Kongressbericht

DWA auf dem Weltkongress "WineHealth 2017"

Am 16. und 17. Februar 2017 kamen im spanischen Logroño Wissenschaftler aus aller Welt zusammen, um sich über den aktuellen Stand der Forschung zum Zusammenhang zwischen Wein und Gesundheit zu informieren. Neben vielen anderen renommierten Wissenschaftlern referierten auf diesem internationalen Kongress auch der Wissenschaftliche Beirat der DWA, Prof. Kristian Rett vom Endokrinologikum in München und die DWA-Mitarbeiterin Ursula Fradera.  

„Die J-Kurve lebt und es geht ihr auch 2017 gut“

So lautete das Fazit des Vortrags von Prof. Curtis Ellison, der neben vielen anderen Forschungstätigkeiten sich auch mit Prof. Serge Renaud aus Lyon mit dem Thema das Französische Paradoxon wissenschaftlich auseinandergesetzt hat. Er war es auch, der 1991 die amerikanische Öffentlichkeit erstmals über die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Weingenusses informierte. In seinem Update zur J-förmigen Beziehung zwischen Weinkonsum und Gesundheit hob Ellison hervor, dass diese auch von neueren, qualitativ hochwertigen Studien bestätigt wird: geringere Risiken bei leichtem bis moderatem Konsum, leicht gesteigerte Risiken bei Abstinenz, deutlich gesteigerte Risiken bei hohem Konsum.  

Allerdings werden, so Ellison, die Trinkmuster noch immer zu wenig berücksichtigt. Den aktuellen Kenntnisstand fasste er so zusammen: Täglicher moderater Konsum ist besser als nur gelegentlich (und dann oft zu viel) alkoholische Getränke zu konsumieren, am besten ist es, sie zu einer Mahlzeit zu genießen und als gesundheitlich besonders vorteilhaft hat sich der regelmäßige moderate Weingenuss erwiesen.  

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Wein in den Medien: Postfaktische Zeiten?

Ganz anders als die wissenschaftlichen Erkenntnisse stellen die Schlagzeilen in der Presse den moderaten Weingenuss oft in einem falschen, negativen Licht dar. Am Beispiel der CASCADE-Studie (CArdiovaSCUlAr Diabetes & Ethanol Trial) zeigte Prof. Kristian Rett eindrücklich, wie undifferenziert, oberflächlich und teilweise auch verzerrt über die Ergebnisse selbst sehr sorgfältig durchgeführter Studien heutzutage oft berichtet wird. Obwohl ein Teil der in dieser Studie untersuchten Diabetiker deutlich von einem täglichen moderaten (150 ml täglich) Weinkonsum profitierte, wurde dies in der medialen Berichterstattung kaum erwähnt. Stattdessen hob man jene Messungen hervor, bei denen sich kein Effekt gezeigt hatte.  

Eine Schlagzeile lautete etwa „Wie unsinnig das tägliche Glas Wein ist“ – was die tatsächlichen Studienergebnisse in keinster Weise widerspiegelt. Offenbar, so Rett, leben wir auch beim Thema Wein und Gesundheit in postfaktischen Zeiten, wo nicht mehr Fakten im Mittelpunkt der Meinungsbildung stehen, sondern emotionale Befindlichkeiten.  

Wine in Moderation-Botschaften auch für Weinprofis

Ursula Fradera beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Herausforderung, komplexe Forschungsergebnisse leicht verständlich und verantwortungsvoll an die  Akteure in der Weinbranche zu kommunizieren. Das internationale Programm Wine in Moderation–Art de Vivre (WiM) stellt sich dieser Aufgabe. Dazu werden alle zugänglichen wissenschaftlichen Studien dokumentiert und mithilfe eines wissenschaftlichen Beratergremiums, dem Wine Information Council (WIC), in ihrer Aussagekraft und Wertigkeit beurteilt.  

Doch wie gut sind die Akteure der europäischen Weinbranche tatsächlich informiert? Mithilfe des von der EU geförderten Leonardo da Vinci-Programms zum lebenslangen Lernen entstand hierzu eine Kooperation mit Vertretern aus sieben Ländern, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein strukturiertes, evidenz-basiertes Programm mit möglichst einfachen aber validen Botschaften in die Aus- und Weiterbildung aller Weinberufe zu integrieren. Wie die praktische Umsetzung gelingen kann, zeigte Fradera anhand der Aktivitäten der DWA in Berufsschulen, weinnahen Studiengängen und Sommelierschulen. Mittlerweile wurden mehr als 220 (mehrstündige) Seminare mit über 10.000 potenziellen Multiplikatoren durchgeführt. Es bestehe jedoch weiterhin ein großer Bedarf an Schulungen, bis die gesamte Branche mit den Wine in Moderation–Botschaften vertraut ist.

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