Der Deutsche Weinbau und Frau Irene Hebermehl – zwei Urgesteine

Irene im Jahr 1939

1939 auf einem Weinfest in Mainz am Rhein… fröhliches Winzermädchen, steht unter dem Bild in DER DEUTSCHE WEINBAU, 18. Jahrgang, 34/35. Knapp 21 war sie damals. Wer hätte gedacht, dass Irene Walldorf aus Saulheim, heute Irene Hebermehl, wohnhaft in Bingen am Rhein, 80 Jahre später noch lebt – und zwar wie! Das betont sie mehrmals, als wir uns zu einem Interview treffen. Eine kleine schmale Greisin, mit wachen, lustigen Augen erwartet mich zum Kaffee. Was sie denn gemacht habe, um so lang zu leben? Geistig rege, witzig und unkompliziert beantwortet Sie geduldig meine Fragen.

Zu einer guten Mischung zum Zufriedensein gehört zum Ersten: ein optimistisches Naturell. Dann noch vernünftiges Essen und Trinken, körperliche Aktivität, Gottvertrauen, ausgewogene Nächsten- und Eigenliebe. Und last but not least Lebensfreude, Humor, intakter Familien- und Freundeskreis und Offenheit für alles Neue. Letzteres bezeugen noch die fünf Zimmer in ihrem Haus mit Blick auf die Germania in Bingen, die sie lange Jahre vermietet hatte, zum Schluss an Studenten der Uni Bingen; zu vielen hat sie heute noch ein gutes Verhältnis.

Irene Hebermehl heute

Die Ernährung spielt in unserer bewegungsarmen Fast-Food-Welt eine große Rolle. Ob sie denn besondere Essens- und Trinkregeln beherzigt habe? Lange habe sie ja einen Garten mit Spargel, Kartoffeln, Obst und Gemüse ihr eigen genannt. Daraus wurde sich in erster Linie ernährt, im Sommer Frisches, im Winter Eingemachtes. Wein war immer dabei – alles maßvoll und zu seiner Zeit. Früher habe sie mehr Weißwein getrunken, trocken natürlich. Je älter sie wurde, desto dunkler und süßer wurde ihr Geschmack, ein milder Rotwein ist heute am ehesten angesagt.

Dass dies gesund war, glaubt man gerne – wurde ihr Mann doch auch über 90.

Und Bewegung? Als Jugendliche war sie lange Ansagerin im Radsportverein Saulheim; auf dem Einrad versteht sich. Später trainierte sie ihren Körper mit Tennis und Kegeln bis ins hohe Alter.

Irene Hebermehl mit Familie

Erst mit 94 bekam sie offiziell Hilfe. Allzeit gut eingebettet war und ist sie in die Familie aus zwei Söhnen und deren Sprösslingen, denen es sichtlich Spaß macht mit der Uroma, Oma, Mutter. Einer davon ist Sohn Gerhard, frisch pensionierter Gymnasialschulleiter, mit dem wir Bilder schauen von den beiden Söhnen, den fünf Enkeln und Urenkeln – eine von letzteren auch 2018 geboren – nur 100 Jahre später als Irene Hebermehl.

Nach meinem Interview wurde mir wieder einmal klar, dass alle Wissenschaft der Welt nichts ist gegen persönliche lebendige Zeugnisse. Sucht man verzweifelt die Gene der Langlebigkeit und Substanzen, die ihre Aktivität modulieren, scheint es doch so einfach, mit Freude – und gutem deutschen Wein – alt zu werden. Da hätte man glatt Lust, auch Hundert zu werden….

Den Geburtstag feierte man am 26.8.2018 bei der Verwandtschaft im Weingut Pfaffenhof in Saulheim, tags drauf mit Bürgermeister und Pfarrer in Bingen. Wir schließen uns den vielen Gratulanten an. Zum Wohl und herzlichen Glückwunsch!

Verwandte Themen

Allgemeine Gesundheitsaspekte

Weiterlesen

Trinkmuster

Weiterlesen