v.l.n.r. Dr. Johannes Nießen, Dr. Gerhard Kreuter, Prof. Dr. Siegfried Weyerer, Dr. Bernd Flath, Dr. Claudia Stein-Hammer
Dr. Bernd Flath

Auf Einladung des Landesverbandes der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitswesen (ÖGD) und in Kooperation mit der DWA  informierten sich am 23. September über 50 Ärzte aus dem öffentlichen Gesundheitsbereich im Struensee-Haus in Hamburg-Altona über „heikle Fragen“ aus der ärztlichen Praxis. Im Rahmen dieser zertifizierten Fortbildung wurde informiert und diskutiert, ob und wie Wein und Krebs, Diabetes und Demenz zusammenpassen. 

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Landesverbandes der ÖGD Hamburg, Dr. Johannes Nießen und einer Einführung in das Thema durch die wissenschaftliche Leiterin der DWA, Dr. Claudia Stein-Hammer, widmete sich der im Struensee-Haus praktizierende Onkologe Dr. Bernd Flath zunächst dem Thema „Wein und Krebs?“ Indem er aufzeigte, wie der Alkohol zu den eigentlich krebserregenden Substanzen wie Acetaldehyd und freien Radikalen abgebaut wird, machte Flath deutlich, dass auch die genetischen Varianten der alkoholabbauenden Enzyme die Krebsentstehung beeinflussen. So unterscheidet sich das Brustkrebsrisiko bei Frauen, je nachdem, welche genetische Enzymausstattung sie aufweisen. Zudem erhöht Ethanol den Östrogenspiegel und könnte über diesen Mechanismus das Brustkrebsrisiko auch bei moderatem Konsum steigern, wobei der Anstieg des Risikos jedoch sehr klein ist (< 3 %). Und wie sieht es bei bereits erkrankten Frauen aus? Hier zeigte sich Flath kulant: Da sich in den bislang vorliegenden Studien keine Hinweise darauf finden, dass ein moderater Weingenuss den Verlauf einer Krebserkrankung negativ beeinflusst, gestattet er seinen Brustkrebspatientinnen gelegentlich auch ein Glas Wein. 

Dr. Gerhard Kreuter

Als zweiter Referent beleuchtete der Internist und Diabetologe Dr. Gerhard Kreuter aus Bad-Neuenahr-Ahrweiler das Thema „Wein und Diabetes?“. Anhand etlicher Studien konnte Kreuter darlegen, dass moderater Weingenuss bei Zuckerkrankheit keineswegs schadet, sondern in der Lage ist, die dem Typ-2-Diabetes zugrunde liegende Insulinresistenz zu mildern. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass das Diabetesrisiko bei moderaten Weingenießern niedriger ausfalle: Etwa ein viertel Liter Wein täglich ging in einer großen Meta-Analyse bei Frauen mit einer Senkung des Diabetes Risikos um 40 %, bei Männern um 13 % einher. Auch das Risiko für Spätfolgen der Zuckerkrankheit sinkt, wie die große ADVANCE-Studie im letzten Jahr zeigte: Insbesondere die Weintrinker unter den Diabetikern erlitten seltener Herz- und Hirninfarkte, und sogar die Gesamtsterblichkeit war gegenüber Abstinenzlern um 23 % vermindert. Es gebe folglich, so Kreuter, keinen Grund dafür, bei Diabetes vom Wein abzuraten.

Prof. Dr. Siegfried Weyerer
Auditorium

Den dritten Part, „Wein und Demenzerkrankungen?“ übernahm Prof. Siegfried Weyerer aus Mannheim, der die größte deutsche Studie zu diesem Thema initiiert und betreut hat. Anhand dieser Daten, gewonnen an 3.200 über 75-Jährigen aus 138 deutschen Hausarztpraxen, konnte Weyerer zeigen, dass etwa die Hälfte der befragten Senioren ausschließlich Wein trank, rund 30 % waren Biertrinker, der Rest konsumierte verschiedene alkoholische Getränke allesamt überwiegend in moderater Menge (< 20 bei Frauen bzw. 30 g täglich bei Männern). Bei dieser Konsummenge ging das Risiko, an einer Demenz  zu erkranken, signifikant um 60 % zurück, für die Alzheimer-Demenz sogar um rund 80 %. Somit konnte erstmals gezeigt werden, dass auch alte Menschen von einem moderaten Konsum alkoholischer Getränke profitieren können. 

Die abschließende Diskussion verlief den Themen entsprechend lebhaft und kritisch aber auch konstruktiv. Dass es dazu auch einen mediterranen Imbiss nebst korrespondierenden Weinen zu kosten gab, rundete den Abend stilvoll ab.  

Mögliche Erklärungen für die Schutzwirkung des Weines vor Demenz
(nach Kreuter, 2012)