Wissenschaftlicher Überblick

Phenolische Substanzen

Phenolische Substanzen sind der Überbegriff für eine große Gruppe an chemischen Stoffen, die vorwiegend in der Schale von Früchten vorkommen. Sie dienen der Pflanze z. B. als Farbstoff oder Schutz. In alkoholischen Getränken sind sie vor allem in Wein vorzufinden. Während in Rotwein mehr Polyphenole (Verbindungen mehrerer Phenole) wie Resveratrol anzutreffen sind, ist Weißwein reich an weniger komplexen Phenolen wie Kaffeesäure, Tyrosol und Hydroxytyrosol. Viele von ihnen haben antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften.

Den Menschen erfreuen sie als Geschmacksstoff oder aufgrund ihrer gesundheitlichen Wirkungen. Im Reagenzglas haben Phenole bereits eine Vielzahl positiver Effekte gezeigt. Aber auch Studien am Menschen belegen, dass sie sich günstig auf die Gesundheit auswirken können. Beim (moderaten) Genuss alkoholischer, phenolreicher Getränke addieren sich diese positiven Wirkungen mit denen des Alkohols. Bekannt ist z. B. dass Alkohol das „gute“ HDL-Cholesterin ansteigen lässt, während Weinphenole sich durch ihre antioxidativen Eigenschaften günstig auf eine Anzahl von Erkrankungen auswirken.

Folgende Wirkungen der Weinphenole gelten als belegt:

- Sie wirken antioxidativ, neuroprotektiv und entzündungshemmend,

- normalisieren den Blutzucker,

- verbessern die Gefäßendothelfunktion und

- hemmen die Blutplättchenaggregation.

Resveratrol

Resveratrol ist einer der am besten untersuchten Weininhaltsstoffe. Gemeinsam mit anderen Polyphenolen und deren Stoffwechselprodukten kommt ihm bei vielen der herz- und gefäßschützenden Effekte des moderaten Weinkonsums eine besondere Bedeutung zu. Es wird allerdings nur in geringem Umfang ins Blut aufgenommen. Seine gefäßschützende Wirkung erfolgt auch direkt über die Beeinflussung der Darmflora.

Günstiger Einfluss auf die Darmflora

Eine chinesische Studie an Mäusen bestätigt, dass sich durch die Gabe von Resveratrol die bakterielle Zusammensetzung im Darm ändert. Es siedelten vermehrt günstige Milchsäure- und Bifidobakterien. Parallel dazu wuchsen weniger Mikroorganismen, die gefäßschädigende Substanzen bilden. Durch die derart veränderte Darmflora ließ sich bei den Mäusen das Ausmaß einer Arteriosklerose verringern. 

Spanische Wissenschaftler fanden mithilfe von Genanalysen heraus, dass Probanden nach dem täglichen Genuss von 250 ml Rotwein nach vier Wochen eine vielfältigere Darmflora aufwiesen als diejenigen, die in diesem Zeitraum keinen Wein tranken. Es vermehrten sich vor allem solche Mikroben, die Polyphenole verstoffwechseln können und sie so dem menschlichen Organismus besser zugänglich machen. Der regelmäßige Genuss von Wein scheint zu einer Anpassung der Darmflora an die Verarbeitung von Weininhaltsstoffen zu führen. Zudem konnten Unterschiede zwischen verschiedenen Mikrobiota, die vor Versuchsbeginn bei den Probanden beobachtet wurden, durch den moderaten Weingenuss ausgeglichen werden. In welchem Ausmaß dies dem menschlichen Stoffwechsel langfristig zugutekommen kann, müssen nun größere Studien zeigen.

Hydroxytyrosol

Gut untersucht ist auch das in Wein und nativem Olivenöl enthaltene Phenol Hydroxytyrosol. Es verhindert die Oxidation des LDL-Cholesterins und trägt so zur Gefäßgesundheit bei. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie an knapp 2.000 Teilnehmern der PREDIMED-Studie konnte nun erstmals gezeigt werden, dass sich nicht nur Risikofaktoren wie das Cholesterin verbessern, wenn mehr Hydroxytyrosol den Körper durchlaufen hat. Eine höhere Ausscheidung des Phenols, insbesondere seines Abbauproduktes Homovanillyl-Alkohol (HVAL), ging auch mit geringeren Krankheitsraten und Sterbefällen aufgrund von Herz- und Gefäßleiden einher. Darüber hinaus fand sich ein Trend zur verminderten Gesamtsterblichkeit.

Das bedeutet nicht, nun möglichst viel Wein zu trinken. Denn die Verzehrmengen, die in der PREDIMED-Studie mit positiven Effekten einhergingen, bewegten sich überwiegend im moderaten Bereich. Wieviel HVAL aus den Wein- und Olivenphenolen im Körper entsteht, hängt zudem mit der Aktivität des Enzyms COMT (Catechol-O-Methyltransferase) zusammen, das genetisch vorbestimmt ist.

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