eine großartige Initiative mit Vorbildfunktion, weshalb er mit seinem Unternehmen die Kampagne unterstützt.

Mit José Ramón Fernandez und Dr. Rudolf Nickenig moderierten zwei renommierte Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Weinwelt diesen außergewöhnlichen Kongressauftakt. Sie betonten den historischen und kulturellen Wert des Weins als wichtige Säule des WiM-Programms. Die WiM-Initiative schließe mehr ein als eine Trinkanleitung. Sie zielt auch auf Nähe zu dem Produkt, das Teil eines modernen Lebensstils sein kann und  gleichzeitig eine beeindruckende Geschichte und Tradition vorzuweisen hat. Den Kulturwert des Weins zu erhalten, der ihn über Jahrhunderte zu einem besonderen Produkt gemacht hat, ist eine der Aufgaben der WiM-Initiative. 

 

 

George Sandeman
Parlamentarischer Staatssekretär Peter Bleser

OIV-Kongress II: Wissenschaftlicher Kongressteil mit gesundheitlichen Themen

Die Präsentationen des OIV-Fachkongresses an den Folgetagen waren in vier Sektionen gegliedert: Weinbau, Oenologie, Wirtschaft und Recht sowie Sicherheit und Gesundheit. In der Sektion Wirtschaft und Recht konnte mit der Präsentation über das „VET – Art de vivre Partnership Programm“ ebenfalls für WiM geworben werden. Es ging hier unter anderem darum, die Bedürfnisse des europäischen Marktes und den Informationsbedarf der Weinbranche zu eruieren, um die Themen Wein, Gesundheit und soziale Aspekte innovativ und ansprechend in die Ausbildung der weinnahen Berufe integrieren zu können. 

Im Rahmen der Sektion Sicherheit und Gesundheit referierten drei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der DWA:

Die Oecotrophologin und Allergieexpertin Dr. Imke Reese aus München sprach über das allergene Potenzial von Wein. Viele Darlegungen über unerwünschte Reaktionen nach Weingenuss seien nicht reproduzierbar. Eine fundierte Diagnostik zur Identifizierung des zugrundeliegenden Pathomechanismus sowie eine Objektivierung der Symptome fehlen zumeist, so dass entsprechende Berichte oftmals nur die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen widerspiegeln. Als mögliche Auslöser werden vor allem Sulfit und biogene Amine diskutiert. Sulfit gilt als maßgeblicher Auslöser für respiratorische Reaktionen, biogene Amine können für Symptome an mehreren Organsystemen verantwortlich sein. Doch die wenigen vorliegenden Provokationsstudien konnten weder Sulfit noch biogene Amine als eindeutige Auslöser für Wein- bzw. alkoholabhängige Reaktionen identifizieren. 

Ein zweites Thema in dieser Sektion betraf die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD). Hier sensibilisierte Prof. Dr. Nicolai Worm, ebenfalls Ernährungswissenschaftler ausMünchen, vorab mit dem stetigen Anstieg dieser nicht zu unterschätzenden Erkrankung. Mittlerweile seien 30 bis 40 % der Erwachsenen von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen. Die verfettete Leber kann sich nicht nur entzünden, sie führt zudem auf direktem Weg zum Typ-2-Diabetes. Auch das Herzinfarkt- und Krebsrisiko steigt bei Patienten mit einer NAFLD. Während ein hoher Konsum alkoholischer Getränke die alkoholische Fettlebererkrankung fördert, mehren sich in jüngerer Zeit die wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass ein maßvoller Weingenuss vor diesem Krankheitsbild schützen kann. 

Das DWA Beiratsmitglied, Prof. Dr. Kristian Rett, Chefarzt des Fachbereichs Endokrinologie und Diabetologie am Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt, präsentierte einen sehr interessanten Forschungsansatz aus seinem Krankenhausalltag. Er betreut unter anderem Menschen, die sich zur Abhilfe von extremem Übergewicht einer entsprechenden Magenoperation unterziehen. Er stellte die Hypothese auf, dass moderater Weingenuss bei den Nebenwirkungen (der dunklen Seite) dieser sog.  Adipositas-Chirurgie, wie dem Ernährungsfehlverhalten und dem beschleunigten Anfluten von Glukose und Alkohol von Vorteil sein könnte. Dieses Thema wird sicher künftig von zunehmend medizinischem Interesse sein. 

Die hohe Besucherzahl des Kongresses und die lebhaften Diskussionen anlässlich der WiM- und Gesundheitsthemen zeigen, wie sehr sich der Weinsektor seiner Verantwortung stellt, ausschließlich den moderaten Konsum und genussvolle, gesundheitsförderliche Trinkmuster zu unterstützen und zu verbreiten.  

Fotos auch unter www.oiv.int

Wine in Moderation (WiM) beantragt Beobachter-Status bei der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV)

Angelehnt an den Kongress fand am 10. Juli zudem die 13. OIV-Generalversammlung statt. Zu diesem Anlass beantragte die Initiative Wine in Moderation offiziell einen Beobachterstatus innerhalb der OIV, was vom Generaldirektor Jean-Marie Aurand sehr begrüßt wurde, da das Konsumverhalten der Weingenießer und die Aufklärung über vernünftige Trinkmuster für den Weinsektor zunehmend an Bedeutung gewinnen würden.

Weitere Infos unter: www.wineinmoderation.eu/…38th-OIV-Congress.122/ und www.wineinformationcouncil.eu/…oiv-scientific-sessions-38th-oiv-conference-mainz-germany

Verwandte Themen

Allergene

Weiterlesen

Leber

Weiterlesen