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Demenz: Welche Rolle spielt der Konsum alkoholischer Getränke?

Unter Demenz versteht man ein krankhaftes Syndrom, das durch eine fortschreitende Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten und den zunehmenden Verlust eines selbst bestimmten, eigenständigen Lebens gekennzeichnet ist. Betroffen sind insbesondere das Gedächtnis und das Denkvermögen, später auch das Verhalten sowie alltägliche Handlungsfähigkeiten. Mit dem Älterwerden der Bevölkerung steigen die Fallzahlen, gleichzeitig fehlt es jedoch an vielversprechenden medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Daher gewinnt die Vorbeugung demenzieller Erkrankungen an Bedeutung und damit auch Faktoren des Lebensstils, wozu neben ausreichend Bewegung und der Schlafhygiene auch Essen und Trinken gehören, und hier insbesondere der Konsum alkoholischer Getränke. Ein kanadisch-deutsch-französisches Forscherteam trug dazu die in jüngerer Zeit publizierten Erkenntnisse zusammen. 

Was besagen neuere Arbeiten?

Bekannt ist, dass ein hoher Konsum alkoholischer Getränke sowie Alkoholmissbrauch das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenzen erhöht. Andererseits zeigten die meisten Beobachtungsstudien, dass ein leichter bis moderater Genuss von Wein und anderen alkoholischen Getränken im Vergleich zu Abstinenz mit einem verminderten Demenzrisiko einhergeht. Auch das bei moderatem Konsum verringerte Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen dürfte sich hier bemerkbar machen, denn wenn die Gefäße gesund und elastisch sind, profitiert davon auch die Hirngesundheit. 

Um einen Überblick über die derzeitige Datenlage zu erhalten, ermittelten die Wissenschaftler anhand einer Datenbankrecherche und bestimmten Ein- und Ausschlusskriterien insgesamt 28 systematische Übersichtsarbeiten, deren Ergebnisse sie in ihrer Arbeit zusammenfassend beschrieben. Sie beschränkten sich dazu auf Studien, die zwischen 2000 und Oktober 2017 erschienen waren, um nur Arbeiten mit neueren methodischen Ansätzen einzubeziehen. 

Trinkmenge und Trinkmuster beeinflussen das Risiko

Die Analyse bestätigt, dass ein chronisch hoher und ein unregelmäßiger hoher Konsum (sog. binge drinking) mit einem erhöhten Risiko für demenzielle Erkrankungen sowie für Störungen der Hirnfunktionen und -struktur einhergeht. Daher plädieren die Autoren dafür, insbesondere dem hohen Konsum entgegenzuwirken, um Demenzen zu verhüten. Als Grenze wählten sie die von der WHO ausgesprochenen Werte von mehr als 60 g Alkohol täglich für Männer und von mehr als 40 g täglich für Frauen. 

Die gute Nachricht lautet, dass ein leichter bis moderater Konsum mit verminderten Risiken einhergeht: In 18 Studien war das Risiko für eine demenzielle Erkrankung und das Sterberisiko aufgrund einer Demenz signifikant erniedrigt; zwei Studien hatten inkonsistente Daten erbracht. Auch das Nachlassen kognitiver Fähigkeiten war bei leichtem bis moderatem Konsum weniger ausgeprägt. Welche schützenden Mechanismen hier wirken, müssen künftige Studien näher beleuchten. Die aktuelle Analyse spricht jedoch dafür, dass der moderate Konsum von Wein und anderen alkoholischen Getränken in der Demenzforschung mehr Berücksichtigung finden sollte. 

Anmerkung: In dieser Übersicht wurde nicht zwischen den alkoholischen Getränken differenziert, in anderen Studien zeigte moderater Weingenuss einen schützenden Einfluss auf dementielle Veränderungen.

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