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Alkoholexzesse: zu häufig zu viel schadet auch dem Herzen

Dass Alkoholexzesse vermehrt zu Unfällen und Verletzungen führen, ist unbestritten. Doch wie sieht es mit der Herz- und Gefäßgesundheit aus? Ein maßvoller Konsum, vor allem an Wein, wirkt sich hier positiv aus, das haben viele Studien aus aller Herren Länder gezeigt. Sie sind die Basis der berühmten J-Kurve. Diese zeigt das geringste Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten bei Mengen, die 2 bis 3 Gläsern Wein entsprechen.  

Riskant: Große Mengen pro Trinkanlass

Eine aktuelle amerikanische Übersichtsarbeit ging der Frage nach, wie sich das sogenannte „binge drinking“, das Trinken größerer Mengen zu einem Anlass, auf die Herz- und Gefäßgesundheit auswirkt. Dazu wurden amerikanische und europäische Beobachtungsstudien sowie experimentelle Untersuchungen am Menschen ausgewertet, um den Einfluss dieses riskanten Trinkmusters auf den Blutdruck, auf Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfälle zu untersuchen. Hintergrund ist, dass in den USA im letzten Jahrzehnt nicht nur die insgesamt konsumierte Menge alkoholischer Getränke gestiegen ist, sondern auch die Zahl der konsumierten Getränke pro Trinkanlass. So lag die höchste Zahl bei den 18- bis 24-Jährigen bei knapp 9 Drinks pro Anlass (entsprechend 90 Gramm Alkohol), bei den 45- bis 65-Jährigen immerhin noch bei 6,6 Drinks. 

Zum Vergleich: Die Initiative Wine in Moderation (WiM), der sich auch die DWA verpflichtet hat, empfiehlt, bei einem Trinkanlass nicht mehr als vier Drinks, entsprechend 40 g Alkohol, zu konsumieren. Als moderat gelten täglich bis ca. 200 ml Wein für Frauen (entsprechend 20 g Alkohol) und bis ca. 300 ml Wein für Männer (entsprechend 30 g Alkohol). Bei diesen Mengen überwiegen die gesundheitlichen Vorteile des Weingenusses, sie gelten als risikoarm.

Trinkmuster gehören zur Aufklärungsarbeit

Die ausgewerteten Studien definierten einen „binge“ nicht einheitlich. Die Mengen lagen jedoch immer deutlich über dem, was von WiM empfohlen wird. Es zeigte sich, dass exzessives Trinken das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle im mittleren und höheren Lebensalter signifikant erhöht. Auch die Herzinfarktsterblichkeit war erhöht, insbesondere bei den über 65-Jährigen. Bei jüngeren Menschen zwischen 18 und 30 Jahren fanden sich ebenfalls Hinweise auf gesundheitliche Schäden am Herzen und am Gefäßsystem, wenn auch nicht so eindeutig wie bei den Älteren. Als Mechanismen diskutieren die Studienautoren erhöhten oxidativen Stress durch große Mengen alkoholischer Getränke sowie Entzündungen und Schäden an den Innenwänden der Blutgefäße.

Die Autoren fordern, in der öffentlichen Bildungs- und Aufklärungsarbeit auch auf die möglichen Herz- und Gefäßschäden durch Alkoholexzesse hinzuweisen. Zwar seien die Daten für das mittlere und höhere Lebensalter eindeutiger, doch würden die meisten Alkoholexzesse bei jungen Leuten auftreten, deren erhöhtes Risiko für Hochdruck und Gefäßschäden sich ins spätere Leben fortsetzen kann. Es sei daher äußerst wichtig, schädlichen Trinkmustern durch Bildungs- und Informationskampagnen entgegen zu wirken.  

Kritiker ergänzen wichtige Details

Mitglieder des Internationalen Forums für Alkoholforschung begrüßten die Übersichtsarbeit der Amerikaner, bemängelten jedoch unter anderem, dass nicht alle verfügbaren Studien eingeschlossen worden seien. Daher seien noch viele Fragen offen und weitere Differenzierungen nötig. In der Gesamtschau zeige sich z. B. ein akut blutdrucksenkender Effekt größerer Trinkmengen, erst nach etwa 12 Stunden steige der Blutdruck dann an. Wer nur am Wochenende trinke, habe zudem deutlichere Blutdruckschwankungen als Personen, die täglich alkoholische Getränke konsumieren. 

Andere Forumsmitglieder wiesen darauf hin, dass in der amerikanischen Arbeit nicht angemessen zwischen Wein und Spirituosenkonsum unterschieden worden sei und danach, ob die Getränke im Rahmen einer Mahlzeit verzehrt wurden oder nicht. Letzteres könne zu extrem unterschiedlichen Blut-Alkoholspiegeln führen und lasse daher auch andere gesundheitliche Auswirkungen erwarten. Dies belegen bereits zahlreiche internationale Studien. Dass in Untersuchungen, die nach Art der alkoholischen Getränke differenzierten, bei Weinkonsumenten meist positivere Effekte auftraten, spricht dafür, dass es eben nicht nur auf die Dosis – ausgedrückt in Gramm Ethanol – ankommt.

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