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Nicht-alkoholische Fettleber: Kann moderater Genuss alkoholischer Getränke die Leber sogar schützen?

Wenn der Begriff Fettleber fällt, denken viele Menschen noch immer als erstes an Alkoholmissbrauch. Allerdings ist die heute häufigste Form der Lebererkrankung die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, die abgekürzt als NAFLD bezeichnet wird (für engl. Non Alcoholic Fatty Liver Disease). Schon 30 bis 40 % der Erwachsenen weisen eine solche NAFLD auf.

Eine Fettleber tut nicht weh, sie birgt jedoch erhebliche Gesundheitsrisiken: Die NAFLD gilt inzwischen als die eigentliche Ursache für die Stoffwechselstörungen des Metabolischen Syndroms und für Typ-2-Diabetes. Mit einer NAFLD erhöht sich auch unabhängig von bekannten Risikofaktoren das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden und chronische Nierenerkrankungen. Schlimmstenfalls kann sich eine NAFLD über eine Leberentzündung zur Leberzirrhose und bis hin zum Leberkrebs weiterentwickeln. Heute weisen bereits 30 bis 40 % der Erwachsenen und gar 30 % der übergewichtigen Kinder eine nicht-alkoholische Fettleber auf. Betroffen sind dabei jedoch nicht nur übergewichtige Menschen sondern auch Menschen mit „Normalgewicht“. (1)

Da sich zahlreiche Risikofaktoren für das Metabolische Syndrom bei leichtem bis mäßigem Konsum alkoholischer Getränke günstig verändern und weil das Metabolische Syndrom und die NAFLD so oft zusammen auftreten, gingen japanische Wissenschaftler der Frage nach, wie sich der Konsum alkoholischer Getränke wohl auf das Risiko auswirkt, eine NAFLD zu entwickeln.

Dazu unterzogen sie rund 11.000 Japaner und rund 7.500 Japanerinnen anläßlich eines der dort sehr beliebten medizinischen Checkups einer Ultraschalluntersuchung der Leber und befragten sie über ihren Konsum alkoholischer Getränke. Dann bildeten sie vier Kategorien:

  • kein / minimaler Konsum < 40 g Alkohol/Woche
  • leichter / geringer Konsum 40 - 140 g Alkohol/Woche
  • moderater Konsum 140 - 280 g Alkohol/Woche
  • exzessiver Konsum >280 g Alkohol/Woche

Die statistische Auswertung erbrachte: Bei Männern war das Risiko für eine NAFLD sogar bei übermoderaten Alkoholdosen erkennbar. Bei den Frauen lag das NAFLD-Risiko niedriger als bei Abstinenz, wenn sie alkoholische Getränke entsprechend 40 bis 280 g Alkohol wöchentlich zu sich nahmen. Diese Ergebnisse bestätigen sieben weitere Studien, die ebenfalls ein vermindertes Risiko für eine Fettleber bei leichtem bis moderatem Konsum feststellten. Die auch hierzulande als günstig angesehenen Mengen von täglich 200 – 300 ml Wein für Frauen bzw. Männer könnten demnach nicht nur vor Herzinfarkten schützen, sondern auch vor einer NAFLD und ihren Folgeerkrankungen. 

Da es sich bislang vor allem um Querschnittsstudien handelt, die prinzipiell keine ursächlichen Zusammenhänge beweisen können, sind nun Langzeitstudien sowie mehr Grundlagenforschung nötig, um herauszufinden, ob und wie ein leichter bis moderater Konsum alkoholischer Getränke eine NAFLD verhindern kann.

(1) Prof. Dr. Nicolai Worm, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der DWA, hat alle neuen Erkenntnisse zur nicht-alkoholischen Fettleber in seinem neuen Buch „Menschenstopfleber“ (systemed-Verlag, Lünen) zusammengefasst.

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