Kongressbericht

Keine Irrfahrt: Wissenschaftliche Ernährungs-Odyssee zur Mittelmeerkost

Prof. Stefanos Kales

Vom 16. bis 20. Oktober 2017 trafen sich im griechischen Chalkidiki internationale Experten, um direkt vor Ort Neues über die gesundheitlichen Vorteile einer mediterranen Lebensweise zu erfahren. Der Harvard-Professor und Organisator der Konferenz, Stefanos Kales betonte eingangs die aktuellen Herausforderungen der Ernährungsmedizin, die sich durch die weltweit zunehmende „Diabesity“ ergeben. Mit diesem Kunstwort ist die besonders gesundheitsschädliche Kombination von Typ-2-Diabetes und Übergewicht (engl. Obesity) gemeint. Eine mediterrane Kost könne hier sowohl vorbeugend als auch therapeutisch eingesetzt werden, sie sei der „Rolls Royce“ unter den Diäten.  

Prof. Eric Rimm

Säulen der Mittelmeerkost: Oliven und Wein

Sein Harvard-Kollege Prof. Eric Rimm, erläuterte, welche Komponenten zur mediterranen Kost zählen: Neben viel frischem Gemüse und Obst, regelmäßig Fisch und Hülsenfrüchten gehören dazu auch Oliven, Olivenöl, Nüsse, in Griechenland auch fettreicher Joghurt aus Schaf- und Ziegenmilch, sowie der moderate Weingenuss im Rahmen der Mahlzeiten. Die pflanzlichen Lebensmittel tragen dazu bei, dass die Mittelmeerkost reich an Polyphenolen ist.

von li. nach re.: Prof. Rosa Maria Lamuela-Raventos, Ursula Fradera, Dr. Claudia Stein-Hammer

Wie Prof. Rosa Maria Lamuela-Raventos von der Universität Barcelona berichtete, sei der Wein nach Gemüse und Obst einer der besonderen Polyphenollieferanten. Deren günstige Effekte auf das Diabetes-, Herzgefäß- und Sterberisiko hätten inzwischen große Studien wie die spanische PREDIMED-Studie bestätigt.

PREDIMED plus: intensivierte Mittelmeerkost zur Prävention

Prof. Ramon Estruch, der diese Studie leitet, erläuterte in Chalkidiki, dass mit PREDIMED plus nun eine intensivierte Form der mediterranen Ernährung auf dem Weg sei. Sie soll zeigen, ob sich bei Übergewichtigen mit metabolischem Syndrom das erhöhte Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen mindern lässt. Dazu wurden 6.000 Männer und Frauen rekrutiert und in zwei Gruppen unterteilt: Eine mit üblicher mediterraner Ernährung und eine mit einer kalorienreduzierten Variante, ergänzt durch körperliche Aktivität. Pro Woche gehören auch bei der intensiven Variante bis zu vier 0,2-l-Gläser Wein für Frauen und bis zu sieben Gläser für Männer sowie 125 g Nüsse und 1  Olivenöl dazu. Die Studie soll sechs Jahre lang laufen. Erste Ergebnisse nach einem und zwei Jahren fanden in der Intensivgruppe bessere Blutdruck-, Cholesterin- und Blutfettwerte. Auch der Zuckerstoffwechsel und das metabolische Syndrom hatten sich gebessert.

Wissenschaft bestätigt Traditionen

Prof. Antonia Trichopoulou von der Universität Athen leitete die Abschluss-Diskussion am runden Tisch. Sie hob hervor, dass die gesundheitlichen Vorteile der mediterranen Ernährung entscheidend von ihren traditionellen Zutaten, Rezepten und Zubereitungsweisen abhingen, wie die Wissenschaft ein ums andere Mal bestätige. Einen Einblick in traditionelle Verfahren konnten sich die Odyssee-Teilnehmer im Rahmen von Exkursionen zu Wein- und Olivenbauern, einer Schafs- und Ziegenkäserei sowie einer Olivenölmühle verschaffen. 

Weitere Infos unter http://news.gtp.gr/2017/09/06/harvard-academics-mediterranean-diet-conference-halkidiki/ und http://mediterraneanhealth.org/