Nachlese

Kulinarische Reise mit Johann Wolfgang von Goethe

Mit Unterstützung der Deutschen Weinakademie lud der Soester Lions Club am 1. Februar 2017 zu einer kulinarischen Weinreise mit Goethe ein. Die gemütlichen Räume der Brauerei Christ in Soest boten den passenden Rahmen und den rund 50  begeisterten Teilnehmern ein delikates Sechs-Gänge-Menü nach original Goethe-Vorgaben. Initiiert und begleitet wurde die sehr gut angenommene Vortragsveranstaltung von Prof. Markus Flesch, seines Zeichens Vorsitzender des Soester Lions Clubs und des wissenschaftlichen Beirats der DWA. Als Referenten konnte er seinen Kollegen im wissenschaftlichen Beirat der DWA, Dr. Gerhard Kreuter aus Bad Neuenahr-Ahrweiler gewinnen. 

 

Genussmensch Goethe

Für den großen deutschen Dichter und Wissenschaftler, Politiker und Lebemann waren Essen und Trinken ein Lebenselixier und Inspiration. Goethe liebte es, zu tafeln und war ein ausgesprochener Weinkenner und -genießer. Dies wurde im ersten Teil des Vortrags von Dr. Kreuter schon an Goethes Lebenslauf deutlich. Als dieser am 28. August 1749 in Frankfurt das Licht der Welt erblickte und zunächst kein Lebenszeichen von sich gab, badete ihn die Rheingauer Hebamme kurzerhand in Wein, woraufhin sie der Mutter erleichtert versichern konnte: „Rätin, er lebt“. Dass Goethe dem Wein ein Leben lang zugetan war, hatte aber wohl vor allem damit zu tun, dass die Familie zwei Weinberge besaß, mit Wein handelte und dass der Sohn sich bereits früh umfassende Fachkenntnisse über Anbau und in der Weinkunde erwarb.

Nach diesem biographischen Einstieg konnten sich die Gäste an den ersten beiden Gängen des Menüs erfreuen, das nach Einschätzung von Prof. Flesch „ganz große Kochkunst“ bot. Mit ein wenig Phantasie habe man sich an Goethes Tafel sehen können, wozu auch das Ambiente des Tagungszimmers und die freundliche Bewirtung beigetragen haben. Die Weinreise führte in Begleitung der beiden ersten Gänge – Dicke Bohnen mit Matjes und Blattspinat mit verlorenen Eiern – zunächst ins Anbaugebiet Saale-Unstrut, dessen Weine, wie auch jene der anderen Anbaugebiete von der Leiterin der DWA, Frau Dr. Claudia Stein-Hammer, appetitanregend vorgestellt wurden.

Wein und Gesundheit in anderen Dimensionen

Dass Goethe mehr Wein trank als man heute als moderat empfiehlt, ist bekannt. Seine Weinbestellungen waren beträchtlich, auch, weil er in seiner Weimarer Zeit stets viele Gäste zum Essen hatte. Bei diesen Anlässen stand vor jedem Gast eine Flasche Wein, aus der er oder sie sich nach Belieben bedienen durfte. Doch Goethe schrieb dem Wein auch gesundheitliche Wirkungen zu, wie er beispielsweise 1785 an Charlotte von Stein schrieb: „Der gestrige Wein hat wieder seine wohltätige Wirkung gezeigt, ich habe sehr gut geschlafen und befinde mich wohl.“ Als in Weimar das Scharlachfieber grassierte, erhielten auch die Bediensteten Wein, wohl auf dessen antiseptische Wirkung hoffend.

Die kulinarische Soester Weinreise führte derweil zu den nächsten beiden Gängen – Wolfsbarschfilet und gebackenen Schwarzwurzeln – und zu Goethes geliebten Franken-Silvanern aus den Würzburger Weltklasse-Lagen. Nach dem Genuss weiterer Goethe-Zitate, folgten die beiden letzten Gänge – Kalbsroulade und die abschließende Süßspeise – und zwei Weine aus dem Rheingau, darunter ein ELFER – DER legendäre Jahrgang seines „übermäßig schönen Rheingaus“, den Goethe u. a. in dem „Lied vom Elfer“ poetisch aufarbeitete. 1811 war ein seltsames Weinjahr: extrem kalter Winter, extrem heißer Sommer, relativ wenig Wein, daher teuer. Der kredenzte Riesling war zwar 200 Jahre jünger, dennoch etwas ganz Besonderes, weshalb die Weinreise auf Goethes Spuren auch mit ihm endete.

Dass sich die Gäste am Essen, am Wein und am Vortrag sehr erfreuten, zeigten nicht nur die fröhliche Stimmung und die positiven Feedbacks. Auch die Tatsache, dass es ein langer Abend wurde, spricht dafür, dass die DWA dieses kulturbetonte Fortbildungsformat wiederholen wird.  

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