Neues aus der Wissenschaft

Wein und Gesundheit: kritisch betrachtet

Jüngst hat eine Gruppe von italienischen Wissenschaftlern die Nutzen-Risiko-Bilanz des Konsums von Wein und anderen alkoholischen Getränken kritisch unter die Lupe genommen und kommt zu folgendem Schluss:

Unzweifelhaft gibt es negative UND positive Effekte beim Konsum alkoholischer Getränke. Dies hängt im Wesentlichen von der Dosis und dem Trinkmuster ab; ebenso ist die Wirkung bei verschiedenen Krankheitsbildern unterschiedlich. 

Die Gesamtsterblichkeit bildet nach Ansicht italienischer Wissenschaftler am besten die Balance zwischen den positiven Effekten eines moderaten Weingenusses und den Gesundheitsschäden durch Alkoholabusus ab. In ihrem aktuellen Review fassen sie die Evidenz dafür zusammen (Crit Revs Food Sci Nutr 2016; 56:635–640). So haben prospektive Studien gezeigt, dass der Wein einen günstigen Effekt auf die Lebensdauer hat, der über jenen des Alkohols hinausgeht. Dafür werden die Polyphenole des Weins verantwortlich gemacht, wie etwa die Flavanole Myricetin und Quercetin, Catechin und Epicatechin, Proanthocyanidine und Anthocyanine, diverse Phenolsäuren sowie das Stilben Resveratrol.

Folgende Wirkungen der Weinphenole gelten als belegt und können die positiven Effekte des Weins auf das Herz-Kreislauf-Geschehen, aber auch auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes erklären: 

Weinphenole wirken

 - antioxidativ

- neuroprotektiv

- entzündungshemmend

Weinphenole

 - normalisieren den Blutzucker

- verbessern die Gefäßendothelfunktion

- hemmen die Blutplättchenaggregation

Wie epidemiologische Studien übereinstimmend zeigen, geht ein moderater Weingenuss von bis zu zwei Gläsern (ca. 0,4 l eines mittelgrädigen Weins) für Männer und bis zu einem Glas für Frauen mit einer höheren Lebenserwartung einher, indem er das Risiko vor allem für kardiovaskuläre Erkrankungen reduziert und das allgemeine Krebsrisiko nicht beeinflusst. Daher wird das typisch mediterrane Trinkmuster – überwiegend Wein, regelmäßig, mäßig und bevorzugt zu den Mahlzeiten – inzwischen als Teil des gesunden  mediterranen Lebensstils angesehen.

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