Neues aus der Wissenschaft

Langzeit-Interventionsstudie zum moderaten Konsum ist sinnvoll und möglich

Ist der moderate Konsum alkoholischer Getränke wirklich gut für Herz und Hirn? Schützt er tatsächlich vor Diabetes? Gibt es bei moderaten Trinkmengen auch negative gesundheitliche Auswirkungen oder existiert doch eine „sichere“ Verzehrmenge? Zu diesen und weiteren Fragen liegt inzwischen eine große Fülle an wissenschaftlichen Daten vor. Sie zeigen über Jahrzehnte sehr konsistent und biologisch plausibel, dass ein moderater Genuss mit verminderten Risiken für Herzinfarkt, Herzversagen, ischämischen Schlaganfall, Diabetes, Osteoporose, Oberschenkelbrüche, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sowie Demenz einhergeht. Trotz der großen Datenmenge mit konsistenten Ergebnissen bemängeln Kritiker gelegentlich das Fehlen langfristig angelegter Interventionsstudien, um letzte Zweifel auszuräumen. 

Der Goldstandard fehlt – noch!

Randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien gelten als Goldstandard: Zwar sind auch diese Studien nicht ohne methodische Probleme, doch erlauben sie – anders als Beobachtungsstudien, die nur statistische Korrelationen aufzeigen können – eine Aussage über Ursache und Wirkung. Dazu ist es notwendig, genügend geeignete Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) in eine Kontroll- und eine oder mehrere Interventionsgruppen zu unterteilen. Sie sollten sich möglichst nur durch die jeweilige Intervention, z. B. den regelmäßigen Weingenuss, unterscheiden. Nach ausreichend langer Zeit, die bei chronischen Erkrankungen mehrere Jahre umfasst, kann dann ausgewertet werden, ob die Intervention das Auftreten der untersuchten Krankheit beeinflusst hat, in welcher Weise und in welchem Ausmaß. 

Was einleuchtend klingt, ist in der Praxis allerdings aufwändig und kaum vorstellbar: Finden sich genug geeignete Teilnehmer? Sind sie bereit, sich über mehrere Jahre an die Vorgaben zu halten, beispielsweise nur Wein oder Wasser zu trinken? Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten, die das tägliche Essen und Trinken der Menschen begleiten, hielten viele große Interventionsstudien für nicht praktikabel bis utopisch. 

Cleveres Design macht´s möglich

Ein Team renommierter amerikanischer Wissenschaftler hat sich jetzt die Mühe gemacht und zusammengetragen, was nötig wäre, um eine solche Studie aufzulegen. Da es mittlerweile kleinere Interventionsstudien gibt, die komplexe Veränderungen im Essverhalten über bis zu zwei Jahre untersucht haben, sind die Autoren zuversichtlich, dass dies auch zum Thema moderater Weinkonsum und chronische Krankheiten möglich ist. Damit ein solches Unterfangen gelingt, müsse jedoch Folgendes bedacht werden: 

  • Um allgemeingültige Ergebnisse zu liefern, muss die Studie groß genug und international angelegt sein.
  • Um schnellstmöglich belastbare Ergebnisse zu erhalten, muss sie Menschen mit einem erhöhten Risiko für chronische Krankheiten umfassen.
  • Um die Abbrecherquote möglichst gering zu halten, muss die Intervention einfach (z. B. 1 Drink täglich vs. Abstinenz) und die Studie muss für alle Teilnehmer, auch jene in der Kontrollgruppe, attraktiv sein.
  • Neben dem Auftreten chronischer Erkrankungen sollte die Gesamtsterblichkeit untersucht werden. 

Definitive Antworten erwartet

Von einer solchen Langzeit-Interventionsstudie erwarten die Autoren definitive Antworten, die den Kontroversen zum moderaten Konsum ein Ende bereiten können. Dies wäre auch für die Gesundheitspolitik wichtig, die sich damit unangreifbarer zum moderaten Konsum positionieren könnte. 

Etwa zeitgleich wurde bekannt, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) Mittel für eine Interventionsstudie mit 7.800 über 50jährigen Teilnehmern zur Verfügung stellt, die ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßleiden aufweisen. Sie sollen sechs Jahre lang entweder keine alkoholischen Getränke konsumieren oder einen Drink täglich (entsprechend 14 g Alkohol), bei freier Wahl der Getränke, um das Durchhaltevermögen zu stärken.

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