Kolumne "Nachgeforscht"

Wir schaffen das!

Weinbautag am Mittelrhein. Themen, die die Weinwirtschaft bewegen und herausfordern. Sinnig und stringent erläutert der geschätzte Kollege des DWV die Notwendigkeit und Vorteile eines neuen Weinbezeichnungsrechts. Eine große Chance für die deutschen Erzeuger, ihre Weinprofile selbst zu gestalten, aber auch viel Überzeugungsarbeit für die Vordenker, alle auf diesem Weg mitzunehmen. Denn man muss sich erstmal darauf einlassen. Eine Winzerin meldet sich zu Wort: Sie finde die Anlehnung der Bezeichnungen an das romanische System toll, das sei ein richtiger Schritt in die Zukunft, die Kunden werden mitgehen, wenn man es ihnen unkompliziert erkläre und alle dahinter stünden.

Die Parallelen drängen sich auf. Genau wie bei dem viel diskutierten, viel ignorierten, aber zunehmend mehr akzeptierten Thema WINE in MODERATION (WiM). Auch auf das muss man sich erstmal einlassen. Auch WiM hat nur Sinn, wenn die Weinwirtschaft dahinter steht, darin eine Chance sieht und die Herausforderung annimmt. Selbstgestaltung durch Selbstverpflichtung, bevor die Politik die Daumenschrauben in Form von Werbeverboten und Warnhinweisen ansetzt. Ich erläutere das politische Drohpotential, die Hintergründe und das Innenleben von WIM. Warum und weshalb das Ganze und was es dem Erzeuger bringt. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass jemand wie ich, der nur indirekt vom Wein lebt, weniger überzeugend wirkt als der, der das direkt tut. Und für Letzteres hatte ich eine tolle Mitstreiterin. Die junge Winzerin aus Bacharach, seit zwei Jahren auch WIM-Botschafterin, brachte es auf den Punkt: WiM ist eigentlich alles, was wir in unseren Betrieben ohnehin schon machen. Nur habe es jetzt einen Namen und zeige der Politik, dass es in der Weinwelt selbstverständlich ist, dass man das Jugendschutzgesetz einhält und dass Verkostung, Werbung und Verkauf verantwortungsvoll geschehen. So reiche sie bei ihren vielfältigen Weinproben immer parallel Wasser, Brot oder kleine Snacks. Das komme bei ihren Kunden prima an. Der Wein ist bekömmlicher, der Promillespiegel wird in Schach gehalten und der anspruchsvolle Kunde hat das Gefühl, hier geht es nicht nur um kurze Verkaufserfolge. Sie verkauft damit gleichzeitig Genusskultur und vermittle dem Genießer Interesse an seinem Wohlbefinden. Dieser belohnt es mit Treue zu ihrem Weingut, honoriert zudem die Arbeit in den Steilhängen des Mittelrheins, indem er für die Qualität auch gerne einen Euro mehr ausgibt. Ein Gesamtpaket. Die umtriebige Winzerin organisiert übers Jahr hinweg viele Wein-Kultur-Events im eigenen Haus oder auf einem der Rheinschiffe. Bereits bei der Einladung weist sie nach der Devise DON`T DRINK AND DRIVE auf schöne Hotels am Mittelrhein hin oder auf Zugverbindungen und Taxiunternehmen. Motto: Unbeschwert einen schönen Weinabend genießen, auch mal mit dem einen oder anderen Glas über der definierten moderaten Dosis…. Ich merke, dass ihre praxisnahen Ausführungen die Kollegen überzeugen und bin ihr mehr als dankbar. Sie ist erfolgreich, authentisch und sie weiß, was sie will. Und das sagt sie auch: Sie will, dass der Mittelrhein das erste Weinanbaugebiet ist, in dem ALLE Weinerzeuger WiM-Mitglieder sind.

Persönlichkeiten wie sie braucht die WiM-Initiative, braucht das neue Bezeichnungsrecht, brauchen die Herausforderungen der Weinwirtschaft. Ich wollte es nicht verwenden, aber es passt so wunderbar: Wir schaffen das!

Verwandte Themen

Informationen zum Präventionsprogramm

Weiterlesen

Informationen zur DDAD-Kampagne

Weiterlesen