Kolumne "Nachgeforscht"

Promillespiele

Wir wagten das Unmögliche und wollten zwischen Tausenden von tollen Weinen aus aller Welt auf Wine in Moderation (WiM) aufmerksam machen. Vorsorglich hatte ich unser ProWein-Standpersonal auf Frustrationsstabilität eingestellt.

Einem Wunder gleichkommend waren die Reaktionen darauf, den aktuellen Promillespiegel an unserem Stand testen zu lassen, ausschließlich positiv. Einige Hundert Proweinbesucher pusteten… und ließen sich auf Gespräche zu biologischem Alkoholabbau und gesundem Trinkmuster ein. Vor allem die jüngere Generation machte ohne Scheu von unserem Angebot Gebrauch. Spitzenreiter mit über 2 Promille waren zwei junge Winzer, die allerdings aus der benachbarten Bier-Wein-Schnaps-Partyhalle kamen und einfach zu viel Alkoholisches jeder Art konsumiert hatten. Sie waren nicht sonderlich überrascht, hatten aber vorausschauend die Autos daheim gelassen.

Messebesucher überprüfen mit Hilfe eines digitalen Alkoholtesters ihre Promillewerte

Aber ähnlich hoch waren auch die Promillewerte einer höchstens 50 kg-leichten Weinhändlerin aus Tokio, die sich über ihre 1,6 Promille ein wenig erschrak. Soo viel hätte sie gar nicht getrunken. Ihr spielte wohl ihre körperliche und genetische Konstitution einen Streich. Bei ihr verteilte sich der Alkohol auf wenig Masse. Zudem gehörte sie wahrscheinlich zu den für Asiaten typischen Trägern von Enzymvarianten, die Alkohol noch schlechter abbauen, als es Frauen ohnehin tun.

Die Genannten waren in der Tat einzelne Ausreißer. Die Allermeisten wollten es gar nicht glauben, dass trotz des stundenlangen Degustierens unser Testgerät meist zwischen 0, 2 und 0,4 Promille zeigte. Immer wieder hörten wir, dass das nicht sein könne, man habe doch den ganzen Tag probiert. Bei Nachfragen wurde klar, dass sie sich trotz des Riesenangebots Zeit zum Probieren und Philosophieren gelassen und von den überall verfügbaren Snacks und dem Wasser Gebrauch gemacht hatten. Bei der Kombination Wasser, Essen, Wein kommt es erst gar nicht zu gefährlichen Promillespitzen, auch jenseits der moderaten Dosis… Das langsame Genießen lässt der Leber die Chance nachzuziehen und fleißig den Alkohol abzubauen. Übrigens fast immer nach dem gleichen Muster: die Herren der Schöpfung 0,15 bis 0,2 Promille pro Stunde, die Damen etwa die Hälfte.

Für uns war nach diesen drei Tagen Feldversuch klar, dass zwar in der Summe mehr getrunken wurde, als die „moderate“ Dosis - ProWein ist ja auch nicht alle Tage -, aber dennoch der Promillespiegel nicht ausuferte. Und Letzteres ist gesundheitlich relevanter als die konsumierte Alkohol-Grammzahl. Denn unter 0,5 Promille verstoffwechselt die Leber den Alkohol ohne Probleme. Bis 0,8 bzw. 1 Promille tut sie sich bereits etwas schwerer. Aber danach benötigt sie ein Zusatzsystem, das das eigentlich Gefährliche darstellt.

Auch um nicht als Wasserfraktion am Eingang Nord in die ProWein-Geschichte einzugehen, stellten wir uns am letzten Messetag einer praktischen Übung. Zu viert genossen wir - gerecht verteilt - eine besondere Flasche, begleitet von Wasser und Knabbereien. Nach 15 Minuten zeigte das Promillegerät für unseren einzigen Mann Null Komma Null. Wir Durchschnittsfrauen lagen bei 0,2 Promille; und keinen wunderte es, dass unsere WiM-Expertin mit asiatischen Wurzeln die höchsten Werte lieferte - und noch gewinnender lächelte als ohnehin.

Unser Messe-Fazit: Weinexperten interessieren sich mehr und mehr auch um das, was nach dem Abgang kommt. Wir machen weiter…

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