Wein und Krebsrisiko als Thema bei medizinischem Fachpublikum

DWA-Symposium auf dem Internistenkongress

links: Prof. Dr. Nicolai Worm, rechts: Prof. Dr. Ramon Estruch

Die Deutsche Weinakademie (DWA) informierte mit deutsch-spanischem Referenten-Duo mehr als 120 Internisten über das heikle Thema "Alkoholische Getränke und Krebsrisiko" beim 124. Internistenkongress in Mannheim. 

Der Ernährungswissenschaftler Prof. Nicolai Worm gab einen umfassenden Überblick über die internationalen Forschungsergebnisse zur Thematik. Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass das Krebsrisiko neben der lebenslang konsumierten Menge abhängig ist von von mehreren Lebensstilfaktoren. Pauschal jegliche Menge an alkoholischen Getränken als Risikofaktor bei der Krebsentstehung zu betrachten, ist zu einfach betrachtet. Prof. Worm betonte, dass sich die günstigsten Effekte dann beobachten ließen, wenn die alkoholischen Getränke nach mediterranem Trinkmuster konsumiert werden. Dieses zeichne sich durch einen regelmäßigen moderaten Konsum von Wein zum Essen aus, Alkoholexzesse gehören definitiv nicht zu diesem Trinkmuster. Und eben dieses Ess- und Trinkmuster geht mit einem verminderten Risiko für kardiovaskuläre und Krebserkrankungen sowie mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit einher. Beispielhaft stellte er eine Meta-Analyse mit 2,1 Mio. Teilnehmern vor; hier wurde bei vorwiegend mediterranem Trinkmuster ein um 11 % verringertes Krebsrisiko beobachtet.   

Prof. Ramon Estruch (Universitätsklinik Barcelona) präsentierte eigene Daten zum Thema mediterrane Ess- und Trinkkultur und Krebsrisiko. Auch er betonte die Gefährlichkeit des exzessiven Alkoholkonsums. So steigere ein hoher Konsum aller alkoholischer Getränke die Risiken für Krebserkrankungen des oberen Verdauungstaktes sowie von Lunge, Brust, Leber und Darm.

Er zeigte auf, dass es einen großen Unterschied hinsichtlich des Gesundheitsrisikos macht, ob ein alkoholisches Getränk mit oder ohne Mahlzeit konsumiert werde. Dies sei neben der Vermeidung von Binge drinking (Exzesse, Sturztrinken) der wichtigste Einfluss auf ein alkoholassoziiertes Krebsrisiko. Interessiert verfolgten die Internisten seine Ausführungen auch darüber, warum die Durchführung derartiger Untersuchungen so schwer sind. So berücksichtige er bei seinen Studien vorab immer verzerrende Einflussfaktoren, die Ergebnisse verfälschen könnten. Dazu gehörten neben den Trink-, Essens- und Rauchgewohnheiten und körperlicher Bewegung auch das sogenannte Underreporting (der eigene Alkoholkonsum wird bei der Befragung nach unten korrigiert). Möglicherweise liege hier die Erklärung für erhöhte Krebsrisiken, die gelegentlich bei leichtem Konsum gefunden werden. 

Intensive Diskussionen im Anschluss an das Symposium. Hier: Prof. Dr. Peter Stehle (Uni Bonn)

Neben den Trinkmustern spielten hier insbesondere aber auch die Ernährungsgewohnheiten eine große Rolle. Die von Prof. Estruch geleitete PREDIMED-Interventionsstudie (7.447 Teilnehmer mit erhöhten kardiovaskulären Risiken) habe möglichst viele dieser Einflüsse berücksichtigt. Nach einer Laufzeit von 5 Jahren zeigte sich hinsichtlich des Krebsrisikos ein um 62 % signifikant verringertes Risiko bei Teilnehmern, die eine traditionelle mediterrane Kost, inklusive moderatem Weingenuss, einhielten.  

Die lebhafte und konstruktive Diskussion am Ende des Symposiums zeigte, dass die Ärzteschaft die differenzierte und offene Darlegung der wissenschaftlichen Datenlage des deutsch-spanischen Referententeams schätzte.

von li. nach re.: Prof. N. Worm, Prof. R. Ramuela-Laventos, Prof. R. Estruch, Dr. C. Stein-Hammer, U. Fradera, Prof. K. Rett

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