Kolumne "Nachgeforscht"

Weichen fürs Leben

Was Hänschen nicht lernt …. Obwohl schon lange dem Jugendalter entsprungen, weiß ich noch genau, wie ich mit 13 drohte, alles anders zu machen. Daran wurde ich auch eine Generation später erinnert, wo ich diejenige war, gegen die opponiert wurde. Trotz aller Rebellion wird vieles von dem, was Eltern vorleben, von Kindern bewusst oder unbewusst übernommen. Gutes und Schlechtes.

Redensarten haben oft einen wahren Kern. Dies zeigt auch die neuste Auswertung einer Langzeitstudie des Robert-Koch-Instituts zur Kinder- und Jugendgesundheit in Deutschland. Die Daten und Verhaltensweisen von 12.000 Mädchen und Jungen lieferten neben Einblicken zur Entwicklung des Körpergewichts, zur Art und Weise des Essens und der sportlichen Aktivitäten auch Erkenntnisse zum Alkoholkonsum: Danach trinken Jugendliche weniger als noch vor 10 Jahren. Auch das beliebte Rauschtrinken der 11- bis 17jährigen halbierte sich nahezu von 12 % auf 7 %. Allerdings ist die Anzahl derer, die am Wochenende mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert werden nach jahrelangem Abwärtstrend wieder leicht gestiegen. Unterm Strich, kein Grund zum Zurücklehnen, aber dennoch ein Beleg, dass die vielen Präventionskampagnen einen Großteil der Jugend erreichen.

Allerdings habe - so die Forscher - das soziale Umfeld den stärksten Einfluss auf das Gesundheitsverhalten der Heranwachsenden. Einstellungen zu Tabak, Alkohol und Drogen werden schon in der Kindheit erworben und meist das ganze Leben lang beibehalten. Dabei zeige sich Bildung durchgehend als Gesundheitsschutz, womit Kinder aus sozial schwachen Familien klar benachteiligt seien. Sie essen ungesünder, sind weniger sportlich und haben häufiger Übergewicht - eine Blaupause ihrer Eltern. Auf der anderen Seite leben Jugendliche trotz pubertierenden Opponierens gesünder, wenn Eltern es auch tun. Das betrifft ebenso die Trinkgewohnheiten. Zeigen Eltern kultiviertes Verhalten beim Essen und Trinken, leben sie Genuss und gesunde Trinkmuster vor, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies auch die nächste Generation praktiziert. Und die Phasen, in denen Jugendliche auch mal mehr trinken als ihnen gut tut, werden relativ schnell über die Zeit geregelt.

Die Bedeutung der sozialen Herkunft ist immens, aber nicht schicksalshaft. Der Mensch ist lernfähig, das ganze Leben lang. Auch denjenigen, die in weniger günstigem Umfeld groß werden, müssen Chancen aufgezeigt werden, wie sie es besser machen können. Im Falle des richtigen Umgangs mit Wein ist Wine in Moderation eine der Möglichkeiten. In dem Präventionsprogramm der Weinwirtschaft wird den angehenden Winzern und Önologen plausibel und ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt, wie viel Wein gut für sie ist und wie viel schlecht. Gut ist er, wenn die Dosis im Rahmen bleibt und das Glas Wein eingebettet ist in einen Lebensstil aus gesunder Ernährung, Bewegung und Rauchverzicht. Und das sollten sie auch an ihre Altersgenossen und Kunden weitergeben.

Ändern kann man nicht, wo und wie man geboren wird, aber positive Vorgaben der Eltern können durch Dritte gestärkt und negative abgeschwächt werden. Diesen Part sollten in der Weinwelt wir Alten übernehmen, indem wir nicht nur über kultivierten Weingenuss reden, sondern ihn konsequent vorleben.

Was Hänschen nicht lernt, kann Hans später immer noch lernen; es dauert zwar länger und leichter ist es auch nicht – aber es geht.

Verwandte Themen

Trinkmuster

Weiterlesen

Informationen zum Präventionsprogramm

Weiterlesen