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Alkoholische Getränke und Fettleber: Die Dosis macht's – und das Gewicht

Eine Verfettung der Leber ist ein häufiges Leiden in der modernen Welt. Sie ist beständig auf dem Vormarsch, nicht nur im Westen, sondern auch in asiatischen Ländern. Je älter und je schwerer ein Mensch wird, je mehr Bauchumfang er aufweist und je mehr Alkohol er trinkt, umso ungünstiger ist dies für seine Leber. Besonders stark nehmen jedoch weltweit die nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen zu, parallel zu Übergewicht und metabolischem Syndrom, dem Zusammentreffen von Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen, bauchbetontem Übergewicht und gegebenenfalls auch Bluthochdruck.

Aus Beobachtungsstudien mehren sich die Hinweise, dass im Gegensatz zum Alkoholmissbrauch ein geringer Konsum alkoholischer Getränke einer Leberverfettung entgegenwirken kann. Allerdings sind die Daten bislang nicht ganz einheitlich. Aus diesem Grund analysierten japanische Mediziner die Daten von über 8.000 Männern und Frauen (28 %), die im Rahmen ihrer jährlichen Gesundheitsuntersuchung neben Blutanalysen auch einem Interview zur Häufigkeit und Menge der regelmäßig verzehrten alkoholischen Getränke sowie einer Ultraschalluntersuchung der Leber unterzogen wurden.

Als unabhängige Risikofaktoren für eine Leberverfettung erwiesen sich Alter, Body-Mass-Index (BMI) als Maßstab für Übergewicht, Taillenumfang, Blutzuckerspiegel (nüchtern) sowie die Blutfette (Triglyzeride). Lediglich bei den Frauen ließ auch ein heftiger Konsum alkoholischer Getränke das Risiko für eine Fettleber steigen. Als heftig wurde in dieser Studie ein Konsum von mehr als 50 g Alkohol täglich eingestuft. Als moderater Trinker galt, wer im Verlauf des vergangenen Jahres durchschnittlich 20 bis 50 g Alkohol täglich zu sich genommen hatte, als „Nichttrinker“, wer unter 20 g täglich geblieben war.

Die Aufschlüsselung der Daten nach Geschlecht, BMI, Taillenumfang und Trinkmenge ergab, dass unterschiedliche Effekte zu beobachten waren: Bei den Männern stieg die Häufigkeit einer Fettleber mit dem BMI und dem Taillenumfang deutlich an. Bei schlanken Männern kam ein Alkoholkonsum von mehr als 50 g täglich als dritter Risikofaktor hinzu, bei dickeren erstaunlicherweise nicht.

Etwas anders sah es bei den Frauen aus: Konsumierten sie mehr als 50 g Alkohol täglich, verdreifachte sich ihr Fettleberrisiko unabhängig vom BMI. Ein moderater Konsum ging bei Frauen dagegen mit einem verminderten Risiko für Leberverfettung einher unabhängig von ihrem Körpergewicht.

Da es sich bei dieser Arbeit um eine Querschnittstudie handelt, dürfen keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen aus ihr abgeleitet werden. Insgesamt passen die Daten jedoch in ein deutlicher werdendes Bild, wonach ein maßvoller Konsum alkoholischer Getränke nicht zu Leberverfettung führt. Manche Forscher wagen gar von einem protektiven Effekt zu sprechen. Über die Ursachen wird noch spekuliert. Möglich wäre, dass maßvolle Mengen alkoholischer Getränke über eine Verbesserung der Insulinwirkung einer Leberverfettung entgegenwirken. Das allmähliche Unwirksamwerden des Hormons Insulin (Insulinresistenz) ist ein wesentlicher Faktor in der Entstehung einer Fettleber. Dies würde auch erklären, warum in dieser Studie nur übergewichtige Menschen von alkoholischen Getränken profitierten, denn Übergewicht geht häufiger mit einer Insulinresistenz einher als Normalgewicht.

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