Neues aus der Wissenschaft

Moderater Konsum und Gesundheit auf fünf Kontinenten

Welchen Einfluss der Konsum alkoholischer Getränke auf die Gesundheit eines Menschen ausübt, hängt von vielen Faktoren ab: von der Menge, der Art des Getränkes, dem Anlass und der Häufigkeit bis hin zu individuellen Stoffwechselbesonderheiten. Hinzu kommt, dass die meisten Studien zu diesem Thema in westlichen Ländern mit hohem Einkommen und Bildungsstand durchgeführt wurden. Doch sind diese Ergebnisse allgemeingültig? Wie sieht es in ärmeren Ländern aus? Wird dort anders getrunken und bestehen andere gesundheitliche Vor- und Nachteile? Genau diesen Fragen ging man im Rahmen der PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiological Study) nun erstmals nach. 

Knapp 115.000 Erwachsene wurden dazu in zwölf Ländern auf fünf Kontinenten zu ihrem Konsum alkoholischer Getränke (und weiteren Lebensstilfaktoren, Gewicht, Alter etc.) befragt. Dazu gehörten als reiche Länder Schweden und Kanada, als Länder mit mittlerem bis hohem Einkommen Argentinien, Brasilien, Chile, Polen, Südafrika und die Türkei, als Länder mit geringem bis mittlerem Einkommen China und Kolumbien sowie als Länder mit geringem Einkommen Indien und Zimbabwe. Zu Studienbeginn erfragte man neben der Menge auch die Häufigkeit des Konsums und die Art der Getränke. Nach drei Jahren wurde noch einmal gefragt, ob sich am allgemeinen Trinkverhalten etwas geändert hat. Die Teilnehmer wurden zunächst über knapp viereinhalb Jahre beobachtet. 

Über alle Teilnehmer gemittelt bezeichneten sich 65 % als Abstinenzler, 31 % als aktuelle und 4 % als ehemalige Konsumenten. Erster erkennbarer Unterschied: Jene, die alkoholische Getränke konsumierten, waren im Durchschnitt jünger und gebildeter als die Nichttrinker. Von den aktuellen Konsumenten tranken 72 % geringe Mengen (bis zu 7 Drinks / Woche), 17 % moderate Mengen (bis zu 14 Drinks wöchentlich für Frauen und 21 für Männer) und 8 % tranken viel (mehr als 14 bzw. 21 Drinks pro Woche). 13 % der aktuellen Konsumenten gaben an, gelegentlich sehr viel zu trinken (mehr als 5 Drinks zu einer Gelegenheit). 

Ein niedriger und moderater Konsum ging mit einem signifikant verminderten relativen Herzinfarktrisiko (-23 %  bzw. -35 %) einher. Die Gesamtsterblichkeit und das Risiko für Herz-Gefäßerkrankungen und Schlaganfälle waren durch den Konsum alkoholischer Getränke nicht erhöht, während Verletzungen und alkoholbedingte Krebserkrankungen signifikant zunahmen.  

Jene Teilnehmer, die bevorzugt Wein tranken, konnten sich gesundheitlicher Vorteile erfreuen: Bei der Gesamtsterblichkeit schnitten sie im Trend besser ab als Abstinenzler und Schnapstrinker, bei Herz-Gefäßerkrankungen und alkoholbedingten Krankenhauseinweisungen am besten von allen. Am deutlichsten profitierten die Weintrinker in Sachen Herzinfarkt: Ihr diesbezügliches Risiko sank signifikant um 45 % und damit stärker als in allen anderen Gruppen. Die Autoren weisen darauf hin, dass dies auch darauf zurückzuführen sein dürfte, dass Weintrinker insgesamt gesünder leben und vernünftiger essen und trinken. 

In der Tat zeigten sich beim Aufschluss der Daten nach geografischer Region und Einkommenssituation große Unterschiede, sowohl in den Trinkmustern als auch in den Auswirkungen auf die Gesundheit: Beispielsweise konsumierten in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen Frauen und Männer gleichermaßen alkoholische Getränke, in armen Ländern betrug der Anteil der Männer jedoch 96 % der aktuellen Konsumenten. Dort sind die Konsumenten zudem jünger, ungebildeter, es wird häufiger geraucht und episodisch viel Schnaps, aber kaum Wein getrunken (nur von 3 % der Befragten). In diesen Ländern zeigte sich kein gesundheitlicher Vorteil durch den Konsum alkoholischer Getränke, auch nicht bei niedrigem und moderatem Konsum. 

Ganz anders in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen, wo der Anteil der Wein präferierenden Studienteilnehmer bei 61 % lag: Sie schnitten bei geringem bis moderatem Konsum alkoholischer Getränke gesundheitlich signifikant besser ab, insbesondere beim Herzinfarkt, aber auch bei den Krankenhauseinweisungen. 

Verwandte Themen

Der betrunkene Affe. Warum wir Alkohol trinken und missbrauchen

Weiterlesen

Frauen trinken weniger alkoholische Getränke als Männer - und das ist auch gut so!

Weiterlesen