Internistenkongress

Großes Interesse an Wein und Diabetes

Über 100 interessierte Ärzte fanden am 1. Mai 2017 den Weg ins Mannheimer Congress Center Rosengarten, wo auf dem diesjährigen Internistenkongress das DWA-Symposium „Diabetes: Umgang mit dem Lebensstilfaktor Wein“ stattfand. In ihrer Begrüßung machte die Leiterin der DWA Dr. Claudia Stein-Hammer deutlich, dass die DWA aus gutem Grund das belegte Wissen über die Vor- und Nachteile des Weinkonsums primär in die Welt der Ärzte bringt. Denn die Mediziner sind wegen ihres fachlichen Hintergrundes in der Lage die Erkenntnisse aus der internationalen wissenschaftlichen Fachliteratur sachlich zu bewerten. 

Gesunder Lebensstil, keine Therapie

Schon der Titel der Veranstaltung wies darauf hin, dass es nicht um ein Medikament oder um eine Therapie geht, sondern um eine Facette der gesunden Lebensführung, die der Wein sein kann. Da auch die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus sehr stark vom Lebensstil beeinflusst wird und weil die Krankheit nicht nur zunimmt, sondern auch in immer früheren Lebensjahren auftritt, ergibt sich hier eine wichtige Schnittstelle. 

Unter dem Vorsitz von Prof. Nicolai Worm, Ernährungswissenschaftler und Publizist mit jahrelanger Erfahrung mit heiklen Themen der Ernährung, erinnert der Münchner Internist und Diabetesspezialist Prof. Kristian Rett, dass alkoholische Getränke in der Zeit, bevor es Insulin gab, sogar einen festen Platz in der Diabetesbehandlung hatten. Sie halfen, den Fettanteil in der damals extrem kohlenhydratarmen Kost der Patienten zu senken, und es war bereits bekannt, dass sie die Zuckerausscheidung über den Harn vermindern.

Prof. Dr. Kristian Rett

Geringe Mengen entlasten den Stoffwechsel

Heute, so Rett, kenne man die vielfältigen Wirkungen des Ethanols auf den Stoffwechsel zum Teil bis auf die molekulare Ebene. Er verändert nicht nur die Energiegewinnung in verschiedenen Organen und die Fettbildung in der Leber, sondern kann an der Muskulatur ähnlich wie Insulin wirken und so den Zuckerstoffwechsel entlasten, der bei Diabetikern gestört ist. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollten Diabetiker alkoholische Getränke jedoch ausschließlich zu einer Mahlzeit konsumieren. 

Zudem sei mittlerweile in vielen ausführlichen Analysen gezeigt worden, dass maßvolle Mengen alkoholischer Getränke mit dem geringsten Diabetesrisiko einhergehen. Daher sei auch den Beobachtungen des berühmten Frankfurter Diabetologen Carl von Noorden von vor über 100 Jahren nichts hinzuzufügen: „Der Alkohol kann dem Diabetiker in mehrfacher Beziehung nützlich, unter gewissen Umständen freilich schädlich sein.“

Prof. Dr. Iris Shai

Wein als Teil einer gesunden Diabetikerkost

Einen mutigen Schritt ging die Ernährungs- und Epidemiologie-Professorin Dr. Iris Shai von der Ben-Gurion Universität des Negev in Israel vor einigen Jahren, als sie eine Studie auf den Weg brachte, bei der gut eingestellte Diabetiker sich mediterran ernähren und täglich 150 ml Wein oder Wasser zum Abendessen trinken sollten. Mutig deswegen, weil die Patienten ihrer CASCADE-Studie (CArdiovaSCulAr Diabetes & Ethanol Trial) über die sie auf dem DWA-Symposium berichtete, zuvor abstinent gelebt hatten. 

Die Auswertung der Patientendaten nach zwei Jahren brachte die wichtige Erkenntnis, dass moderater Weingenuss im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung die Risikofaktoren für Folgekrankheiten von Diabetikern leicht reduziert. Patienten, die genetisch bedingt zu den langsamen Alkoholverwertern gehörten, profitierten besonders vom maßvollen Weingenuss, denn bei ihnen besserten sich gleich mehrere Aspekte des Zuckerstoffwechsels. 

Konstruktive Diskussion

Anhand der konstruktiven Fragen wurde das große Interesse der ärztlichen Zuhörerschaft deutlich – und die Wertschätzung einer sachlichen fundierten Information zu diesem ambivalenten Thema. Der bewusste Lebensstil spielt in der ärztlichen Praxis zunehmend eine Rolle. Gesunde Ernährung, Bewegung und – wem es schmeckt – das Glas Wein zur Mahlzeit gehören für viele Mediziner mittlerweile dazu. 

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