Neues aus der Wissenschaft

Warum Wein moderat und zum Essen getrunken werden sollte

Ist der Konsum alkoholischer Getränke nun gesund oder nicht? Wer diese Frage beantworten will, muss sich in der wissenschaftlichen Literatur auskennen und darauf achten, welche Faktoren neben der Trinkmenge in die betreffenden Studien eingeflossen sind. Ein internationales Team von OIV- (Internationale Organisation für Rebe und Wein) Weinexperten unter der Leitung von Prof. Mladen Boban von der Abteilung für Pharmakologie der Medizinischen Hochschule im kroatischen Split hat jüngst diese Überlegungen in einer Übersichtsarbeit zusammengetragen. Er kommt zu dem Schluss, dass die Gesamtschau der vorliegenden Daten ein positives Urteil für den moderaten Weingenuss zur Mahlzeit zulässt. 

Was berücksichtigt werden muss

In eine korrekte Bewertung müssen nach den Autoren zwingend folgende Faktoren berücksichtigt werden: die Art des konsumierten Getränks, ob regelmäßig-mäßig oder unregelmäßig-aber viel getrunken wird und ob die alkoholischen Getränke im Rahmen einer Mahlzeit genossen werden. Mit anderen Worten: Das Trinkmuster und das Getränk per se sind weitaus wichtiger als die durchschnittlich konsumierte Alkoholmenge. Zudem spielen Alter, Geschlecht und genetische Variationen eine Rolle. Selbst die kulturellen Gepflogenheiten verdienen Beachtung, denn sie beeinflussen das Verhalten der Konsumenten auch unabhängig von der Trinkmenge. Daher, so die Autoren, sollten Informations- und Bildungskampagnen diese Faktoren – insbesondere das Trinkmuster – immer mit einbinden. 

Für den Weinkonsum fanden die Autoren, dass vor allem das so genannte mediterrane Trinkmuster, das heißt den moderaten Konsum zum Essen, mit den positiven Effekten (z.B. einer verminderten Gesamtsterblichkeit) einhergeht.

Wein wirkt auf vielfältige Weise

Was ist das Besondere an Wein? Wein mindert, wenn er zum Essen getrunken wird, den so genannten oxidativen Stress, dem der Körper normalerweise nach einer Mahlzeit unterliegt. In der Folge entstehen weniger aggressive Oxidationsprodukte sowohl im Darm als auch in den Blutgefäßen, die Hauptverursacher vieler Krankheiten, wie z.B. Arteriosklerose (Gefäßverkalkung).  

Einen wesentlichen Anteil am Schutz der Blutgefäße haben zudem die ebenfalls antioxidativ wirkenden phenolischen Bestandteile des Weins. Sie schützen nicht nur die Cholesterinpartikel vor gefährlicher Oxidation, sondern senken die Blutgerinnungsneigung und unterstützen die Funktion der Gefäßinnenwände (Endothel). Doch nicht nur die Weinphenole selbst, sondern auch die im Darm, in der Leber oder durch die Darmflora aus ihnen gebildeten Metabolite können günstige Wirkungen entfalten. Nach dem Genuss von Wein zum Essen steigt zudem – vorübergehend und moderat – die Harnsäure im Blut an. Dies hat nichts mit dem Krankheitsbild der Gicht zu tun, sondern ist im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme ebenfalls ein positiver Effekt. Denn Harnsäure ist eines der stärksten körpereigenen Antioxidantien und kann als solches krankmachende Sauerstoffreaktionen verhindern. All dies spricht dafür, dass der Wein seine gefäßschützenden Effekte vor allem in den Stunden nach dem Essen entfaltet.  

Essen als Promillebremse

Essen verlangsamt den Anstieg des Blutalkoholspiegels und verringert den maximalen Promillewert. Zudem sollten die antimikrobiellen Effekte des Weins erwähnt werden, die das Essen bekömmlicher machen. 

Das Autorenteam gibt folgende Empfehlungen für Weintrinker:

Menge
Beobachtungs- und Interventionsstudien legen nahe, dass für Männer eine tägliche Menge von 200 bis 300 ml eines Weins mit mittlerem Alkoholgehalt, entsprechend etwa 20 bis 30 g Alkohol, und für Frauen 100 bis 200 ml Wein, entsprechend etwa 10 bis 20 g Alkohol, einem leichten bis moderaten Weinkonsum entsprechen. Dieser geht mit einem verminderten Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen sowie mit einer verringerten Gesamtsterblichkeit einher.

Muster
Ein häufiger und hoher Weinkonsum gefährdet die Gesundheit. Empfohlen wird, Wein als Begleiter zu Mahlzeiten oder Snacks zu genießen – am besten abwechselnd mit Wasser.

Abstinenz und Punktnüchternheit
Es gibt Situationen, in denen von einem Weinkonsum abgeraten werden muss, wie z.B. in der  Schwangerschaft und Stillzeit, bei bestimmten Erkrankungen und erhöhter Suchtgefahr oder im Straßenverkehr.

Anmerkung: Die DWA war an der Publikation beteiligt.  

Punkte für traditionelles, mediterranes Trinkmuster (MADP) wurden z.B. vergeben für bevorzugter Genuss von Wein, Weinkonsum im Rahmen einer Mahlzeit oder Vermeiden von Rauschtrinken

Hintergründe und weitere Erläuterungen zu dieser Studie finden Sie unter:

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